Synthetische Kraftstoffe gelten für manche als große Hoffnungsträger für den Verbrennungsmotor. Die Idee dahinter ist einfach: Mit Strom aus erneuerbaren Energien wird zunächst Wasserstoff erzeugt. Dieser wird anschließend mit abgeschiedenem CO₂ zu flüssigen Kraftstoffen verarbeitet – sogenannten E-Fuels. Sie lassen sich theoretisch in heutigen Motoren nutzen und könnten damit bestehende Fahrzeugflotten klimaneutral betreiben. Doch je genauer man hinsieht, desto klarer wird: Für den Pkw-Verkehr ist dieses Konzept kaum sinnvoll.
Darauf weist nach einigen wissenschaftlichen Studien nun auch eine Analyse der Süddeutschen Zeitung hin. Demnach entstehen derzeit Projekte zur E-Fuel-Produktion vor allem in Regionen mit besonders günstigen erneuerbaren Energien – etwa in sonnenreichen Wüstengebieten oder windreichen Küstenregionen. Der Gedanke: Wo Strom im Überfluss vorhanden ist, kann man ihn in flüssige Energie umwandeln und anschließend weltweit transportieren. Der synthetische Kraftstoff würde dann ähnlich wie heutiges Öl über globale Handelsketten verteilt.
Doch genau darin liegt eines der Probleme. Würde Europa im großen Maßstab auf E-Fuels setzen, entstünde erneut eine starke Abhängigkeit von Energieimporten aus dem Nahen Osten. Und wer in den vergangenen Tagen einen Verbrenner tanken musste, der weiß, was diese Abhängigkeit bedeuten kann. Statt Rohöl würden künftig synthetische Kraftstoffe aus anderen Weltregionen eingeführt. Das Ziel größerer energiepolitischer Unabhängigkeit wäre damit kaum erreicht.
Effizienz von E-Fuels ist verheerend schlecht
Noch gravierender ist allerdings die Frage der Effizienz. Schon seit Jahren weisen Studien darauf hin, dass bei der Herstellung von E-Fuels enorme Energiemengen verloren gehen. Der Prozess umfasst mehrere Umwandlungsschritte: Strom wird zu Wasserstoff, Wasserstoff zu synthetischem Kraftstoff – und dieser wird anschließend im Motor wieder verbrannt. Jeder dieser Schritte kostet Energie. Am Ende bleibt kaum noch etwas übrig.
Genau deshalb wurde von Experten bereits mehrfach argumentiert, dass E-Fuels zwar grundsätzlich sinnvoll sein können – nur eben nicht im Auto. Während batterieelektrische Fahrzeuge Strom direkt nutzen, durchläuft synthetischer Kraftstoff eine lange und verlustreiche Produktionskette. Am Ende kommt nur ein vergleichsweise kleiner Teil der ursprünglich erzeugten Energie tatsächlich an den Rädern an. Oder anders formuliert: Für die gleiche Strecke müsste deutlich mehr erneuerbarer Strom erzeugt werden, wenn Autos mit E-Fuels statt mit Batterien fahren würden.
Hinzu kommt ein weiterer Punkt, der in der politischen Debatte häufig unterschätzt wird: die Kosten. Die Herstellung synthetischer Kraftstoffe ist aufwendig und teuer. Selbst eher optimistische Szenarien gehen davon aus, dass E-Fuels langfristig teurer bleiben als heutiges Benzin – und bedeutend teurer als Strom für Elektroautos.
Trotzdem sind E-Fuels nicht überflüssig
Das bedeutet allerdings nicht, dass E-Fuels generell überflüssig wären. Gerade in Bereichen wie Luftfahrt oder Schifffahrt könnten sie eine wichtige Rolle spielen. Dort stoßen Batterien aufgrund von Gewicht und Reichweite schnell an technische Grenzen. Flüssige Energieträger bleiben deshalb in manchen Anwendungen nur schwer verzichtbar. Im Straßenverkehr dagegen spricht vieles für einen anderen Weg. Die direkte Nutzung von Strom im Elektroauto und selbst im E-Lkw ist effizienter, günstiger und einfacher skalierbar.
Die Realität der Energiewende ist damit deutlich weniger spektakulär als manche politische Debatte vermuten lässt. E-Fuels könnten in bestimmten Nischen eine wichtige Ergänzung sein. Als Rettungsanker für den Verbrennungsmotor taugen sie jedoch nicht. Für Flugzeuge könnten synthetische Kraftstoffe eines Tages unverzichtbar werden. Für Autos sind sie ein sinnfreier Umweg, der nur durch einen sehr konservativen Mangel an Technologieoffenheit erklärbar ist.
Quelle: Süddeutsche – E-Fuels: Sprit aus der Wüste








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