Der westeuropäische Elektroauto-Markt hat das erste Quartal des Jahres mit deutlichem Wachstum abgeschlossen. Insgesamt wurden zwischen Januar und März gut 694.000 batteriebetriebene Autos neu zugelassen – ein Plus von 24,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Elektro-Anteil am Gesamtmarkt stieg von 18,4 auf 22 Prozent. Hinter diesen Gesamtzahlen verbergen sich jedoch erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern, die Automobil-Analyst Matthias Schmidt in seiner aktuellen Auswertung zusammengestellt hat.
Deutschland führt das Länderranking nach absolutem Volumen an: Fast 160.000 Elektro-Neuzulassungen im ersten Quartal entsprechen einem Marktanteil von 22,8 Prozent. Das Wachstum von 41,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr liegt fast doppelt so hoch wie der westeuropäische Durchschnitt. Schmidt führt das auf die angekündigte Rückkehr staatlicher Kaufprämien zurück, die ab Juni gelten und rückwirkend zum 1. Januar 2026 angerechnet werden sollen. Viele Händler und Hersteller hätten diesen Effekt bereits in ihre Angebotspreise eingepreist, was den Markt spürbar belebte. Großbritannien folgt auf Platz zwei mit gut 138.000 Einheiten und einem Elektro-Anteil von 22,4 Prozent.
Frankreich zeigt mit einem Plus von 51,2 Prozent auf 112.700 Einheiten ebenfalls eine überdurchschnittliche Dynamik. Die Basis des Vorjahres war allerdings schwach, und laufende Kaufprämien sowie nachgezogene Auslieferungen aus dem subventionsstarken Schlussquartal 2025 stützen die aktuellen Zahlen. Der Elektro-Anteil liegt mit 28,1 Prozent vergleichsweise hoch.
Förderlogik prägt das Bild in mehreren Märkten
Italien gehört zu den auffälligsten Wachstumsmärkten des Quartals. Mit mehr als 38.000 Zulassungen und einem Zuwachs von 64,7 Prozent liegt das Land deutlich über dem europäischen Schnitt. Staatliche Kaufhilfen, deren Auslieferungseffekte noch in den ersten Quartalsdaten sichtbar sind, treiben das Wachstum. Gleichzeitig bleibt der Elektro-Anteil am Gesamtmarkt mit 7,9 Prozent nach wie vor niedrig – Wachstum und Durchdringung klaffen hier weit auseinander.
Irland (+40,2 Prozent), Spanien (+41,6 Prozent) und Finnland (+43,1 Prozent) wuchsen ebenfalls überdurchschnittlich, wenngleich auf kleinerem absolutem Niveau. Dänemark bleibt mit einem Elektro-Anteil von 67 Prozent im Quartal Spitzenreiter innerhalb Westeuropas außerhalb Norwegens.
Norwegen sticht aus dem Vergleich heraus – allerdings mit gemischten Vorzeichen. Im März stiegen die Zulassungen deutlich auf rund 17.400 Einheiten, das Quartalsergebnis liegt mit gut 26.600 jedoch 7 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. Hintergrund ist eine veränderte Steuerpolitik: Seit Januar 2026 greift die Mehrwertsteuerbefreiung für Elektroautos nur noch bis zu einem Fahrzeugwert von 300.000 Norwegischen Kronen – im Vorjahr lag diese Grenze noch bei 500.000 Kronen. Hinzu kommt eine gewichtsbasierte Abgabe ab 500 Kilogramm Fahrzeuggewicht. Der Elektro-Anteil bleibt mit 97,9 Prozent dennoch auf einem weltweiten Spitzenniveau.
Rückgänge in Belgien und den Niederlanden
Zwei Märkte fallen durch negative Quartalszahlen auf. In den Niederlanden sanken die Zulassungen um 22,9 Prozent auf 25.000 Einheiten. Schmidt erklärt das mit einem Vorzieheffekt im Dezember 2025: Viele Käufer:innen sicherten sich noch die günstigen Firmenwagensteuervorteile für Elektroautos, bevor diese zum Jahreswechsel entfielen. Das vollständige Wegfallen dieser Vergünstigung wurde zwar noch einmal verschoben, der Nachfragerückgang zu Jahresbeginn war dennoch spürbar. Belgien verzeichnet ein leichtes Minus von 2,3 Prozent auf knapp 39.500 Einheiten, bei einem weiterhin hohen Elektro-Anteil von 34,7 Prozent.
Luxemburg liegt mit minus 9,5 Prozent ebenfalls im negativen Bereich. Die Niederlande und Luxemburg zeigen damit, wie stark staatliche Anreizstrukturen – und ihr Wegfall – die kurzfristige Nachfrage beeinflussen können.
Insgesamt verdeutlicht die Länderauswertung, dass das westeuropäische Wachstum im ersten Quartal 2026 zu einem beträchtlichen Teil auf Sondereffekten basiert: Förderanläufe, Vorziehkäufe und rückwirkende Prämienankündigungen verzerren das Bild in beide Richtungen. Die zugrunde liegende Marktdynamik – wachsend, aber ungleich verteilt – bleibt davon unberührt.
Quelle: Matthias Schmidt, European Electric Car Study per Mail









Wird geladen...