Elektroautos müssen bei einigen Carrefour-Filialen in Belgien künftig draußen bleiben – zumindest aus den Parkbereichen auf den Dächern der Märkte. Die Supermarktkette untersagt Stromern bei insgesamt 18 Standorten die Zufahrt zu den dortigen Parkdecks. Als Gründe nennt Carrefour das höhere Gewicht vieler Elektroautos sowie Bedenken beim Brandschutz, berichtet Focus online.
Carrefour verweist demnach darauf, dass viele der betroffenen Gebäude bereits vor Jahrzehnten errichtet wurden. Elektroautos wiegen durch ihre Batterien nach Angaben des Unternehmens im Schnitt 250 bis 500 Kilogramm mehr als vergleichbare Verbrenner. Stünden zahlreiche schwere Fahrzeuge gleichzeitig auf einem Parkdeck, könnten sich daraus Probleme für dessen Tragfähigkeit ergeben. Schon bislang gelten an den betroffenen Standorten je nach Gebäude Gewichtsgrenzen von 1,5 oder 2,5 Tonnen. Das pauschale Verbot für Elektroautos kommt nun zusätzlich hinzu.
Begründung wenig überzeugend
Genau hier setzt allerdings berechtigte Kritik an. Wenn die Tragfähigkeit das Problem ist, wäre das tatsächliche Fahrzeuggewicht das naheliegende Kriterium – nicht die Antriebsart. Ein kleines Elektroauto kann deutlich weniger wiegen als ein großes SUV mit Benzin- oder Dieselmotor. Auch Verbrenner sind in den vergangenen Jahrzehnten immer größer und schwerer geworden. Der Branchenverband EV Belgium stellt daher die Frage, ob nicht vielmehr die älteren Parkhäuser für den heutigen Fahrzeugbestand unterdimensioniert sind.
Als zweiten Grund nennt Carrefour den Brandschutz. Brände von Lithium-Ionen-Akkus können tatsächlich besondere Anforderungen an die Feuerwehr stellen, weil eine betroffene Batterie über längere Zeit gekühlt werden muss und sich erneut entzünden kann. Doch inzwischen dürften alle Wehren auf diese Besonderheiten gut eingestellt sein. Mehrere Studien zeigten darüber hinaus bereits, dass Elektroautos deutlich seltener in Brand geraten als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor oder Hybride, in denen beide Techniken gemeinsam verbaut sind. Diese Begründung wirkt also ebenfalls wenig überzeugend.
Ähnliche Diskussionen gab es bereits in Deutschland. Die Stadt Kulmbach sperrte 2021 zwei städtische Parkeinrichtungen für Elektroautos und Plug-in-Hybride – absurderweise nachdem zuvor ein Verbrenner gebrannt hatte. Nach der Anschaffung zusätzlicher Brandschutzausrüstung wurde das Verbot wenige Monate später wieder aufgehoben.
Imageschaden könnte drohen
Auch rechtlich sind pauschale Verbote nicht unumstritten. Das Amtsgericht Wiesbaden erklärte 2022 ein von einer Wohnungseigentümergemeinschaft beschlossenes Abstellverbot für Elektroautos in einer Tiefgarage für unwirksam. Der ADAC empfiehlt grundsätzlich, den Brandschutz von Garagen unabhängig von der Antriebsart der dort abgestellten Fahrzeuge sicherzustellen.
Bei Carrefour bleibt E-Auto-Fahrern immerhin der ebenerdige Parkplatz – dort befinden sich nach Angaben der Kette auch die Ladestationen. Das macht die Einschränkung im Alltag zwar überschaubar. Die pauschale Trennung nach Antriebsart wirkt dennoch wenig überzeugend, wenn eigentlich Gewicht und bauliche Voraussetzungen das Problem sind. Zudem droht der Supermarktkette ein Imageschaden, denn in Kreisen von Elektroautofahrern dürfte diese sehr schwach begründete Entscheidung auf wenig Gegenliebe stoßen.
Quelle: Focus online – Parkhaus-Verbot für Elektroautos, weil sie zu schwer sind










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