Wer künftig ein Auto aus dem Geely-Konzern in Deutschland lädt, könnte dies an Säulen mit bis zu 1000 kW tun. Der chinesische Automobilhersteller sucht hierzulande lokale Partner, um gemeinsam ultraschnelle Ladestationen aufzubauen. Ziel ist es, die eigene Schnellladetechnologie im deutschen Markt zu etablieren und den Ausbau der Ladeinfrastruktur voranzutreiben. Angekündigt hat Geely Auto den Schritt am 30. September in Raunheim, kurz nach der globalen Vorstellung seines neuen Ladesystems Geely Smart Charging.
Der Vorstoß fällt in eine Phase, in der die Marke ihr Angebot in Deutschland ausbauen will. Nach Informationen von Elektroauto-News aus internen Quellen bei Geely soll im ersten Quartal 2027 ein neues, vollelektrisches Auto aus dem D-Segment auf den deutschen Markt kommen. Im Gesamtjahr 2027 plant die Marke demnach sechs neue sogenannte NEVs (New Energy Vehicles), darunter Hybride, Plug-in-Hybride und reine E-Autos. Eine ähnliche Zahl hat Geely auch für 2028 in den Raum gestellt.
Technisch stützt sich das Vorhaben auf ein Zusammenspiel aus KI-gestütztem Energiemanagement, leistungsfähiger Ladehardware und eigenen Batterietechnologien. Kern des Systems ist Xingrui PowerMind, ein KI-Modell, das der Konzern gemeinsam mit StepFun entwickelt hat. Es koordiniert Fahrzeug, Batterie, Ladestation, Cloud, Stromnetz und Energiespeicher und steuert den Ladevorgang dynamisch.
Wie schnell das in der Praxis gehen kann, zeigen Tests mit dem Lynk & Co 10 und dem Zeekr 001. Beide Modelle, ausgestattet mit der Shendun Golden Battery, luden in 4 Minuten und 30 Sekunden von zehn auf 70 Prozent. Für den Sprung von zehn auf 97 Prozent benötigten sie 8 Minuten und 40 Sekunden. Die Batterie ist auf ultraschnelles Laden ausgelegt und unterstützt eine Spitzenladerate von 12C, kann also rechnerisch mit dem Zwölffachen ihrer Kapazität pro Stunde geladen werden.
Der Hitze beim Laden einen Schritt voraus
Damit solche Ladezeiten nicht zulasten der Batterie gehen, setzt Geely auf vorausschauendes Thermomanagement. Algorithmen sagen die Batterietemperatur bis zu 30 Sekunden im Voraus vorher und passen die Ladeleistung entsprechend an, statt erst auf gestiegene Werte zu reagieren. Die durchschnittliche Temperatur soll dabei unter 55 Grad Celsius bleiben, die Spitze unter 65 Grad Celsius.
Ergänzt wird das durch ein Fünf-Punkt-Flüssigkeitskühlsystem, das die gesamte Ladekette einbezieht. Gekühlt werden die Energiespeicherbatterie der Station, die Ladesäule, das Kabel, der Anschluss und schließlich das Batteriepaket im Auto. Auf diese Weise sollen Engpässe entlang des Energieflusses vermieden werden.
Hinzu kommt ein Ansatz, der eine verbreitete Sorge von Käufer:innen aufgreift, nämlich die Frage, ob häufiges Schnellladen der Batterie schadet. Über PowerMind lässt sich für jedes Auto und jede Batterie eine eigene Ladestrategie erstellen. Spitzenstrom, Kühlintensität und Ladedauer werden dabei in Echtzeit angepasst.
Eine Lithium-Ionen-Puls-Regenerationstechnologie nutzt zudem Mikro-Impulsströme, um Lithium-Ionen zu reaktivieren, die sich bei wiederholtem Schnellladen an den negativen Elektroden angesammelt haben. In Kombination mit dem KI-Lademanagement soll sich die Zyklenlebensdauer der Batterie so um bis zu 20 Prozent verlängern. Fürs Laden zu Hause hat der Hersteller eine Strategie mit niedrigen Laderaten entwickelt, die Degradation durch Schnellladen schrittweise beheben und die Zellen über ihren gesamten Lebenszyklus schützen soll.
Hohe Ladeleistung auch für günstigere Modelle
Auf der Hardwareseite hat Geely eine Ladestation der fünften Generation eingeführt, die eine Spitzenleistung von bis zu 2250 kW erreicht und über eine KI-Schnellladefunktion verfügt. Die in Deutschland angestrebten Standorte mit bis zu 1000 kW leiten sich aus dieser Ankündigung ab.
Parallel erweitert das Unternehmen sein Batterieportfolio um die Ultra Short Blade Battery der nächsten Generation. Sie ist auf Langlebigkeit und Sicherheit ausgelegt und erreicht eine Spitzenladerate von 6C. Eine eigens entwickelte Laserschweißtechnologie für Zell-Kontaktfahnen und Deckel senkt die Wärmeentwicklung beim Laden um zehn Prozent. Damit sollen hohe Ladeleistungen auch in erschwinglicheren Modellen möglich werden.
Zur Geely Auto Group zählen neben Geely auch Lynk & Co und Zeekr. Übergeordnet ist die Zhejiang Geely Holding Group, zu deren Ökosystem unter anderem Volvo Cars, Polestar und Lotus gehören, an smart ist Geely über ein Joint Venture mit Mercedes-Benz beteiligt. In Europa baut die Gruppe ihre Präsenz weiter aus: Im Juli 2026 kündigten Geely Holding und Ford ein Joint Venture am Ford-Standort im spanischen Valencia an.
Quelle: Geely – Pressemitteilung









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