Aviloo-Studie: Batteriezustand bei E-Autos schwankt stark

Aviloo-Studie: Batteriezustand bei E-Autos schwankt stark
Copyright:

Aviloo

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 4 min

Wer ein gebrauchtes E-Auto kauft, verkauft oder finanziert, verlässt sich meist auf die Anzeige im Fahrzeug, wenn es um den Zustand der Batterie geht. Genau hier setzt der neue Aviloo Certified EV Battery Report an: Der Batteriediagnose-Anbieter aus Österreich hat mit mehr als 500.000 unabhängigen Tests an gebrauchten E-Autos aus den Jahren 2022 bis 2026 nach eigenen Angaben die weltweit größte unabhängige Studie zur Batteriegesundheit vorgelegt. Erfasst wurden 20 gängige Modelle, eingebettet in eine globale Datenbank mit mehr als eine Million Tests aus Nord- und Südamerika, Europa, Australien und Asien.

Für Käufer:innen, Händler:innen, Flottenbetreiber:innen und Versicherer:innen ist das mehr als eine Randnotiz. Die teuerste Komponente eines E-Autos lässt sich anhand der werkseigenen Anzeige oft nur ungenau einschätzen. Aviloo will diese Lücke schließen und veröffentlicht den Report künftig zweimal jährlich.

Wie die Tests den echten Zustand aufdecken

Grundlage ist der Aviloo Flash Test, eine rund dreiminütige Diagnose über den OBD-Anschluss des Autos. Statt sich auf das interne Batteriemanagementsystem zu verlassen, berechnet Aviloo den sogenannten State of Health, also den Anteil der ursprünglichen Kapazität, der noch vorhanden ist, mit einem statistischen Modell aus Kilometerstand, Alter, Ladezyklen, Zellspannung und weiteren Werten.

Der Report bildet für jedes Modell den mittleren Wert bei 50.000, 100.000 und 150.000 Kilometern ab und zeigt zusätzlich die Bandbreite, in der sich 99 Prozent der Fahrzeuge bewegen. Drei Muster ziehen sich durch die Auswertung: Die mediane Batteriegesundheit sinkt mit steigender Laufleistung, die Unterschiede zwischen einzelnen Autos wachsen mit den gefahrenen Kilometern, und die Abstände zwischen den Modellen bleiben über alle Kilometerstände hinweg bestehen.

Gleiches Modell, völlig unterschiedliche Alterung

Wie groß diese Unterschiede ausfallen können, zeigt der Vergleich zwischen dem besten und dem schlechtesten Fahrzeug desselben Modells: Beim State of Health beträgt die Spanne laut Report bis zu 13,5 Prozentpunkte, ein Wert, der sich direkt in Reichweite und Wiederverkaufswert niederschlägt.

Beim Tesla Model Y mit 78,8 kWh Batterie liegt der mediane Wert bei 94,5 Prozent nach 50.000 Kilometern und sinkt auf 90,3 Prozent nach 150.000 Kilometern, was einer Reichweite von rund 379 auf etwa 362 Kilometer entspricht. Einzelne Fahrzeuge weichen davon um bis zu 11 Prozentpunkte ab. Der Volkswagen ID.4 mit 77 kWh kommt von 95,3 auf 90,6 Prozent, die Streuung erreicht bei hohen Kilometerständen 11 bis 12 Prozentpunkte.

Niedriger liegen die Werte beim Hyundai Ioniq 5 und beim Nissan Leaf. Der Ioniq 5 mit 72,6 kWh sinkt von 97,2 auf 92,8 Prozent, die Schwankung wächst bis auf über 12 Prozentpunkte. Der Nissan Leaf ZE1 mit seiner kleinen 40-kWh-Batterie zeigt durchgehend die niedrigsten Werte, von 91,1 auf 86,3 Prozent, bei einer Streuung von bis zu 13,5 Prozentpunkten. Laut Aviloo müssen E-Autos mit kleineren Batterien häufiger geladen werden, was tendenziell zu schnellerer Degradation führt.

