Was die Feuerwehr ihren Einsatzkräften bei E-Auto-Bränden rät

Was die Feuerwehr ihren Einsatzkräften bei E-Auto-Bränden rät
Copyright:

ooTToo / Shutterstock / 2263344783

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 2 min

Welche Herausforderungen stellen sich der Feuerwehr durch die Elektromobilität? Was ist bei Brandbekämpfung und technischer Hilfeleistung zu beachten? Jochen Schäfer, Fachberater Elektromobilität des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV), informierte hierüber im DFV direkt und stellte rund 340 interessierten Feuerwehrangehörigen in dem Onlineformat die Fortbildungsmöglichkeiten des Kompetenzzentrums E-Mobilität vor. Ausgehend von der Frage, was wir über brennende E-Autos und speziell brennende Akkus und Hochvoltbatterien wissen oder meinen zu wissen, schlug er den Bogen zum aktuellen Stand der einsatztaktischen Möglichkeiten, so der DFV in einer aktuellen Mitteilung.

Hierzu müsse man sich zunächst klar machen, welche besonderen Gefahren bei einem solchen Brandereignis hinzukommen. „Brennt nicht nur das Fahrzeug, sondern sind auch die Hochvoltbatterien direkt betroffen, erweitert sich das Spektrum deutlich“, so der Referent. Explosionsartiges Abblasen und Abbrennen der Zellen mit hoher Wärmeentwicklung sowie das Freisetzen gefährlicher Stoffe stellten eine direkte Gefährdung für Einsatzkräfte und ggf. verunfallte Personen dar. Hinzu komme der Thermal Runaway, der insbesondere bei der Brandbekämpfung zusätzliche Herausforderungen schaffe.

Den Möglichkeiten der Brandbekämpfung näherte sich Schäfer von der wissenschaftlichen Seite an und berichtete von Brandversuchen: Eine Sauerstoffreduktion zeige keine Auswirkung, eine Kühlung sei damit einzige wirkungsvolle Alternative. Piercing-Tools setzten zwar auf den Kühleffekt, würden auf Grund der Herausforderungen beim Einsatz und der geringen Erfahrungswerte nicht primär empfohlen. Tatsächlich habe sich der Einsatz von Wasser auch unter Zumischung von Additiven wie Mehrbereichsschaummittel oder auch der Einsatz von CAFS bewährt. Ziel müsse hierbei sein, die Akkutemperatur unter 70°C zu senken.

Hinsichtlich der Gefährdung durch austretende Gefahrstoffe und die Verunreinigung von Löschwasser hätten die Versuche ein differenziertes Bild ergeben. Während beim Brand von Kleinakkus, Flurförderfahrzeugen oder auch Elektroautos eine geringe und tolerierbare Gefährdung entstehe, vergleichbar mit dem Brand eines Verbrenner-Pkw, seien bei ortsfesten Einrichtungen, Bussen, Lkw und ähnlichem andere Maßnahmen erforderlich. Hier seien Einrichtungen zur Löschwasserrückhaltung erforderlich bzw. Maßnahmen zur Rückhaltung einzuleiten.

Bei einem verunfallten Fahrzeug sollten die Lage und Beteiligung der Hochvoltbatterien geklärt werden. Eine dauerhafte Beobachtung mittels Wärmebildkamera gebe hierbei rechtzeitig Hinweise auf ein mögliches Brandereignis. Sollte dieses eintreten, seien parallele Maßnahmen der Brandbekämpfung und der Personenrettung erforderlich.

Das komplexe Thema Elektromobilität erfordere bei den Feuerwehren sicherlich noch viel Ausbildung auf Basis fundierter, wissenschaftlicher Erkenntnisse. „Dies gezielt voranzutreiben, hat sich Meyer Port4 mit dem ,Kompetenzzentrum Elektromobilität‘ zur Aufgabe gemacht. Die anerkannte Feuerwehrschule betreibt neben der Ausbildung von Feuerwehrkräften selber Forschung und ist Bestandteil im Service der TUIS E“, berichtete Schäfer abschließend.

Quelle: Deutscher Feuerwehrverband – Pressemitteilung vom 14.04.2025

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in News

Wie Teal Nordic Hunderttausende Ladepunkte zentral steuert

Wie Teal Nordic Hunderttausende Ladepunkte zentral steuert

Sebastian Henßler  —  

Jørn Floor Andersen erklärt, wie Teal Nordic ein CPMS-Backend baut, das Hunderttausende Ladepunkte verwaltet und Fehlkonfigurationen selbst erkennt.

Kilowatt Collective: E-Fahrer fordern faire Ladepreise

Kilowatt Collective: E-Fahrer fordern faire Ladepreise

Sebastian Henßler  —  

Warum zahlen E-Auto-Fahrer:innen an derselben Säule völlig unterschiedliche Preise? Sören Ziems, Co-Founder elvah, kennt die Antwort aus eigener Erfahrung.

EU-Umweltrat streitet über CO2-Flottenstandards für E-Autos

EU-Umweltrat streitet über CO2-Flottenstandards für E-Autos

Sebastian Henßler  —  

Im EU-Umweltrat prallten zwei Lager aufeinander: Deutschland, Italien und Polen fordern Flexibilität bei den CO2-Zielen, Frankreich blockiert jede Aufweichung.

Polestar 3 Performance: Supersportwagen-Schub im SUV

Polestar 3 Performance: Supersportwagen-Schub im SUV

Stefan Grundhoff  —  

647 Kilometer Reichweite und 350 kW Ladeleistung: Mit 800-Volt-Technik positioniert sich der neue Polestar 3 klar gegen die Platzhirsche im Luxus-SUV-Markt.

Tesla erhöht die Produktionszahl in Grünheide

Tesla erhöht die Produktionszahl in Grünheide

Daniel Krenzer  —  

Tesla erhöht die Produktion in Grünheide auf 7500 Elektroautos pro Woche und schafft weitere Arbeitsplätze. Das steckt hinter dem Ausbau.

Exklusiv: Mercedes plant harte Einschnitte für Belegschaft

Exklusiv: Mercedes plant harte Einschnitte für Belegschaft

Sebastian Henßler  —  

Mehr Arbeit für gleiches Geld, verschobene Sonderzahlungen, Nullrunden: Was eine interne Mercedes-Präsentation über die Sparpläne des Konzerns verrät.

Blumes härtester Plan: 100.000 Stellen weniger bei VW

Blumes härtester Plan: 100.000 Stellen weniger bei VW

Sebastian Henßler  —  

VW-Chef Oliver Blume plant den härtesten Umbau der Konzerngeschichte: Bis zu 100.000 Stellen sollen bis 2030 wegfallen, vier Werke geschlossen werden.