Dynamische Stromtarife lohnen vor allem mit E-Auto

Dynamische Stromtarife lohnen vor allem mit E-Auto
Copyright:

Shutterstock / 2381590025

Arun Niemann
Arun Niemann
  —  Lesedauer 4 min

Ein dynamischer Stromtarif passt den Strompreis laufend an den aktuellen Preis der Strombörse an. Das bedeutet niedrige Preise, wenn viel Wind- und Solarstrom auf schwache Nachfrage trifft. Allerdings bedeutet es auch teureren Strom, wenn Kohle- und Gaskraftwerke den Hauptbedarf abdecken müssen. Wer bereit ist, seinen Verbrauch in günstige Phasen zu verlagern, kann dadurch deutlich sparen. Eine aktuelle Verivox-Auswertung für die erste Jahreshälfte zeigt jedoch, dass sich das nicht automatisch für jeden Haushalt lohnt.

In einer Beispielrechnung betrachtet Verivox einen Haushalt mit 4000 kWh Jahresverbrauch, was in etwa einer drei- bis vierköpfigen Familie entspricht. Mit einem dynamischen Stromtarif zahlte der Haushalt in den ersten sechs Monaten 2026 der Auswertung zufolge 645 Euro. Bei einer gezielten Verschiebung des Verbrauchs von größeren Verbrauchern wie Geschirrspüler, Waschmaschine und Trockner in günstige Zeiten konnte diese Rechnung auf 604 Euro gedrückt werden.

Damit schneiden dynamische Stromtarife deutlich günstiger ab als die Grundversorgung, für die der Beispielhaushalt beim gegebenen Verbrauch im Mittel 787 Euro gezahlt hätte. Mit einem günstigen Festpreistarif wären laut Verivox jedoch ganz ohne aufwendige Verbrauchsverschiebung nur Halbjahreskosten von 588 Euro entstanden. Mit den verschiedenen angebotenen Wechselboni könnten die Kosten eines Festpreistarifs demnach sogar auf 481 Euro sinken.

Dementsprechend lohnt sich ein dynamischer Stromtarif für Haushalte ohne größere flexible Verbraucher in den meisten Fällen nicht. Zudem fällt auf, wie groß die Preisunterschiede zwischen den Anbietern insgesamt ausfallen, und dass sich mit der gezielten Wahl eines günstigen Festpreistarifs mitunter das meiste Geld sparen lässt.

E-Auto-Fahrer profitieren von günstigen Nächten

Ganz anders fällt die Auswertung von Verivox jedoch aus, wenn der Haushalt aus der Beispielrechnung ein E-Auto besitzt, das an einer Wallbox im Haus geladen wird. Verivox rechnet hier mit einem zusätzlichen Jahresverbrauch von 2000 kWh. Lädt das Auto vorwiegend in den späten Abendstunden oder über Nacht, liegen die Kosten im Beispiel mit einem flexiblen Stromtarif bei 821 Euro pro Halbjahr.

Damit ist der flexible Stromtarif erheblich günstiger als die Grundversorgung mit einem gemittelten Preis von 1189 Euro und auch noch um einiges preiswerter als ein günstiger Festpreistarif mit 889 Euro. Unter Berücksichtigung von Wechselboni könnten die Kosten mit einem Festpreistarif zwar laut Rechnung noch einmal auf 726 Euro gesenkt werden, allerdings sind diese Boni oft einmalig und sollten daher nur bedingt berücksichtigt werden.

E-Auto-Fahrer können also in ganz besonderem Maße von den nächtlich günstigeren Strompreisen profitieren. Flexible Stromtarife können für sie besonders attraktiv sein, zumal das Laden eines E-Autos über Nacht deutlich weniger in den Alltag eingreift, als das Verschieben anderer flexibler Verbraucher wie etwa der Waschmaschine in die Abendstunden.

Eine andere Untersuchung von Neon im Auftrag des Ökostromanbieters Naturstrom kam zu einem ähnlichen Ergebnis. In dieser Studie sparten E-Auto-Haushalte mit einem flexiblen Stromtarif aufs Jahr gerechnet 164 Euro, was -31 Prozent Ersparnis gegenüber dem Festpreistarif entsprach. Allerdings hängt die individuelle Ersparnis natürlich von mehreren Faktoren ab und es sollte berücksichtigt werden, dass diese Studie im Auftrag eines Stromanbieters zustande gekommen ist.

