Elektroautos büßen im Winter 25 Prozent an WLTP-Reichweite ein

Elektroautos büßen im Winter 25 Prozent an WLTP-Reichweite ein
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Michael Neißendorfer
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Der Touring Club Schweiz (TCS) und der Norwegische Automobilclub NAF haben im vergangenen Winter erneut einen Reichweitentest mit Elektroautos durchgeführt und die Ergebnisse mit den Erkenntnissen aus dem gleichen Test im vergangenen Sommer verglichen. Wie erwartet erreichte im Winter kein einziges Auto die vom jeweiligen Hersteller angegeben Normreichweite, da die Heizung und andere Effekte der Kälte zusätzliche Energie kosten. Die Reichweiten der Autos lagen bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und teils schneebedeckten Straßen durchschnittlich 25 Prozent unter den WLTP-Laborwerten.

Der in Zusammenarbeit mit dem Norwegischen Automobilclub NAF durchgeführte Reichweitentest bildet eine realitätsnahe Überlandreise ab und stellt eine Ergänzung dar zu den WLTP-Werten, den Emissionsmessungen in TCS-Fahrtests sowie den Werten aus dem GreenNCAP Programm. Während der im vergangenen Sommer durchgeführte Test durchschnittlich 5 Prozent niedrigere Reichweiten als die Normwerte ergab, waren die auf gleicher Strecke bei winterlichen Bedingungen erzielten Reichweiten ungefähr 25 Prozent niedriger als die WLTP-Werte. Eine erhebliche Einbuße, die darauf zurückzuführen ist, dass ein Teil der Batterieladung für die Heizung des Fahrzeugs verwendet wird. Auch führen tiefe Temperaturen zu erhöhten Widerständen und schränken die elektrochemischen Vorgänge in der Batterie ein. Die Reichweiten liegen jedoch auch bei Kälte deutlich über der täglichen Durchschnittsdistanz und zeigen, dass Reisen mit Elektroautos auch im Winter möglich sind.

Für den Test wurden 28 Elektroautos unterschiedlicher Hersteller eingesetzt. Neben Tesla aus den USA, den europäischen Marken Volkswagen, BMW, Mercedes, Škoda und Renault, den südkoreanischen Herstellern Kia und Hyundai sowie den japanischen Toyota und Nissan, waren auch zahlreiche chinesische Hersteller vertreten: Nio, BYD, Voyah, Maxus, MG, Hongqi und JAC, die bereits im Pilotmarkt Norwegen verfügbar sind, während in der Schweiz nur JAC erhältlich ist. Norwegen gilt aufgrund des hohen Anteils an Elektroautos bei Neuwagen (mehr als 80 Prozent) und im Fahrzeugbestand (mehr als 20 Prozent) als Vorreiter in der Elektromobilität.

In dem Test bei winterlichen Bedingungen schnitt der Tesla Model S Dual Motor mit einer Batteriekapazität von 95 kWh und einer realen Reichweite von 530 km am besten ab. Er schaffte es als einziger Testteilnehmer über die Passhöhe der gefahrenen Strecke und konnte anschließend von der langen Talfahrt bezüglich der Reichweite und dem Verbrauch profitieren. Gefolgt wird er vom Tesla Model X Plaid (95 kWh Kapazität und 437 km Reichweite) und dem BMW i4 eDrive40 mit einer 80kWh-Batterie und 433 km Reichweite. Die fünf Schlusslichter im Test schafften es auf knapp mehr als 300 km.

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Auch beim Verbrauch trumpfte der Tesla Model Y auf mit 16,6 kWh pro 100 km. Es folgen der Kia Niro EV mit 17,2 kWh/100 km und der MG 4 mit 17,3 kWh/100km. Schlusslicht bei dieser Wertung war mit Abstand der großgebaute chinesische Hongqi E-HS9 mit einem fast doppelt so hohen Verbrauch wie der Tesla von 29,1 kWh/100 km.

Die Rangliste des Verhältnisses zwischen der erzielten Reichweite und dem Neupreis wird hingegen von chinesischen Fahrzeugen angeführt. Wenn nur Autos beachtet werden, die in der Schweiz erhältlich sind, hat mit 106 Schweizer Franken pro kWh der chinesische JAC e-JS4 die Nase vorn. Gefolgt von Nissan Ariya (117 Schweizer Franken), Kia Niro EV (123 Schweizer Franken), Tesla Y (126 Schweizer Franken) und Renault Megane E-Tech electric (138 Schweizer Franken). Schlusslicht in dieser Rangliste ist die Luxuslimousine BMW i7 mit 403 Schweizer Franken für jeden Kilometer Reichweite.

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Die Parameter Reichweite und Energieverbrauch wurden auf einer kontrollierten Testfahrt unter realen Bedingungen ermittelt, bei welcher die Autos unter gleichen Voraussetzungen die gleiche Strecke gefahren sind. Minimale Unterschiede gab es lediglich bei der Beladung der Autos, dem Verkehrsfluss an Ampeln, Kreuzungen und Kreiseln sowie bei der Bereifung der Autos. Zudem wirkten sich auch Gelände und Wetter auf die Testergebnisse aus. Im Zentrum standen dabei weniger die absoluten Werte der gemessenen Größen, sondern die Abweichung gegenüber der Standardwerte nach WLTP und der Vergleich zu Fahrten auf der gleichen Strecke im vergangenen Sommer.

Quelle: TCS – Pressemitteilung vom 15.03.2023

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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