Mit der Elektromobilität geht es weltweit fast überall steil bergauf und der eigentliche Engpass liegt zunehmend nicht mehr in der Elektroauto-Nachfrage, sondern in der industriellen Umsetzung. Eine Analyse der Unternehmensberatung McKinsey & Company zeigt, dass der Aufbau einer wettbewerbsfähigen Batterieproduktion im Westen zur entscheidenden Herausforderung wird.
Die Dimensionen sind enorm: Der globale Bedarf an Lithium-Ionen-Batterien dürfte sich von rund 1 TWh im Jahr 2024 auf 4,2 TWh bis 2030 und bis zu 6,8 TWh im Jahr 2035 vervielfachen. Getrieben wird dieses Wachstum vor allem durch die Elektromobilität, die weiterhin den größten Anteil an der Nachfrage stellt. Gleichzeitig bleibt die Produktion stark konzentriert – rund drei Viertel der globalen Lieferkette liegen weiterhin in China. Für Europa und Nordamerika bedeutet das eine anhaltende Abhängigkeit in einem der zentralen Zukunftsmärkte.
Dabei geht es längst nicht nur um geopolitische Aspekte, sondern vor allem um ökonomische Belange. Der Aufbau von Zellfertigung ist kapitalintensiv, komplex und risikobehaftet. Für 10 GWh Produktionskapazität werden Investitionen in Milliardenhöhe fällig, während Planung, Bau und Hochlauf mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Parallel sorgen volatile Rohstoffpreise für zusätzliche Unsicherheit. Unter diesen Bedingungen bleibt die Frage offen, ob ausreichend Kapital in den Aufbau westlicher Produktionskapazitäten fließt.
Politik soll mehr Anreize setzen
Genau hier setzt McKinsey mit einem neuen Ansatz an: Statt klassischer Subventionen rückt das Konzept des „Incentive Pricing“ in den Fokus. Ziel ist es, Investitionen über verlässliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen anzureizen. Denkbar sind etwa Mindestpreise, langfristige Abnahmegarantien oder kombinierte Modelle aus staatlicher Unterstützung und marktbasierter Absicherung. Wer in Batteriefabriken investiert, braucht planbare Renditen, denn ansonsten bleiben Projekte aus oder werden verschoben.
Für die Elektromobilität ist das ein zentraler Hebel. Batterien sind der größte Kostenfaktor eines Elektroautos, gleichzeitig bestimmen sie maßgeblich die Verfügbarkeit und damit auch die Lieferzeit von Fahrzeugen. Bleibt der Ausbau der Produktion hinter der Nachfrage zurück, drohen Engpässe, steigende Preise und eine verlangsamte Marktdurchdringung. Umgekehrt könnte eine stabile und skalierende Lieferkette dazu beitragen, Kosten zu senken und die Elektromobilität schneller in den Massenmarkt zu bringen.
Interessant ist zudem der systemische Blick der Analyse. Statt einzelne Bereiche isoliert zu fördern, plädiert McKinsey für eine koordinierte Entwicklung der gesamten Wertschöpfungskette – von der Rohstoffgewinnung über die Zellfertigung bis hin zur Integration in Fahrzeuge. Nur wenn diese Bausteine ineinandergreifen, lassen sich Überkapazitäten, Engpässe und ineffiziente Investitionen vermeiden.
Batterieindustrie muss anwachsen
Die Herausforderung verschiebt sich folglich. Während in den vergangenen Jahren vor allem technologische Fortschritte im Mittelpunkt standen, rückt nun die stärkere Industrialisierung in den Fokus. Die Fähigkeit, Batterien in großem Maßstab und zu wettbewerbsfähigen Kosten (selbst) zu produzieren, wird zur entscheidenden Voraussetzung für den weiteren Hochlauf der Elektromobilität.
Ein kurzer Blick auf die jüngst vorgestellte GRS-Studie zu Zellchemien zeigt zudem, dass sich verschiedene Entwicklungen gegenseitig beeinflussen: Neue, kostengünstigere Batterietechnologien können zwar den Markthochlauf beschleunigen – gleichzeitig erhöhen sie aber den Druck, auch die industrielle Produktion und am Ende auch das Batterierecycling effizient und skalierbar aufzustellen.
Quelle: McKinsey & Company – Incentive pricing for batteries: Scaling the Western supply chain








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