Neue Zellchemien gefährden wirtschaftliches Recycling

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Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 3 min

Die Elektromobilität wächst – und mit ihr der Batteriemarkt. Doch wie sich zeigt, verändert sich nicht nur die Nachfrage, sondern auch das technologische Fundament. Eine aktuelle Marktstudie der Stiftung GRS Batterien macht deutlich, dass genau dieser Wandel der Zellchemien weitreichende Folgen für die Branche hat.

Getrieben vor allem durch den Hochlauf der Elektromobilität wird die Batterienachfrage in der EU bis 2035 massiv steigen. In allen Szenarien stellt der Verkehrssektor den dominierenden Anteil – rund 70 Prozent der Gesamtnachfrage entfallen auf E-Autos. Die Entwicklung der Zellchemie in Fahrzeugbatterien ist somit zentral für Kosten, Skalierung und Marktdurchdringung der Elektromobilität.

Dabei verschiebt sich der Studie nach das technologische Gleichgewicht deutlich. Während Nickel-Mangan-Kobalt-Zellen (NMC) bislang als Standard galten, gewinnen günstigere Alternativen wie Lithium-Eisenphosphat (LFP) oder perspektivisch Natrium-Ionen-Batterien stark an Bedeutung. Der Grund ist offensichtlich: geringere Kosten, weniger kritische Rohstoffe und eine bessere Skalierbarkeit für den Massenmarkt. Für die Elektromobilität ist das eine gute Nachricht: Sinkende Batteriepreise gelten als Schlüssel für günstigere Elektroautos und damit für eine breitere Marktakzeptanz.

Recycling verliert an Wirtschaftlichkeit

Doch genau hier liegt die eigentliche Brisanz der Studie. Denn der Wechsel hin zu kobalt- und nickelarmen Zellchemien entzieht dem bisherigen Recyclingmodell die wirtschaftliche Grundlage. Bislang finanziert sich das Recycling zu einem erheblichen Teil über den Wert zurückgewonnener Metalle. Wenn dieser Wert sinkt, bleibt der Aufwand – aber die Erlöse brechen weg.

Für die Elektromobilität bedeutet das einen strukturellen Zielkonflikt: Was Elektroautos günstiger macht, erschwert gleichzeitig deren nachhaltige Kreislaufführung. Die Studie deutet deshalb auf einen notwendigen Systemwechsel hin. Recycling wird künftig weniger ein rohstoffgetriebenes Geschäft sein, sondern stärker von regulatorischen Vorgaben, neuen Finanzierungsmodellen und effizienteren Sammelstrukturen abhängen. Und viel wird davon abhängen, wie sehr die Politik die Kreislaufwirtschaft dabei unterstützt, funktionierende und rentable Strukturen zu schaffen.

Rolle von Festkörperakkus noch unklar

Hinzu kommt, dass die Dynamik des Marktes Prognosen erschwert. Zwar ist das Wachstum gesetzt, doch wie schnell sich einzelne Zellchemien durchsetzen, bleibt offen. Klar ist jedoch: Der Trend geht in Richtung kostengünstiger, materialeffizienter Batterien – und damit in Richtung einer Elektromobilität, die breiter, günstiger und global skalierbarer wird.

Unterm Strich zeigt die GRS-Studie damit vor allem eines: Die Zukunft der Elektromobilität entscheidet sich nicht nur an der Ladesäule oder beim Fahrzeugpreis, sondern tief in der Chemie der Batterie. Und genau dort beginnt gerade ein Umbruch, der die gesamte Wertschöpfungskette neu ordnen dürfte. Und was ist eigentlich mit Festkörperbatterien? In der Studie heißt es dazu im Fazit: „Feststoff- und Semi-Feststoffbatterien stellen eine vielversprechende, jedoch technologisch noch nicht vollständig ausgereifte Ergänzung dar. Ihre zukünftige Rolle wird maßgeblich davon abhängen, ob zentrale Herausforderungen hinsichtlich Kosten, Skalierbarkeit und Lebensdauer gelöst werden können.“

Quelle: Stiftung GRS Batterien – Zellchemien im Wandel

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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