Der Anteil erneuerbarer Energien am weltweiten Strommix steigt – und zwar nicht mehr nur schrittweise, sondern mit einer Dynamik, die zunehmend strukturelle Veränderungen auslöst. Darauf deuten aktuelle Analysen von Ember Energy hin. Diese kommen zu einem bemerkenswerten Ergebnis: Im Jahr 2025 wurde das globale Wachstum der Stromnachfrage vollständig durch erneuerbare Energien gedeckt. Während der Bedarf weltweit deutlich zulegte, konnten Solar- und Windkraft sowie weitere saubere Quellen diesen Anstieg nicht nur ausgleichen, sondern leicht übertreffen. Fossile Energieträger mussten damit erstmals nicht mehr zusätzlich einspringen – im Gegenteil: Ihre Stromerzeugung ging sogar leicht zurück.
Das ist mehr als nur eine Momentaufnahme. Es ist ein Signal für einen möglichen Wendepunkt im globalen Energiesystem. Besonders ins Gewicht fällt dabei die Rolle der Solarenergie. Sie entwickelt sich zum dominierenden Treiber der Energiewende – und das weltweit. Rund drei Viertel des zusätzlichen Strombedarfs im Jahr 2025 wurden allein durch Solar gedeckt, begleitet von einem ebenfalls starken Ausbau der Windenergie. Carbon Brief spricht in diesem Zusammenhang von einem historischen Einschnitt. Fossile Stromerzeugung sei erstmals „in den Rückwärtsgang“ geraten.
Ein Drittel des Stroms weltweit ist grün
Damit verschiebt sich auch die Gewichtung im globalen Strommix spürbar. Erneuerbare Energien erreichen inzwischen rund ein Drittel der weltweiten Stromproduktion und liegen damit auf Augenhöhe mit der Kohle – teilweise bereits darüber. Noch vor wenigen Jahren galt genau dieses Szenario als langfristige Perspektive, manche nannten es gar Utopie. Nun ist es Realität.
Auffällig ist zudem, dass diese Entwicklung nicht mehr nur von einzelnen Vorreitern getragen wird. Zwar spielt China beim Ausbau der Solarenergie weiterhin eine zentrale Rolle und stellt einen erheblichen Anteil der neu installierten Kapazitäten. Doch auch andere Regionen ziehen nach. Der Trend ist global und zunehmend unabhängig von kurzfristigen politischen Schwankungen.
Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass steigende Anteile erneuerbarer Energien nicht automatisch zu sinkenden Emissionen führen. Der weltweite Strombedarf wächst weiter, getrieben unter anderem durch Elektromobilität, Digitalisierung und zunehmende Elektrifizierung in Industrie und Gebäuden. Die erneuerbaren Energien laufen derzeit vor allem gegen diesen wachsenden Bedarf an. Doch 2025 könnte hier einen Wendepunkt darstellen.
Enormer Ausbaubedarf an Netzen und Speichern
Genau an diesem Punkt lohnt ein kurzer Blick nach Deutschland. Eine kürzlich veröffentlichte Simulations-Studie der Hochschule RheinMain zeigt, dass eine vollständig erneuerbare Stromversorgung in Deutschland grundsätzlich machbar ist, und der dafür notwendige Aufwand geringer sein könnte als vielfach angenommen. Entscheidend sei jedoch, wie das System ausgestaltet wird: Mehr Erzeugungskapazität oder mehr Batteriespeicher? Beides führt zum Ziel, aber auf unterschiedlichen Wegen.
Überträgt man diese Erkenntnis auf die globale Entwicklung, wird klar: Der steigende Anteil erneuerbarer Energien ist ein entscheidender Fortschritt – aber nur ein Teil der Transformation. Netze, Speicher und Systemintegration bleiben die eigentlichen Hebel für den nächsten Schritt und verlangen weltweit den Ländern einiges ab, auch wenn sich Aufwand und Kosten perspektivisch amortisieren sollten.
Die aktuellen Erkenntnisse zeigen also: Erneuerbare Energien wachsen inzwischen schnell genug, um den globalen Strommix messbar zu verändern. Sie decken nicht mehr nur den zusätzlichen Bedarf, sondern beginnen, fossile Energieträger tatsächlich zu verdrängen. Der Anteil steigt – und mit ihm die Wahrscheinlichkeit, dass aus einem Trend eine dauerhafte Verschiebung wird, auch wenn nicht zuletzt fossile Lobbygruppen da einiges an Gegenwehr an den Tag legen dürften.
Quelle: Ember – Solar surge halts fossil electricity growth worldwide in 2025; Carbon Brief – Clean energy pushes fossil-fuel power into reverse for ‘first time ever’








Wird geladen...