Südafrika ist der größte Automobilproduzent Afrikas. Mehr als eine halbe Million Fahrzeuge rollt dort jährlich vom Band, etwa 67 Prozent davon sind für den Export bestimmt. Entsprechend wichtig ist die Automobilindustrie für das Land: Der Sektor trägt 23,8 Prozent zur Produktion im verarbeitenden Gewerbe bei, beschäftigt rund 113.000 Menschen direkt und sichert weitere 498.000 Arbeitsplätze in vor- und nachgelagerten Branchen.
Aktuell droht das Land allerdings, bei der nächsten Generation von Fahrzeugplattformen den Anschluss zu verlieren. Die südafrikanische Regierung hat zwar bereits steuerliche Anreize für die Produktion von Elektro- und Wasserstofffahrzeugen eingeführt. Branchenvertreter sehen die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts dennoch durch strukturelle Probleme gefährdet, berichtet Reuters und beruft sich dabei auf Gespräche mit Führungskräften mehrerer Autobauer.
Die Produktionsanforderungen verändern sich – die Regierung versucht, Schritt zu halten
Präsident Cyril Ramaphosa hatte ein Gesetz unterzeichnet, das Autoherstellern ab März 2026 einen steuerlichen Abzug von 150 Prozent auf Investitionen in Gebäude, Maschinen und Ausrüstung für die Produktion von Elektro- und Wasserstofffahrzeugen gewährt. Ein deutlicher wirtschaftlicher Anreiz für die Branche – doch Branchenvertreter und Analysten betonen, dass die zentralen Hürden woanders liegen: bei der Stromversorgung, der Ladeinfrastruktur, den Produktionskosten und der Planungssicherheit.
Die Europäische Union und Großbritannien nehmen zusammen rund 63 Prozent der südafrikanischen Autoexporte ab. In beiden Märkten verschärfen sich derzeit die Emissionsstandards, entsprechend schnell treiben sie den Umstieg auf emissionsarme Mobilität voran. Unklar bleibt, ob Südafrika mit den sich wandelnden Produktionsanforderungen Schritt halten kann. „Wir müssen sehr aufpassen, dass Südafrika nicht abgehängt wird, weil sich das globale Umfeld so schnell verändert“, erklärt Neale Hill, Präsident von Ford Motor Company Africa.
„Wir haben uns früher auf niedrige Energiekosten, bezahlbare Arbeitskräfte, Steuern und Logistik verlassen“, sagt Toyota-Südafrika-Chef Andrew Kirby im Gespräch mit Reuters. „All das ist deutlich teurer geworden.“ Die Produktionsvergabe verschiebe sich zunehmend nach Asien. Diese Verschiebung macht sich schon jetzt deutlich bemerkbar: Toyota produziert die elektrische Version seines Pickups Hilux in Thailand, nicht in Südafrika. Nissan hat die lokale Fahrzeugfertigung in diesem Jahr vollständig eingestellt, nachdem die Produktion unter die Kapazitätsgrenze gefallen war. Gleichzeitig drängen neue chinesische Hersteller auf den Markt: BAIC ist bereits mit einer eigenen Produktion vor Ort, Chery will im kommenden Jahr eine lokale Produktion starten.
Anreize auf Produzentenseite und Luxussteuern für die Käufer
Während die südafrikanische Regierung die Produzentenseite fördert, fehlen Kaufanreize für die Verbraucher. Stattdessen gibt es sogar Preisaufschläge: Luxussteuern können die Einfuhrzölle auf Elektrofahrzeuge je nach Wert auf bis zu 30 Prozent des Preises treiben. Zuletzt lag der Anteil von Elektro- und Hybridfahrzeugen an den Neuzulassungen bei lediglich 2,8 Prozent.
De Wet Taljaard, technischer Berater bei Investec Sustainable Solutions, bezeichnete die Steuernachlässe für Hersteller als einen der stärksten Anreize Südafrikas für die Produktion von Elektrofahrzeugen, weist jedoch auch darauf hin, dass Steuererleichterungen als alleinige Investitionsentscheidungen selten ausschlaggebend seien. „Die Autohersteller berücksichtigen eine Reihe von Faktoren, darunter Marktzugang, Produktionskosten, Logistikleistung, Versorgungssicherheit bei Strom, Qualifikation der Arbeitskräfte, Lokalisierungspotenzial, Wechselkursrisiken, Handelsabkommen und regulatorische Sicherheit“, erklärte er gegenüber Reuters.
Während Autobauer die steuerlichen Anreize zwar begrüßt haben, betonen sie auch, dass langfristige politische Sicherheit und die Unterstützung durch die Verbraucherseite ebenfalls wichtig sein werden. Ford Südafrika, Produzent der Plug-in-Hybridversion des Ford Ranger, bezeichnete die Steuererleichterung als einen positiven ersten Schritt, erklärte jedoch, dass Unterstützung auf der Angebotsseite allein den Umstieg auf Elektromobilität nicht beschleunigen werde.
„Es braucht eine Kombination aus Produktionsanreizen und Verbraucheranreizen, und wir haben gesehen, dass diese zusammenwirken um die Verbreitung von Elektrofahrzeugen voranzutreiben“, so Ford-Africa-Chef Hill.
„Das Risiko besteht nicht darin, dass die bestehende Produktion über Nacht verschwindet“
Einige Führungskräfte der Branche betonen im Gespräch mit Reuters, dass der Abschluss der Überprüfung des wichtigsten südafrikanischen Förderprogramms für die Automobilindustrie, APDP2, immer dringlicher wird, da die Automobilhersteller derzeit Entscheidungen über ihre Produktionsprogramme treffen, die bis ins nächste Jahrzehnt hineinreichen.
Präsident Ramaphosa erklärte im August, dass die Regierung entschlossen sei, die Überprüfungen „vorrangig“ abzuschließen, und verwies dabei auf die verbesserte Stromversorgung sowie Reformen beim Logistikunternehmen Transnet.
Zwar hat bislang kein Hersteller eine Investition in die Produktion von Elektrofahrzeugen angekündigt, die in Zusammenhang mit dem neuen Förderprogramm steht. Das bestehende APDP-Förderprogramm hat allerdings Investitionen in Höhe von mehreren Milliarden Rand seitens etablierter Hersteller und neuer Marktteilnehmer angezogen, darunter auch BAIC und Chery.
„Das Risiko besteht nicht darin, dass die bestehende Produktion über Nacht verschwindet“, gibt Investec-Berater Taljaard zu bedenken. „Das Risiko besteht darin, dass die nächste Generation von Fahrzeugplattformen, Technologien und Investitionen in die Fertigung anderswo getätigt wird.“
Quelle: Reuters – South Africa races to keep auto exports competitive in EV era








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