Die Solarstromerzeugung in Deutschland hat im ersten Halbjahr 2026 einen neuen Rekordwert erreicht: Mit 43,2 Terawattstunden (TWh) speisten Photovoltaikanlagen bundesweit so viel Strom ins Netz ein wie nie zuvor in einem Halbjahr. Auch europaweit liegt die Solareinspeisung auf einem Allzeithoch. Das geht aus einer Auswertung des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) auf Basis der Plattform energy-charts.info hervor.
Zusammen mit einer ebenfalls starken Windkraftbilanz konnte sich der deutsche Börsenstrompreis weitgehend von den Preissprüngen bei Erdgas entkoppeln, die in Folge des Irankriegs zu beobachten waren.
Solareinspeisung ist seit 2015 europaweit um über 250 Prozent gestiegen
Die insgesamt installierte Photovoltaikleistung in Deutschland stieg im ersten Halbjahr um 7 Gigawatt auf 124,8 Gigawattpeak. Freiflächenanlagen bildeten dabei die am stärksten wachsende Kategorie: Hier wurden 3,6 Gigawattpeak Leistung zugebaut. Auf dem zweiten Rang liegen kleine Gebäudeanlagen bis 30 Kilowattpeak, mit einem Leistungszuwachs von 2,1 Gigawattpeak. Mit Blick auf ganz Europa ist die die Solareinspeisung seit 2015 um 254 Prozent gestiegen.
Wichtigster Erzeuger erneuerbarer Energien bieb die Windkraft. Sie legte gegenüber dem Vorjahr um 12 Prozent zu. Onshore-Anlagen speisten 52,8 TWh Strom ein, Offshore-Windparks erreichten mit 14,6 TWh Einspeisung ebenfalls einen neuen Rekordwert. Insgesamt lag der Anteil erneuerbarer Energien an der öffentlichen Nettostromerzeugung bei 61,8 Prozent – ein insgesamt hohes Niveau, aber nahezu unverändert gegenüber dem Vorjahr.
Solar-Zubau federt Preisspitzen infolge des Irankriegs ab
Die hohen Anteile erneuerbarer Energien am Strommix haben inzwischen merkliche Auswirkungen auf den Börsenstrompreis – auch vor dem Hintergrund des Irankriegs. Nach dessen Beginn Ende Februar stieg der Erdgaspreis von Februar bis März um rund 48 Prozent, von 35,61 Euro pro Megawattstunde (MWh) auf 52,71 Euro/MWh. Damit stiegen nach Kriegsbeginn auch die Grenzkosten der Stromerzeugung aus Erdgas, die neben den Kosten für Gas auch die Kosten der Emissionszertifikate umfassen, um 39 Prozent auf 132,87 Euro/MWh.
Gemäß dem geltenden Merit-Order-Prinzip, nach dem sich der Börsenstrompreis am teuersten noch benötigten Kraftwerk orientiert, hätten diese Entwicklungen eigentlich zu einem deutlichen Sprung der Börsenstrompreise führen müssen. Stattdessen sank der Börsenstrompreis nach Kriegsbeginn jedoch auf 95,58 Euro/MWh, weil die erneuerbaren Energien mit ihren niedrigen Gestehungskosten die Strompreise insgesamt drücken konnten. Im April fiel der Börsenstrompreis um weitere 27,7 Prozent, der Gaspreis fiel im gleichen Zeitraum nur um 12,6 Prozent.
Speicherkapazitäten wachsen kräftig – dennoch gibt es eine große „Speicherlücke“
Der zunehmende Ausbau der Erneuerbaren legt jedoch auch die wachsenden Herausforderungen im deutschen Stromnetz frei: Bei zahlreichen Sonnenstunden wird deutlich mehr Strom erzeugt als sich gleichzeitig verbrauchen lässt. Deshalb fallen immer mehr Stunden an, in denen der sogenannte Day-Ahead-Börsenstrompreis bei null Euro oder sogar im negativen Bereich liegt. Neu errichtete Photovoltaik- und Windkraftanlagen in der Direktvermarktung erhalten bei negativen Strompreisen allerdings keine Förderung mehr und regeln ihre Erzeugung daher ab – so geht letztlich Energie verloren.
Zwar hat Deutschland im ersten Halbjahr 2026 kräftig Batteriegroßspeicher zugebaut: Die installierte Kapazität stieg von 25,4 auf 29,6 Gigawattstunden (GWh). Damit wurde in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres mehr Speicherkapazität zugebaut als im gesamten Vorjahr. Laut Fraunhofer ISE reicht das jedoch noch nicht aus, um die Aufgabe zu bewältigen: Es bleibe eine deutliche „Speicherlücke“ – würde es gelingen, diese zu füllen, ließe sich der Verbrauch des am Tag überschüssig erzeugten Stroms in die Abendstunden verschieben, in denen die Nachfrage vergleichsweise hoch und die Solarerzeugung gering oder nonexistent ist. Laut Fraunhofer ISE hatte die Hitzeperiode im Juni, die zu erhöhtem Strombedarf für Kühlung bei gleichzeitig gedrosselter Leistung von konventionellen Kraftwerken führte, besonders starke Preisausschläge in den Abendstunden zur Folge.
Dank der starken heimischen Erzeugung importierte Deutschland im ersten Halbjahr nur noch 1,3 TWh im Saldo – im ersten Halbjahr 2025 waren es noch 9,6 TWh. Dem weiteren Ausbau kleiner Dachanlagen sehen Fraunhofer ISE und Agora Energiewende in einer gemeinsamen Analyse mit Sorge entgegen: Die im Rahmen der EEG-Novelle diskutierten Änderungen könnten die Wirtschaftlichkeit von PV-Anlagen unter 30 Kilowattpeak demnach so verschlechtern, dass Betreiber ihre Dachanlagen künftig kleiner auslegen oder Dachflächen nicht mehr vollständig ausnutzen.
Quelle: Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme – Pressemitteilung vom 01.07.2026








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