Chery setzt auf russische Produktionsstätten

Chery setzt auf russische Produktionsstätten
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Sebastian Henßler
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  —  Lesedauer 2 min

Der chinesische Autohersteller Chery hat begonnen, frühere Produktionsstätten von Volkswagen, Mercedes-Benz und Nissan in Russland zu nutzen, um seine Autos vor Ort zu montieren, wie Insider gegenüber dem Manager-Magazin offenbart haben. Diese Werke, die vor dem Krieg gegen die Ukraine von den westlichen Herstellern betrieben wurden, ermöglichen es Chery, seine Produktion in Russland auszubauen. Vor allem das SUV Tiggo und Modelle der Marke Exeed werden dort zusammengebaut. Chery nutzt die leerstehenden Kapazitäten, um den russischen Markt zu bedienen, äußerte sich jedoch nicht öffentlich dazu, ob diese Werke langfristig Teil seiner Strategie bleiben.

Seit dem Rückzug vieler westlicher Autohersteller haben chinesische Firmen einen erheblichen Teil des russischen Marktes übernommen. Mehr als die Hälfte der in Russland verkauften Autos stammt nun von chinesischen Herstellern. Dieser Wandel zeigt, wie sich Chinas Einfluss auf die russische Wirtschaft seit Kriegsbeginn vergrößert hat. Um die Produktion im Land zu fördern, hat die russische Regierung Einfuhrzölle für Autos verhängt, die außerhalb Russlands gebaut werden. Damit sollen ausländische Unternehmen wie Chery motiviert werden, ihre Modelle direkt im Land zu produzieren.

Eine dieser Produktionsstätten, ein ehemaliges Volkswagen-Werk in Kaluga, wird nun von Chery genutzt, um den Tiggo herzustellen. Michail Pogonow, ein Vertreter eines russischen Autohauses, berichtet, dass der Absatz von Chery-Autos stark gestiegen sei. Das Werk von Nissan in St. Petersburg wird ebenfalls für die Produktion des Tiggo verwendet, allerdings unter dem neuen Markennamen Xcite. Die Marke Xcite wurde erst kürzlich in Russland eingeführt und erhielt bereits viel Aufmerksamkeit.

Nicht nur Chery profitiert von der veränderten Marktsituation in Russland. Andere chinesische Hersteller, wie JAC, nutzen die Gelegenheit ebenfalls. Ende 2022 wurde unter dem alten sowjetischen Markennamen Moskowitsch ein neues Auto auf den Markt gebracht, das von JAC produziert wird. Diese Entwicklungen unterstreichen Chinas wachsende Rolle in der russischen Automobilproduktion.

Chery und die russische Regierung halten sich mit öffentlichen Aussagen zu diesen Produktionsstandorten zurück. Chery betonte, dass das Russland-Geschäft nicht mit den Expansionsplänen in Europa verbunden sei. Auch die zuständigen russischen Behörden haben auf Anfragen keine Stellung genommen.

In der Zwischenzeit bereitet sich die Europäische Union auf Strafzölle gegen chinesische Elektroautos vor. Diese Zölle sollen ab Ende Oktober greifen und darauf abzielen, die europäische Automobilindustrie vor subventionierten Importen aus China zu schützen. Chinesische Hersteller, darunter Chery, erwägen als Reaktion, Produktionsstätten in Europa zu errichten, um diese Zölle zu umgehen und weiterhin konkurrenzfähig zu bleiben. In Russland scheint das schon einmal geklappt zu haben.

Quelle: Manager-Magazin – Chinesen nutzen offenbar ehemalige Werke von VW und Mercedes in Russland

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Sebastian Henßler

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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