Supermarktkette lässt E-Autos nicht mehr aufs Parkdeck

Supermarktkette lässt E-Autos nicht mehr aufs Parkdeck
Copyright:

K M Hargreaves / Shutterstock / 2703860721 (Symbolbild)

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 3 min

Elektroautos müssen bei einigen Carrefour-Filialen in Belgien künftig draußen bleiben – zumindest aus den Parkbereichen auf den Dächern der Märkte. Die Supermarktkette untersagt Stromern bei insgesamt 18 Standorten die Zufahrt zu den dortigen Parkdecks. Als Gründe nennt Carrefour das höhere Gewicht vieler Elektroautos sowie Bedenken beim Brandschutz, berichtet Focus online.

Carrefour verweist demnach darauf, dass viele der betroffenen Gebäude bereits vor Jahrzehnten errichtet wurden. Elektroautos wiegen durch ihre Batterien nach Angaben des Unternehmens im Schnitt 250 bis 500 Kilogramm mehr als vergleichbare Verbrenner. Stünden zahlreiche schwere Fahrzeuge gleichzeitig auf einem Parkdeck, könnten sich daraus Probleme für dessen Tragfähigkeit ergeben. Schon bislang gelten an den betroffenen Standorten je nach Gebäude Gewichtsgrenzen von 1,5 oder 2,5 Tonnen. Das pauschale Verbot für Elektroautos kommt nun zusätzlich hinzu.

Begründung wenig überzeugend

Genau hier setzt allerdings berechtigte Kritik an. Wenn die Tragfähigkeit das Problem ist, wäre das tatsächliche Fahrzeuggewicht das naheliegende Kriterium – nicht die Antriebsart. Ein kleines Elektroauto kann deutlich weniger wiegen als ein großes SUV mit Benzin- oder Dieselmotor. Auch Verbrenner sind in den vergangenen Jahrzehnten immer größer und schwerer geworden. Der Branchenverband EV Belgium stellt daher die Frage, ob nicht vielmehr die älteren Parkhäuser für den heutigen Fahrzeugbestand unterdimensioniert sind.

Als zweiten Grund nennt Carrefour den Brandschutz. Brände von Lithium-Ionen-Akkus können tatsächlich besondere Anforderungen an die Feuerwehr stellen, weil eine betroffene Batterie über längere Zeit gekühlt werden muss und sich erneut entzünden kann. Doch inzwischen dürften alle Wehren auf diese Besonderheiten gut eingestellt sein. Mehrere Studien zeigten darüber hinaus bereits, dass Elektroautos deutlich seltener in Brand geraten als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor oder Hybride, in denen beide Techniken gemeinsam verbaut sind. Diese Begründung wirkt also ebenfalls wenig überzeugend.

Ähnliche Diskussionen gab es bereits in Deutschland. Die Stadt Kulmbach sperrte 2021 zwei städtische Parkeinrichtungen für Elektroautos und Plug-in-Hybride – absurderweise nachdem zuvor ein Verbrenner gebrannt hatte. Nach der Anschaffung zusätzlicher Brandschutzausrüstung wurde das Verbot wenige Monate später wieder aufgehoben.

Imageschaden könnte drohen

Auch rechtlich sind pauschale Verbote nicht unumstritten. Das Amtsgericht Wiesbaden erklärte 2022 ein von einer Wohnungseigentümergemeinschaft beschlossenes Abstellverbot für Elektroautos in einer Tiefgarage für unwirksam. Der ADAC empfiehlt grundsätzlich, den Brandschutz von Garagen unabhängig von der Antriebsart der dort abgestellten Fahrzeuge sicherzustellen.

Bei Carrefour bleibt E-Auto-Fahrern immerhin der ebenerdige Parkplatz – dort befinden sich nach Angaben der Kette auch die Ladestationen. Das macht die Einschränkung im Alltag zwar überschaubar. Die pauschale Trennung nach Antriebsart wirkt dennoch wenig überzeugend, wenn eigentlich Gewicht und bauliche Voraussetzungen das Problem sind. Zudem droht der Supermarktkette ein Imageschaden, denn in Kreisen von Elektroautofahrern dürfte diese sehr schwach begründete Entscheidung auf wenig Gegenliebe stoßen.

Quelle: Focus online – Parkhaus-Verbot für Elektroautos, weil sie zu schwer sind

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in News

Erste Ausfahrt im Range Rover Sport Electric

Erste Ausfahrt im Range Rover Sport Electric

Sebastian Henßler  —  

Erste Ausfahrt im Range Rover Sport Electric bei JLR in Gaydon: Wie sich der sportliche Stromer im Kreisverkehr, auf Schlaglöchern und im Flugzeug schlägt.

Range Rover: Die Luxus-Wette hinter der Elektro-Offensive

Range Rover: Die Luxus-Wette hinter der Elektro-Offensive

Sebastian Henßler  —  

Range Rover baut sich zum Luxushaus um: Wert statt Volumen, eigene Technik made in England und gut 80.000 Vormerkungen für ein E-Auto ohne bekannten Preis.

Ferrari Luce: So entsteht der erste Elektro-Ferrari

Ferrari Luce: So entsteht der erste Elektro-Ferrari

Zaid Hamid  —  

Ferrari fertigt den Luce in Maranello auf demselben Band wie V8- und V12-Modelle. Akku, Elektromotoren und Achsen entstehen ebenfalls im eigenen E-Building.

Smart #2: 290 km Reichweite und 20 Minuten Ladezeit

Smart #2: 290 km Reichweite und 20 Minuten Ladezeit

Daniel Krenzer  —  

Der neue Smart #2 schafft bis zu 290 km WLTP-Reichweite. Der 35,8-kWh-Akku soll in weniger als 20 Minuten von 10 auf 80 Prozent laden.

Wie Südafrikas Autoindustrie um den Anschluss an die E-Mobilität kämpft

Wie Südafrikas Autoindustrie um den Anschluss an die E-Mobilität kämpft

Tobias Stahl  —  

Südafrikas Automobil-Chefs warnen: Ohne die richtigen politischen Anreize könnte das Land mit der nächsten Fahrzeuggeneration den Anschluss verlieren.

Elektromobilität in Indien: Das Geschäftsmodell entscheidet

Elektromobilität in Indien: Das Geschäftsmodell entscheidet

Sebastian Henßler  —  

Solarstrom kostet in Indien etwa halb so viel wie Strom neuer Kohlekraftwerke. Das Ziel für nichtfossile Kraftwerksleistung wurde fünf Jahre eher erreicht.

Geely sucht Partner für 1000-kW-Ladestationen in Deutschland

Geely sucht Partner für 1000-kW-Ladestationen in Deutschland

Sebastian Henßler  —  

Neben dem Ladenetz plant Geely laut internen Quellen für Anfang 2027 ein vollelektrisches D-Segment-Auto in Deutschland, dazu sechs neue Modelle im Jahr.