Der Auto-Abo-Anbieter Finn gehört zu den schnell wachsenden Mobilitäts-Start-ups Europas – doch mit dem Wachstum steigt auch die Kritik. Kunden berichten von unerwarteten Zusatzkosten, Streit um angebliche Schäden oder schwierige Rückgaben der Fahrzeuge. Nun hat sich Geschäftsführer Maximilian Wühr in einem Interview mit Gründerszene ausführlich zu den Vorwürfen geäußert und versucht, die Kritik einzuordnen. Gleichzeitig steht das Unternehmen wegen juristischer Auseinandersetzungen mit Verbraucherschützern unter Druck.
Finn wurde 2019 gegründet und bietet Autos – darunter viele Elektroautos – im Abonnement an: Für eine monatliche Rate erhalten Kunden ein Fahrzeug inklusive Versicherung, Wartung und Steuern – nur Tanken oder Laden müssen sie selbst bezahlen. Das Modell hat sich schnell verbreitet, inzwischen betreibt das Unternehmen eine große Flotte und erzielt mehrere hundert Millionen Euro Umsatz.
Doch parallel zum Wachstum häufen sich Beschwerden. In Onlinebewertungen und Medienberichten schildern Kunden Fälle, in denen sie bei der Rückgabe ihres Fahrzeugs mehrere Hundert bis sogar Tausend Euro nachzahlen mussten. Kritiker werfen dem Unternehmen vor, Schäden zu streng auszulegen oder Kosten nicht transparent genug darzustellen. Genau auf diese Vorwürfe reagiert Wühr nun öffentlich.
Kein Gewinn mit Schadensabrechnung vorgesehen
Im Gespräch mit Gründerszene weist Wühr den Vorwurf zurück, das Unternehmen wolle an Schäden verdienen. „Unser Ziel ist nicht, Gewinn mit Schäden zu machen“, sagt der Manager. Vielmehr gehe es darum, Fahrzeuge nach der Nutzung wieder in einen ordentlichen Zustand zu versetzen. Gleichzeitig räumt er ein, dass Konflikte bei der Rückgabe eines Autos schwer vollständig zu vermeiden seien. Denn am Ende müsse immer bewertet werden, ob eine Spur normale Nutzung oder bereits ein Schaden sei.
Wühr zeigt Verständnis für verärgerte Kunden. „Ich verstehe den Unmut“, sagt er. Viele Konflikte entstünden aus unterschiedlichen Erwartungen an den Zustand eines Fahrzeugs nach der Nutzung. „Es geht viel um Erwartungshaltung“, erklärt der Finn-Geschäftsführer. Für das Unternehmen sei Transparenz deshalb entscheidend – etwa durch klare Dokumentation von Schäden oder standardisierte Prüfprozesse. Zudem seien Reparaturen oft deutlich teurer, als viele Kunden erwarten würden.
Die Kritik kommt jedoch nicht nur von einzelnen Kunden. Auch Verbraucherschützer beschäftigen sich inzwischen mit dem Geschäftsmodell. So hat der Verbraucherzentrale Bundesverband eine Klage gegen Finn eingereicht. Im Kern geht es um Vertragsklauseln, die aus Sicht der Organisation problematisch sein könnten. Unter anderem kritisieren die Verbraucherschützer eine Zusatzgebühr für Fahrer über 65 Jahre sowie Gebühren im Zusammenhang mit Ordnungswidrigkeiten.
Negative Erfahrungen sollen analysiert werden
Bereits zuvor hatte eine Recherche von Business Insider auf wachsende Kundenbeschwerden hingewiesen. Dort ist von Fällen die Rede, in denen Kunden nach der Fahrzeugrückgabe hohe Rechnungen erhalten hätten – etwa für Schäden oder Verschmutzungen. Genau solche Berichte haben die öffentliche Diskussion über das Geschäftsmodell des Auto-Abos neu angeheizt. Allerdings sind dies Themen, die auch im regulären Leasing immer wieder für Streitpunkte zwischen Leasinggebern und -nehmern sorgen.
Wühr betont, dass Finn ein starkes Interesse an zufriedenen Kunden habe. Negative Erfahrungen würden intern genau analysiert, um Prozesse zu verbessern. Gleichzeitig verteidigt er das Grundprinzip des Geschäfts: Ein Auto-Abo müsse wirtschaftlich funktionieren, dürfe aber nicht auf versteckten Kosten beruhen. „Unser Ziel ist ein faires Modell“, lautet seine Botschaft.
Für Finn kommt die Debatte zu einem sensiblen Zeitpunkt. Der Markt für flexible Mobilitätsmodelle wächst, gleichzeitig steigt der Wettbewerb – auch durch klassische Leasinganbieter oder andere Abo-Modelle. Wie stark die Kritik das Image des Start-ups langfristig beschädigt, dürfte daher auch davon abhängen, ob Finn seine Prozesse transparenter und nachvollziehbarer gestaltet. Die aktuelle Diskussion zeigt, dass gerade die Details im Kleingedruckten darüber entscheiden, ob Kunden vollmundige Versprechen der Anbieter am Ende auch so erleben.
Quelle: Gründerszene (Business Insider) – „Unser Ziel ist nicht, Gewinn mit Schäden zu machen“: Finn-CEO reagiert auf Kundenkritik








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