Eine Urlaubsfahrt mit einem Elektroauto ist offenbar vor allem für jene ein Problem, die noch nie ein E-Auto ausprobiert haben. Zu diesem Schluss kommt zumindest eine aktuelle Umfrage, die Studierende des dualen Studiengangs Tourismusmanagement der Frankfurt University of Applied Sciences gemeinsam mit dem ADAC Hessen-Thüringen durchgeführt haben. 1900 Personen wurden dabei online befragt.
Die Unterschiede zwischen Menschen mit und ohne eigene E-Auto-Erfahrung fallen dabei deutlich aus. Während 71 Prozent der befragten Verbrenner-Fahrer eine zu geringe Reichweite als zentrales Hindernis für die Urlaubsfahrt mit dem Elektroauto nennen, teilen nur 5 Prozent der tatsächlichen E-Auto-Fahrer diese Sorge. Reichweitenangst ist damit vor allem ein Phänomen aus der Distanz.
Wer elektrisch fährt, bewertet die Lage offenkundig nüchterner. Zwar haben 36 Prozent der befragten E-Auto-Fahrer ihre Urlaubsroute bei Strecken von mehr als 300 Kilometern schon einmal wegen der Lademöglichkeiten angepasst. Für 63 Prozent hatte die Reichweite aber keinen direkten Einfluss auf die Routenplanung. Ein Elektroauto verlangt auf Langstrecke folglich mitunter etwas Planung, es macht die Urlaubsfahrt aber nicht zum Abenteuer. Und in vielen modernen Modellen lässt sich die Ladeplanung problemlos an die Navigation delegieren – inklusive einer entsprechende Vorfilterung der bevorzugten Betreiber.
Familien brauchen mehr Pausen als ein E-Auto
Dass Urlaubsfahrten mit E-Auto nicht umständlich sind, gilt umso mehr, wenn man den Alltag vieler Familien betrachtet. Gerade auf dem Weg in den Sommerurlaub wird oft ohnehin nicht mehr als drei, vier Stunden am Stück durchgefahren. Kinder müssen auf die Toilette, wollen sich bewegen, brauchen Essen, Abwechslung oder schlicht eine Pause vom Rücksitz. Der ADAC rät Familien sogar, möglichst alle eineinhalb Stunden eine Pause einzuplanen. Bei vielen modernen Elektroautos ist der Akku damit nicht der limitierende Faktor, sondern eher die Frage, wann der Nachwuchs das nächste Mal aus dem Auto will.
Genau darin liegt eine der meist unterschätzten Wahrheiten der Elektromobilität: Die Ladepause muss nicht zusätzlich zur Reisepause kommen. Im Normalfall wird sie einfach Teil der ohnehin eingelegten Pause. Während die Familie isst, die Kinder sich austoben oder die Erwachsenen kurz durchatmen und Koffein nachtanken, lädt das Auto frischen Strom. Wer dagegen mit Verbrenner-Denke an die Sache herangeht, stellt sich Laden oft noch wie Tanken vor – nur quälend langsam. In der Praxis ist der Vergleich aber schief. Niemand steht 25 Minuten mit der Hand am Kabel neben dem Auto.
Das bedeutet nicht, dass es keine Probleme gibt. Die Umfrage zeigt jedoch, dass erfahrene E-Auto-Fahrer andere Schwachstellen benennen als Verbrenner-Fahrer. Nicht die Reichweite steht für sie im Mittelpunkt, sondern die Ladeinfrastruktur: 42 Prozent kritisieren unübersichtliche Ladetarife, 31 Prozent defekte Ladesäulen, 28 Prozent besetzte Ladepunkte und 27 Prozent zu hohe Preise. 21 Prozent bemängeln zu wenige Ladepunkte am Zielort.
Tarifdschungel das größte Ärgernis
Die Elektromobilität schwächelt bei der Urlaubsfahrt folglich nicht an der Umsetzbarkeit, sondern – wenn überhaupt – an unnötiger Komplexität. Wer laden will, sollte vorher wissen, was es kostet. Wer einen Ladepunkt anfährt, sollte sich auf dessen Funktion verlassen können. Und wer am Urlaubsort ankommt, sollte dort möglichst unkompliziert nachladen können – sei es am Hotel, an der Ferienwohnung, am Campingplatz oder in der Nähe touristischer Ziele.
Auch für die Tourismusbranche steckt darin eine klare Botschaft. Ladeinfrastruktur ist längst nicht mehr nur ein technisches Zusatzangebot für wenige Pioniere. Sie wird zunehmend zu einem Standortvorteil. Kleine Hotels, Ferienhöfe, Restaurants oder Freizeitbetriebe können sich mit sichtbaren Lademöglichkeiten für eine wachsende Zielgruppe attraktiver machen. Der ADAC weist entsprechend darauf hin, dass eigene Lademöglichkeiten touristischen Betrieben neue Kundengruppen erschließen und ihre Sichtbarkeit auf Buchungsplattformen erhöhen können.
Bemerkenswert ist auch der Blick auf die Zukunftsfähigkeit der Technologie. 94 Prozent der befragten E-Auto-Fahrer sehen Elektromobilität mehrheitlich als Zukunftstechnologie. Bei den Verbrenner-Fahrern sind es nur 37 Prozent, 35 Prozent halten sie eher für eine Übergangstechnologie. Auch hier zeigt sich: Die eigene Erfahrung verändert die Bewertung deutlich. Nicht zu Unrecht forderte zuletzt selbst die sportliche M-Linie von BMW seine Kunden dazu auf, Elektroautos einfach mal auszuprobieren – anstatt nur zu nörgeln.
Quelle: ADAC – Pressemitteilung vom 6. Juli 2026









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