Aampere will Europas Gebrauchtmarkt für E-Autos neu ordnen

Aampere will Europas Gebrauchtmarkt für E-Autos neu ordnen
Copyright:

Shutterstock / 1095710315

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 4 min

Der Gebrauchtwagenmarkt für Elektroautos gilt in Europa seit Jahren als eine große offene Baustellen der Mobilitätswende. Wer sein gebrauchtes E-Auto verkaufen wollte, musste sich bislang mitunter durch nationale Insellösungen, manuelle Abwicklung und intransparente Preisfindung kämpfen. Genau an dieser Stelle setzt Aampere an: Das Münchner Start-up betreibt eine volldigitale Plattform, über die private und gewerbliche Verkäufer:innen innerhalb von 48 Stunden ein verbindliches Kaufangebot erhalten sollen, während Aampere Wertermittlung, Zahlung und Logistik komplett übernimmt.

Dass dieses Versprechen bei Investor:innen ankommt, zeigt die aktuelle Finanzierungsrunde: Aampere hat 4,2 Millionen Euro eingesammelt, um das Modell über die bisherigen Kernmärkte hinaus auszubauen.

Trind Ventures führt die Runde an

Angeführt wird die Finanzierung von Trind Ventures mit zwei Millionen Euro. Vend Marketplaces ASA, die führende Gruppe von Auto-Marktplätzen in den nordischen Ländern (unter anderem Finn.no, Blocket und Bilbasen), beteiligt sich mit einer Million Euro und hält damit nach Angaben von Aampere im Gespräch mit Elektroauto-News rund fünf Prozent der Anteile. Die restliche Summe verteilt sich auf den neuen Investor G-Fund mit 250.000 Euro sowie den Bestandsinvestor Gimic mit 660.000 Euro, zusätzlich beteiligen sich mehrere Business Angels aus der Automobilindustrie.

Wie Aampere auf Nachfrage bestätigte, handelt es sich um eine Late-Seed-Runde, mit der das Unternehmen mittlerweile rund sechs Millionen Euro eingesammelt hat. Zur Unternehmensbewertung äußert sich Aampere selbst nicht konkret, ein Blick ins Handelsregister liefert jedoch Anhaltspunkte: Im Zuge der Runde wurden rund 8100 neue Geschäftsanteile ausgegeben, insgesamt hält Aampere gut 41.200 Anteile. Setzt man die 4,2 Millionen Euro ins Verhältnis zu den neu ausgegebenen Anteilen und rechnet den daraus ableitbaren Anteilspreis auf die Gesamtzahl der Anteile hoch, ergibt sich eine Bewertung von über 20 Millionen Euro.

Ein fragmentierter Gebrauchtmarkt als Ausgangspunkt

Der Wiederverkauf gebrauchter Elektroautos gilt in Europa bislang als zersplittert und wenig digitalisiert. Klassische Inseratsplattformen wie Mobile.de oder Autoscout24 verlangen von Verkäufer:innen, wie Aampere selbst zu verstehen gibt, Verhandlung, Zahlung und Übergabe eigenständig zu organisieren, ein Verkauf dauert dort in der Regel 100 Tage und bleibt auf lokale bis nationale Nachfrage beschränkt. Ankaufplattformen wie Auto1 kaufen Fahrzeuge dagegen ins eigene Buch und tragen damit das Restwertrisiko selbst, was laut Aampere gerade bei Elektroautos zu strukturell niedrigen Ankaufspreisen und zeitweisen Kaufstopps führt.

Aampere positioniert sein eigenes Modell als asset-light: Das Fahrzeug werde nur für eine juristische Sekunde angekauft und unmittelbar an den höchstbietenden Händler aus einem europaweiten Netzwerk weiterverkauft. Rund 200 Händler:innen sind aktuell an das Auktionsnetzwerk angeschlossen. Weil das Unternehmen selbst keinen Bestand halte, entstehe nach eigener Darstellung weder gebundenes Kapital noch ein Standzeitrisiko, ein Unterschied, der sich nach Angaben von Aampere unmittelbar im Ankaufspreis für Verkäufer:innen niederschlägt.

Vervierfachter Umsatz und wachsendes Team

Nach eigenen Angaben hat sich der Umsatz von Aampere im vergangenen Jahr vervierfacht. Für 2026 nennt das Unternehmen im Austausch mit Elektroauto-News einen mittleren siebenstelligen Jahresumsatz bei einem Bruttowarenwert im hohen achtstelligen Bereich, rund 2500 Fahrzeuge will Aampere im laufenden Jahr verkaufen. Das Team ist mittlerweile auf über 25 Mitarbeitende gewachsen.