Klima und Nutzung prägen die Alterung mit

Auch die Umgebungstemperatur beeinflusst, wie schnell eine Batterie altert und wie gut sie lädt. In kühleren Regionen fällt die Ladeleistung tendenziell geringer aus, der Verschleiß verläuft anders als in wärmeren Klimazonen. Weil der Report auf Tests aus mehreren Kontinenten beruht, bildet er laut Aviloo ein Bild über verschiedene Klimazonen und Nutzungsbedingungen ab, statt nur das Muster eines einzelnen Marktes zu zeigen.

Für den wachsenden Gebrauchtmarkt für E-Autos gewinnt dieser Blick an Gewicht. Wer einen gebrauchten Verbrenner kauft, prüft seit jeher Kilometerstand und Fahrzeughistorie. Beim E-Auto rückt zusätzlich die Batterie in den Fokus, jene Komponente, die laut Report am stärksten von Fahrzeug zu Fahrzeug schwankt. Um Käufer:innen zusätzlich abzusichern, hat Aviloo im Sommer 2026 europaweit eine Batteriegarantie eingeführt, die den Zustand der Batterie beim Kauf eines Gebrauchtwagens finanziell absichert.

Aviloo-Geschäftsführer Marcus Berger ordnet die Ergebnisse ein: Durchschnittswerte würden viel verschleiern, so Berger, „die Batteriegesundheit unterscheidet sich stark zwischen Modellen, und noch stärker zwischen einzelnen Autos desselben Modells“. Zehn oder fünfzehn Prozentpunkte Unterschied beim State of Health bedeuteten einen echten Unterschied bei Reichweite, Wert und Verlässlichkeit, ergänzt er, ohne unabhängigen Test lasse sich schlicht nicht sagen, wo ein bestimmtes Auto innerhalb dieser Bandbreite steht.

Quelle: Aviloo – Pressemitteilung

Worthy not set for this post

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Batterieentwicklung

E-Auto-Akkus nach 55.000 Kilometern noch bei 95,5 Prozent

E-Auto-Akkus nach 55.000 Kilometern noch bei 95,5 Prozent

Daniel Krenzer  —  

Eine Ayvens-Auswertung zeigt: Gebrauchte E-Autos haben nach durchschnittlich 55.000 Kilometern noch 95,5 Prozent Batteriekapazität.

Saft startet Produktion von Feststoffbatterien in Frankreich

Saft startet Produktion von Feststoffbatterien in Frankreich

Daniel Krenzer  —  

Batteriehersteller Saft produziert Feststoffbatterien in Frankreich. Die neue Technologie verspricht bis zu 50 Prozent mehr Energiedichte und mehr Sicherheit.

Trotz holprigem Start: ACC fertigt fünf Millionen Zellen

Trotz holprigem Start: ACC fertigt fünf Millionen Zellen

Arun Niemann  —  

ACC erreicht in Douvrin einen wichtigen Produktionsmeilenstein. Doch Lieferengpässe und gestrichene Werke zeigen, dass der Hochlauf weiter schwierig bleibt.

So selten sind Batterieschäden bei gebrauchten E-Autos

So selten sind Batterieschäden bei gebrauchten E-Autos

Daniel Krenzer  —  

Eine Analyse der Akkus von rund 10.000 gebrauchten E-Autos zeigt: Auffällige Batterie-Zellabweichungen sind äußerst selten.

Moment Energy macht aus alten E-Auto-Akkus Stromspeicher

Moment Energy macht aus alten E-Auto-Akkus Stromspeicher

Arun Niemann  —  

Moment Energy gibt ausgedienten E-Auto-Batterien ein zweites Leben als stationäre Speicher. Mit Fabriken in Kanada und USA will das Start-up skalieren.

GBT: Festkörperbatterie ohne Gigafactory-Neubau

GBT: Festkörperbatterie ohne Gigafactory-Neubau

Sebastian Henßler  —  

Greater Bay Technology fertigt in Guangzhou Festkörperzellen in Serie, und zwar auf einer umgebauten Lithium-Ionen-Linie mit zunächst 1 GWh Kapazität.

Chlor als Helfer: Neue Schwefel-Batterie speichert mehr Energie

Chlor als Helfer: Neue Schwefel-Batterie speichert mehr Energie

Arun Niemann  —  

Forscher konnten die Energiedichte von Lithium-Schwefel-Batterien mit Chlor deutlich steigern. Bis zur Serienreife gibt es aber noch einige Hürden.