BMW und Dekra: Wasserstoff wird wichtige Antriebsart

BMW und Dekra: Wasserstoff wird wichtige Antriebsart
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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Der Autohersteller BMW ist einer der eifrigsten Verfechter der Technologieoffenheit – und setzt bewusst auf einen breiten Mix aus klassischen Verbrennern, Plug-in-Hybriden, Elektroautos und künftig auch Wasserstoffautos. Die Einführung eines Wasserstoff-Pkw wie dem iX5 Hydrogen und ein Absatz in geringen Stückzahlen sei ab 2025 möglich, so der Hersteller. Für die Zukunft erwartet BMW-Chef Oliver Zipse sogar, dass „Wasserstoff die angesagteste Antriebsart“ sein werde, wie er in einem Interview mit Bloomberg sagte.

Nach dem Elektroauto, das seit etwa zehn Jahren auf dem Vormarsch ist und sich schnell verbreitet, wird der nächste Trend Wasserstoff sein“, so der BMW-Chef. Entscheidend sei, dass die Technologie skalierbarer und somit günstiger wird. Auch zur BMW-Konzerntochter Rolls-Royce würde die Antriebsart gut passen, wie CEO Torsten Müller-Ötvös anklingen ließ: „Warum nicht? Ich würde das nicht ausschließen. Es gibt im Konzern die Überzeugung, dass dies vielleicht die langfristige Zukunft ist.

Zipse ist der Meinung, dass es gefährlich sei, auf eine einzige Antriebsart zu setzen: „Für die Kunden, für die Industrie, für die Beschäftigung, für das Klima, aus jedem Blickwinkel betrachtet, ist das ein gefährlicher Weg“, so der BMW-Chef.

Infrastruktur noch nicht bereit für Wasserstoff

Die Infrastruktur in Deutschland indes ist nach Ansicht von Stan Zurkiewicz, Chef der Prüforganisation Dekra, noch nicht ausreichend auf Wasserstoff als Energieträger vorbereitet. Wasserstoff sei „eine hochexplosive Chemikalie“, die zudem „die Behälter, in denen sie transportiert wird, sehr aggressiv angreift“, gab er laut der Deutschen Presse-Agentur zu bedenken. Es könnte in der Folge passieren, dass die Materialien spröde werden und Gas austreten könnte. Dies stehe einem breit angelegten Einsatz von Wasserstoff noch im Wege.

Für den Transport von Wasserstoff von dessen Produktionsstätte zu den Endverbrauchern müssten vor allem Erdgas-Pipelines umfunktioniert werden. Manche sind der Meinung, dies wäre innerhalb kurzer Zeit und mit vergleichsweise wenig Aufwand möglich. Die Dekra warnt allerdings davor und sagt es sei unklar, ob die bestehende Infrastruktur tatsächlich mit den chemischen Eigenschaften von Wasserstoff zurecht kommt. „Ich würde sagen: Noch nicht“, so Zurkiewicz. Es sei eine Aufgabe der Autohersteller und anderer Industrien, die Wasserstoff als Energiequelle nutzen wollen, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

Aber auch Zurkiewicz ist wie Zipse der Meinung, dass Wasserstoff trotz einiger Herausforderungen eine entscheidende Rolle bei der Energie- und Antriebswende einnehmen wird: „Im Nutzfahrzeugbereich für den Langstreckentransport wird Wasserstoff wahrscheinlich die dominierende Technologie sein“, so der Dekra-Chef. Er schätzt, dass die Entwicklung von für den flächendeckenden Einsatz geeigneten Wasserstoff-Technologien für die Mobilität jener von Batterie-Technologien etwa zehn Jahre hinterherhinkt.

Dekra arbeitet bei der aktuellen Entwicklung der Prototypen Kleinserie des iX5 Hydrogen mit BMW zusammen, um eben jene Herausforderungen anzugehen. Grundsätzlich, so die Dekra, seien wasserstoffbetriebene Fahrzeuge aber genau so sicher wie Verbrenner, die mit Benzin oder Diesel befeuert werden.

Quelle: Automobilwoche – Infrastruktur noch nicht bereit für Wasserstoff / Ecomento – BMW-Chef: Wenn skalierbar, wird Wasserstoff die angesagte Antriebsart sein

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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