Auf der Verkäuferseite ist Aampere aktuell in Deutschland und Österreich aktiv, auf der Käuferseite dagegen in Skandinavien, den Beneluxstaaten und dem Baltikum. Diese Aufteilung spiegelt den Kern des Geschäftsmodells wider: Fahrzeuge werden dort angekauft, wo Angebot entsteht, und dort weiterverkauft, wo Händlernachfrage über die europaweite Auktion gebündelt wird. Kurzfristig soll der Marktanteil in Skandinavien und den Beneluxstaaten weiter ausgebaut werden, parallel dazu würden in weiteren europäischen Ländern erste Händler:innen angebunden, um Marktsignale aus unterschiedlichen Regionen zu sammeln.

Amtliche Zahlen als zusätzlicher Rückenwind

Rückenwind erhält das Geschäftsmodell auch durch amtliche Zahlen: Laut Kraftfahrt-Bundesamt sind die Besitzumschreibungen gebrauchter Elektroautos in Deutschland in den vergangenen drei Jahren im Schnitt um rund 60 Prozent pro Jahr gewachsen, trotz politischer Unsicherheiten und schwankender Neuwagenpreise. Vend-Mobility-Manager David Hoffmann erklärte zur Beteiligung, C2B, also der Verkauf von privaten Verbraucher:innen an gewerbliche Käufer, sei eine der Kernsäulen seines Unternehmens, und Aampere begegne dem wachsenden Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage bei Elektrofahrzeugen „mit einem intelligenten Transaktionsmodell“.

Trind-Ventures-Partner Taavi Lepmets verwies auf das rund vierfache Wachstum des vergangenen Jahres und die Weiterentwicklung des Kundenerlebnisses, G-Fund-Partner Christof Wahl begründete den Einstieg mit dem Team rund um Gründer Florian Reister, das neben einem Produkt auch einen skalierbaren Vertriebsprozess aufgebaut habe. Mit dem frischen Kapital will Reister nach eigenen Worten sowohl neue Akquisewege für Verkäufer:innen erschließen als auch das Händlernetz auf der Käuferseite in weiteren europäischen Märkten ausbauen.

Quelle: Aampere – Pressemitteilung / Austausch zwischen EAN und Aampere

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Elektroauto laden

Ladepark-Betreiber: Schnellladen allein reicht nicht mehr

Ladepark-Betreiber: Schnellladen allein reicht nicht mehr

Daniel Krenzer  —  

Electra und HomE of Mobility erklären am Ladepark Wertheim nahe Würzburg, warum neben Ladeleistung und Preis auch Aufenthaltsqualität immer wichtiger wird.

Schnelllader treiben den Ladeinfrastruktur-Ausbau voran

Schnelllader treiben den Ladeinfrastruktur-Ausbau voran

Arun Niemann  —  

Cirrantic-Zahlen zeigen, dass der Ausbau sich stärker zu Schnellladern verlagert. AC-Ladepunkte bleiben zahlenmäßig vorn, werden aber deutlich seltener genutzt.

Wirelane-Chef Schwaab: Wie Monopole den Ladehochlauf bremsen

Wirelane-Chef Schwaab: Wie Monopole den Ladehochlauf bremsen

Sebastian Henßler  —  

Warum echter Wettbewerb zwischen Anbietern die Ladepreise senken kann und welche drei Wachstumshebel Wirelane für die kommenden Jahre fest einplant.

Dynamische Tarife: Wer viel Last verschiebt, profitiert

Dynamische Tarife: Wer viel Last verschiebt, profitiert

Sebastian Henßler  —  

Wer viel Last verschieben kann, spart deutlich mehr Geld, erklärt Octopus Energy. Wie Wärmepumpe, E-Auto und Speicher dynamische Tarife lohnenswert machen.

Chargepoint-CEO Wilmer: Europa soll zum Kernmarkt werden

Chargepoint-CEO Wilmer: Europa soll zum Kernmarkt werden

Sebastian Henßler  —  

Chargepoint startet die Auslieferung seiner neuen Ladeplattform Anfang 2027, zunächst in Deutschland, Großbritannien, Frankreich sowie in den Niederlanden.

BYD-Megawattladen: Debatte um Bedarf in Deutschland

BYD-Megawattladen: Debatte um Bedarf in Deutschland

Sebastian Henßler  —  

Reicht ein Netz aus 300 bis 400 Kilowatt starken Ladepunkten, oder braucht der Massenmarkt künftig Megawatt-Laden für Elektroautos in Deutschland?

Dieses E-Auto erzeugt mehr Strom, als es zum Fahren braucht

Dieses E-Auto erzeugt mehr Strom, als es zum Fahren braucht

Michael Neißendorfer  —  

Kann ein Elektroauto mehr Energie erzeugen, als es während des alltäglichen Fahrens verbraucht? Das „Ja“ bei diesem mit BMW entwickelten Prototyp ist eindeutig.