E-Prämie bald nur noch bei 12 Monaten Haltedauer?

E-Prämie bald nur noch bei 12 Monaten Haltedauer?
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Wolfgang Plank
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Das Bundeswirtschaftsministerium will offenbar gegen den Missbrauch der Elektroauto-Förderung vorgehen. Das berichtet „wirtschaftswoche.de“. Zahlreiche E-Autos, die in Deutschland mit einer Kaufprämie von bis zu 9000 Euro bezuschusst werden, kämen nach Ablauf der vorgeschriebenen Haltedauer von sechs Monaten in den Export, heißt es. Es sei nicht Sinn der Förderung, dass der schnelle Verkauf dieser Autos ins Ausland zu einem Geschäftsmodell für Händler und Käufer wird, zitiert das Blatt einen Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums. Aktuell werde daher an einer Anpassung ab 2023 gearbeitet.

Wie „wirtschaftswoche.de“ aus Kreisen des Ministeriums erfahren haben will, soll die Mindesthaltedauer von sechs auf zwölf Monate verdoppelt werden. Dann sei der  Wertverlust so hoch, dass ein Export unattraktiv werde, so die Überlegung. Wer sein gefördertes E-Auto bereits nach weniger als einem Jahr verkaufen wolle, müsse die Förderung zurückzahlen.

Der Missbrauch der Förderung hat dem Bericht zufolge im vergangenen Jahr große Ausmaße angenommen. „Rund 30.000 E-Autos dürften allein in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres als junge Gebrauchtwagen ins Ausland verkauft worden sein“, wird Stefan Bratzel zitiert, Direktor des Center of Automotive Management (CAM). Aufs ganze Jahr gesehen könnte jedes achte neu zugelassene E-Auto in den Export gegangen sein.

Während zwischen Januar und September 236.695 reine Elektrofahrzeuge neu zugelassen worden seien, habe sich die Elektroflotte in Deutschland nur um 207.435 Fahrzeuge erhöht. Die Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass „der deutsche Staat die Elektromobilität im Ausland fördert“, heißt es. Demnach dürften allein im Jahr 2021 bis zu 240 Millionen Euro an staatlichen Fördergeldern nicht zweckgemäß verwendet worden sein.

Es gebe mehrere Ursachen für fehlende Fahrzeuge, etwa wenn sie nach einem Unfall oder einem Defekt verschrottet würden oder auch von Händlern nur kurz zugelassen würden, um sie danach als Gebrauchte günstiger loszuschlagen, sagt Studienautor Bratzel. Bei neuen E-Autos, die größtenteils stark nachgefragt seien, dürften solche Gründe jedoch die Ausnahme sein: „Für die weit überwiegende Zahl kommt als Erklärung nur der Export ins Ausland in Frage.“

Quelle: Wirtschaftswoche – Massenhafter Missbrauch: Wird die E-Auto-Förderung bald angepasst?

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Wolfgang Plank

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Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

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