Elektro-Offensive bei der Monterey Car Week

Elektro-Offensive bei der Monterey Car Week
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Stefan Grundhoff | press:inform

Stefan Grundhoff
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Die Monterey Car Week mit ihren zahlreichen Veranstaltungen rund um die Luxusenklave von Pebble Beach gilt seit Jahren als eine der wichtigsten Autoveranstaltungen des Jahres. Heimlich, still und leise fahren immer mehr Elektromodelle auf die Bühne – von klassisch bis hypermodern.

Bei den millionenschweren Auktionen von Bonhams, Goodings oder RM Sothebys spielen die Elektromodelle bei den Zuschlägen noch keine Rolle, denn hier dreht sich alles um Porsche 911, Mercedes 300 SL Flügeltürer, Duisenberg Vorkriegsmodelle oder seltene Sportwagen englischer oder norditalienischer Herkunft. Doch bei der Monterey Car Week drängen sich neben Fantreffs, Verkaufsanbahnungen und Ausfahrten immer mehr Elektromodelle in den Vordergrund.

Dabei sind es nicht immer die üblichen Verdächtigen mit Stecker, die im Concours Village oder in den zahllosen Eventvillen auf der teuersten Halbinsel Nordamerikas glänzen. Für die ausstellenden Marken immer noch günstiger als ein Standplatz bei The Quail, dem exklusivsten aller Programmpunkte der Monterey Car Week und ein elitärer Gegenpol zum Concours de Lemons oder der Little Car Show in Pacific Grove.

Kaum ein Programmpunkt in dem prallen Wochenkalender, bei dem sich nicht zunehmend Autos mit Stecker in Szene setzen. Sind dabei die imposanten Hybriden wie ein Lamborghini Temerario oder ein BMW M5 Touring – durch zusätzliche Elektromotoren imposant erstarkt – noch vergleichsweise unspektakulär, sieht das bei elektrischen Hypersportlern wie dem Pininfarina Targamerica oder dem verwandten Rimac Nevera R mit Leistungen bis über 2000 PS schon anders aus.

Doch wer hätte in der Neuauflage des legendären bb-Porsche 911 Turbo Targa schon einen Hybridantrieb vermutet? Galpin Motors zeigt auf der Rennstrecke von Laguna Seca und beim Concours d’Elegance eine höchst ungewöhnliche Restauration eines Porsche bb-Auto Targa Hybrid aus dem Jahr 1986.

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Die Reminiszenz an den 1976 für die Photokina entstandenen 911-Turbo-Targa mit den Regenbogenfarben bietet unter dem grandiosen Blechkleid einen Rennmotor von Ed Pink Racing, der mit Vonnen-Hybridtechnologie auf eine Leistung von 404 kW / 550 PS kommt. Das Hybridmodul liefert dem Sechszylinderboxer mit seinem 110-kW-Elektromotor, angeordnet zwischen Motor und Getriebe, zusätzliche Leistungsschübe. „Dieses Projekt ist ein wahres Liebesprojekt, die das klassische Porsche-Erbe mit unserem eigenen Galpin-Stil verbindet“, so Beau Boeckmann, CEO von Galpin Motors. „Es war unsere Mission, die kultige bb-Auto-Firma zu ehren und ihr Erbe mit unserem Team fortzuführen.“

Ebenfalls einen elektrisierenden Blick in die Historie macht in Pebble Beach der Kleinserienhersteller Everrati. Hier bekommen klassische Schönheiten wie der Land Rover Series II A, die Mercedes SL Pagode oder der Porsche 964 RSR ein neues elektrisches Herz, das die alten Verbrennertriebwerke ersetzt. Everrati implantiert in der Kooperation mit Arcade neu aufgebauten Mercedes 230 GE ebenfalls ein Elektroherz. Im rustikalen Arcade Sojourn – einst eine G-Klasse im Dienst der Schweizer Armee – werden die 2,3 oder 2,8 Liter großen Benzinmotoren von einem Elektroantrieb ersetzt. Optisch fällt dies allenfalls durch den fehlenden Auspuff auf. Für den Antrieb der restaurierten Armee-G-Klassen sorgt ein 112 kW / 153 PS / 300 Nm starker Elektromotor, der von einem 55-kWh-Batteriepaket mit Energie versorgt wird. Das reicht für den großen Auftritt und eine Reichweite von zumindest 150 Kilometern bis zum nächsten Ladestopp.

Auch bekannte Marken zeigen ihre Elektromodelle

Auch der britische Hersteller RBW kombiniert klassisches Design und moderne Elektromotoren. So bieten Modelle wie der RBW Roadster oder der GT im Blechkleid von MG B und MG GT einen Elektroantrieb, der die beiden Brit-Schönheiten mit 154 kW / 210 PS nahezu geräuschlos bis auf Tempo 130 beschleunigt. Mehr Tempo ist aktuell nicht drin. Die Reichweite von 240 Kilometern reicht zumindest für eine stilechte Ausfahrt am Wochenende. Die Preise zwischen 140.000 und 150.000 US-Dollar interessieren auf der Monterey Car Week allenfalls am Rande, denn so günstig sind hier nur wenige Modelle.

Doch auch die bekannteren Marken setzen in Pebble Beach und den Gemeinden drumherum oftmals auf den Stecker. Maserati zeigt an der Pazifikküste seinen elektrischen Gran Turismo Folgore, Rolls-Royce lässt die elitären Kunden am Spectre schnuppern und Rivian zeigt neben den bekannten Modellen R1T und R1S auch den kompakten R3. Der Schrägheck-Crossover auf der gleichen Plattform wie der R2 erinnert von seinen Proportionen an einen klassischen VW Golf, den aktuellen Hyundai Ioniq 5 oder einen Audi A3 der ersten Generation – bei deutlich größeren Abmessungen. Sein Radstand liegt bei 2,80 Metern und er zeigt, dass Pebble Beach und die Monterey Car Week bereit sind für die elektrischen Antriebe der Zukunft – bei aller Antriebsoffenheit.

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Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff ist seit frühester Kindheit ausgemachter Autofan. Die Begeisterung für den Journalismus kam etwas später, ist mittlerweile aber genau so tief verwurzelt. Nach Jahren des freien Journalismus gründete der Jurist 1994 das Pressebüro press-inform und 1998 die Beratungsfirma press-inform consult.

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