Hier hakt es laut Verivox-Analyse in Deutschland

Ein Grundproblem sieht die Verivox-Analyse in Deutschland nach wie vor bei der Digitalisierung der Stromnetze und vor allem auch beim Mangel an intelligenten Netzentgelten. Letztere machen schließlich rund 30 Prozent der Haushaltsstrompreise aus. Zeitvariable Netzentgelte könnten hier Anreize schaffen, um mehr Strom in netzentlastenden Phasen zu verbrauchen. Allerdings hinken lokale Netzbetreiber bei der Einführung hinterher.

Einen weiteren wichtigen Hebel können zudem intelligente Stromzähler darstellen. Smart Meter erfassen den aktuellen Verbrauch viertelstündlich und bilden damit die technische Grundlage dafür, dass Versorger zeitlich gezielt Strom einkaufen und ihn ihren Kunden entsprechend wirtschaftlich anbieten können. Bisher haben jedoch nur rund 6 Prozent der Verbraucher in Deutschland ein solches Smart Meter installiert. Damit liegt Deutschland im europäischen Vergleich deutlich zurück. In vielen anderen EU-Ländern sind intelligente Stromzähler bereits seit Jahren der Standard.

Außerdem verweist die Auswertung von Verivox auch auf einen neuen Trend am Markt: Immer mehr Anbieter kombinieren ihre dynamischen Tarife mit kleinen Batteriespeichern, die in den Wohnungen der Kunden installiert werden. So kann zusätzlich Netzstrom geladen werden, wenn er billig ist und in teuren Phasen wieder abgegeben werden, sodass Haushalte dann, wenn es sonst teuer wird, weniger aus dem Netz beziehen oder sogar zurückspeisen können.

Quellen: Spiegel – Wann sich flexible Strompreise für Sie lohnen / Naturstrom – Einsparpotenzial für Haushalte durch dynamische Stromtarife

Worthy not set for this post

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Arun Niemann

Arun Niemann

Arun Niemann arbeitet nun seit 5 Jahren als Redakteur und Werbetexter und schreibt seit 2026 auch für Elektroauto-News.net. Dabei bringt ihn sein persönliches Interesse für makroökonomische Zusammenhänge und die bisherige redaktionelle Arbeit zu Finanz- und Wirtschaftsthemen, oft zu Beiträgen an der Schnittstelle zwischen Elektromobilität, Energiewende und Wirtschaft.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Elektroauto laden

GEIG-Novelle beschlossen: Neue Ladepflichten für Gebäude ab 2027

GEIG-Novelle beschlossen: Neue Ladepflichten für Gebäude ab 2027

Daniel Krenzer  —  

Bundestag und Bundesrat haben die GEIG-Novelle beschlossen. Ab 2027 gelten strengere Vorgaben für Ladepunkte und Ladeinfrastruktur an Gebäuden.

VDA warnt vor Pflicht zu bidirektionalem Laden

VDA warnt vor Pflicht zu bidirektionalem Laden

Sebastian Henßler  —  

Im Europaparlament ist die geplante V2G-Pflicht für neue Elektroautos umstritten, während Umweltverbände auf ein deutlich schnelleres Marktwachstum hoffen.

Seamless Charging: Laden ohne App oder Karte

Seamless Charging: Laden ohne App oder Karte

Sebastian Henßler  —  

Ab Herbst soll Seamless Charging an allen InCharge-Ladestationen verfügbar sein, aktuell läuft der Dienst an Pilotstandorten.

Alpitronic-Chef: „Unsicherheit ist Gift für die Wirtschaft“

Alpitronic-Chef: „Unsicherheit ist Gift für die Wirtschaft“

Sebastian Henßler  —  

Alpitronic-Chef Philipp Senoner über Cybersecurity, chinesische Konkurrenz und warum regulatorische Unsicherheit das größte Problem im Lademarkt bleibt.

In diesen 7 Bundesländern werden Ladepunkte stark genutzt

In diesen 7 Bundesländern werden Ladepunkte stark genutzt

Daniel Krenzer  —  

Wo werden Deutschlands Ladestationen am stärksten genutzt? Eine Auswertung von ChargePointRadar zeigt: Vor allem die Stadtstaaten liegen vorne.

Tibber-Analyse: E-Auto laden günstiger als Tanken

Tibber-Analyse: E-Auto laden günstiger als Tanken

Sebastian Henßler  —  

Daten von mehr als 10.000 Haushalten zufolge kostete smart geladener Strom zuletzt 3,27 Euro pro 100 Kilometer, Diesel und Benzin dagegen ein Vielfaches.