Daimler Truck hat Realdaten aus dem Praxisbetrieb von Elektro-Lkw der Marke Mercedes-Benz veröffentlicht. Dabei zeichnen sich signifikante Ersparnisse im Betrieb der elektrischen Flotten ab. Obwohl Elektro-Lkw in der Anschaffung meist deutlich teurer sind als ihre dieselbetriebenen Pendants, rechnen sie sich oft über die Jahre hinweg in Bezug auf die Gesamtbetriebskosten. Mautersparnisse sowie günstigerer Strom im Vergleich zu teurem Diesel tragen dazu bei.
Die Elektrifizierung des Güterverkehrs spielt eine Schlüsselrolle für eine nachhaltige Energie- und Verkehrswende, da in diesem Sektor mit traditionellen Diesel-Lkw besonders viel Treibstoff benötigt wird. Gängige alternative Antriebstechnologien, die auf dem Markt sind, funktionieren batteriebetrieben oder mit Wasserstoff. Sie haben ein erhebliches Potenzial, den Ausstoß von Treibhausgasen sowie die Luftverschmutzung in stark belasteten Gegenden zu senken. Vielerorts, beispielsweise in Kalifornien, wird diese Entwicklung daher mit Förderungen durch die Politik vorangetrieben.
Auch in Europa wird die Dekarbonisierung des Transports immer wichtiger. 2025 wurden in der EU zirka 5000 neue Elektro-Lkw mit über 16 Tonnen zugelassen, was einem Wachstum von über 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Trotz dieser hohen Zahlen liegt der Marktanteil erst bei etwa zwei Prozent. Dies unterstreiche, so Daimler Truck in der Pressemitteilung, großen Handlungsbedarf. Der Hersteller führt die Zurückhaltung auch darauf zurück, dass noch immer viele Mythen über Reichweite, Wirtschaftlichkeit und Ladeinfrastruktur kursieren.
Um diese abzubauen, hat Mercedes‑Benz Trucks Daten aus dem Realbetrieb der E-Lkw veröffentlicht. Sie zeigen, dass die Technologie nicht nur nachhaltig, sondern auch wirtschaftlich sein kann.
Elektrifizierung der Lieferkette
In der eigenen Inbound‑Logistik und Lieferkette setzt Mercedes-Benz Trucks zunehmend auf Elektro-Lkw. Bereits jetzt sind auf rund 30 Prozent der Inbound‑Routen zum Montagewerk Wörth am Rhein batteriebetriebene Lkw unterwegs. Wörth am Rhein sowie die anderen drei Produktionsstandorte in Gaggenau, Kassel und Mannheim wollen den Anlieferverkehr mit Produktionsmaterial über die nächsten Jahre vollständig elektrifizieren.
Im Produktionsnetzwerk von Mercedes-Benz Trucks seien derzeit etwa 80 elektrische Mercedes-Benz eActros der ersten und zweiten Modellgeneration im täglichen Einsatz, so die Pressemitteilung. Das Modell eActros 600, das seinen Namen der Batteriekapazität von 600 Kilowattstunden verdankt, überwiegt in dieser Flotte.
Seit dem Serienstart 2024 ist das Modell in über 15 europäischen Ländern im täglichen Einsatz. Bei der „eActros 600 European Testing Tour 2024“ auf 15.000 Kilometern sowie der „European Testing Tour Winter 2025“ auf rund 6500 Kilometern hat sich das Modell einen Namen gemacht und wurde zum „International Truck of the Year 2025“ ausgezeichnet. Die Reichweite liegt bei 500 Kilometern, die jedoch laut Pressemitteilung je nach Fahrweise und Strecke sogar deutlich übertroffen werden könne. Drei Batteriepakete aus langlebiger Lithium-Eisenphosphat-Zelltechnologie mit jeweils 207 Kilowattstunden machen dies möglich.
Mercedes eActros im Speditionsbetrieb
Zwischen November 2025 und März 2026 fand in der Mercedes-Flotte eine begleitende Datenerhebung bei über 3000 Touren, 3100 Ladevorgängen und mehr als 15 Fahrzeugen statt. Das Ergebnis: Batterieelektrischer Anlieferverkehr sei heute im regulären Serienbetrieb zuverlässig umsetzbar.
E-Lkw von Mercedes-Benz kommen bereits in vielen Speditionen zum Einsatz, wie im Fernverkehr der Spedition Seifert aus Ulm. Dort fährt ein eActros 600 mit durchschnittlich 36 Tonnen Gesamtzuggewicht eine Tagesfahrleistung von rund 600 Kilometern. Auf dieser Strecke zwischen Wörth am Rhein und Bielefeld kann der Betreiber nicht nur mehr als 4000 Euro Maut pro Monat, sondern auch den Ausstoß von 90 Tonnen CO2 pro Jahr sparen. Ungefähr die Hälfte der Ladevorgänge findet an öffentlichen Ladepunkten statt, die auf der Route gut genug ausgebaut sind, um auch Langstrecken zuverlässig zu planen.
Auch im Pendelverkehr haben sich die E-Lkw bewiesen. Dort sind sie den Realdaten zufolge wirtschaftlicher als Diesel-Lkw. Zwischen Germersheim und Wörth am Rhein pendelt ein E-Lkw von Logistik Schmitt täglich acht Mal insgesamt 352 Kilometer mit einem Gesamtgewicht von durchschnittlich 30 Tonnen. Das Laden der Batterie erfolge vollständig während der Be- und Entladezeiten, wodurch keine zusätzliche Standzeit entstehe. Durch die Nutzung von günstigem Werkstrom können zudem Kosten eingespart werden, die Mautkosten fallen monatlich mehr als 2300 Euro geringer aus.
Auf der Fernverkehrsroute des Transportunternehmens Fercam wiederum fährt der eActros 600 täglich rund 600 Kilometer von Südtirol nach Wörth am Rhein. Mit einem Gesamtgewicht von bis zu 42 Tonnen sowie bei Steigungen und mitunter winterlichen Temperaturen spart der E-Lkw pro Jahr 90 Tonnen CO2 sowie 3900 Euro Maut pro Monat ein.
Hinsichtlich der Ladeinfrastruktur sieht Mercedes-Benz Trucks Verbesserungsbedarf beim öffentlichen Ladenetz. Über das Joint Venture Milence beteiligt sich Daimler Truck am Ausbau. Dies ist jedoch nicht die einzige Möglichkeit, einen Elektro-Lkw zu laden. Beim Werk- und Depotladen werden beispielsweise eigene Ladepunkte in den Logistikketten geschaffen. Bei einem weiteren Ansatz, dem Semi-Public Charging, bauen Speditionen eine teilweise öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur auf.
Quelle: Daimler Truck – Pressemitteilung vom 17. Juni 2026









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