Deutschland baut Ökosystem für Natrium-Ionen-Fertigung auf

Deutschland baut Ökosystem für Natrium-Ionen-Fertigung auf
Copyright:

UniverCell Holding GmbH | Pilotbeschichtungsanlage für Batterieelektroden – Schnittstelle zwischen Forschung und Serienproduktion.

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 2 min

Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt hat mit SIB:DE Entwicklung das bislang größte deutsche Förderprojekt zur Natrium-Ionen-Batterietechnologie auf den Weg gebracht. 25 Partner aus Wissenschaft und Industrie arbeiten darin gemeinsam an einer Alternative zu Lithium-Ionen-Batterien – mit dem erklärten Ziel, Forschungsergebnisse schnell in industrielle Anwendungen zu überführen.

Der Hintergrund ist bekannt: Lithium-Ionen-Batterien dominieren derzeit den Markt für mobile und stationäre Energiespeicher. Ihre Achillesferse liegt in der Rohstoffversorgung. Lithium, Kobalt und Nickel sind ungleich verteilt, geopolitisch sensibel und zunehmend knapp. Natrium hingegen gilt als unkritischer Rohstoff, ist weltweit verfügbar, kostengünstig und als sicher eingestuft. Für Anwendungen in der Elektromobilität, bei der Netzintegration erneuerbarer Energien und beim Aufbau von 5G-Infrastruktur könnte die Natrium-Ionen-Technologie damit eine strukturell robustere Grundlage bieten.

Das Projektkonsortium setzt sich aus elf Industriepartnern und 14 akademischen Einrichtungen zusammen, ergänzt durch einen erweiterten Kreis assoziierter Partner und einen Industriebegleitkreis. Koordiniert wird das Vorhaben von EDAG Production Solutions. SIB:DE Entwicklung ist Teil der übergeordneten SIB:DE Initiative, aus der bereits das Vorgängerprojekt SIB:DE Forschung hervorgegangen ist.

Im Kern geht es um zwei Dinge: die Produktion großformatiger, marktreifer Zellen im industriellen Maßstab sowie die Bewertung ihrer Recyclingfähigkeit. Beides zusammen soll den Grundstein für ein vollständiges Ökosystem der Natrium-Ionen-Batteriezellfertigung in Deutschland und Europa legen – und den Rückstand gegenüber asiatischen Anbietern verringern, die in diesem Segment bereits weiter fortgeschritten sind.

Technologische Souveränität als erklärtes Ziel

Das Konsortium beschreibt seinen Anspruch klar: eine technologisch souveräne, wettbewerbsfähige und nachhaltige Batteriewertschöpfungskette für die Natrium-Ionen-Technologie aufzubauen. Der große Industriebegleitkreis signalisiert dabei, dass das Interesse an dieser Technologie über den Forschungsbereich hinausgeht. Nur durch die enge Verzahnung von wissenschaftlicher Kompetenz und industrieller Umsetzungsfähigkeit, so das Konsortium, sei eine schnelle Skalierung und Marktdurchdringung möglich.

Die Bedeutung stabiler Rohstoffversorgung für die europäische Energiewende steht dabei im Mittelpunkt. Batteriezellen sind nicht nur Bestandteil der EU-Mobilitätsstrategie bis 2030, sondern auch eine Schlüsselkomponente für die Netzstabilität beim weiteren Ausbau erneuerbarer Energien. Eine Technologie, die diese Anforderungen ohne die geopolitischen Abhängigkeiten des Lithium-Ionen-Markts erfüllen kann, wäre industriepolitisch relevant – sowohl für Deutschland als auch für Europa insgesamt.

Ob Natrium-Ionen-Zellen die in sie gesteckten Erwartungen erfüllen, wird SIB:DE Entwicklung in den kommenden Jahren zeigen müssen. Die Kombination aus Fördermittelvolumen, Konsortiumsgröße und industriellem Begleitkreis deutet darauf hin, dass die Bewertung dieser Technologie nun in einem Maßstab stattfindet, der belastbare Antworten liefern kann.

Quelle: Fraunhofer IFAM – Bedeutendes BMFTR-Projekt zur Fertigung von Natrium-Ionen-Batteriezellen in Deutschland ist gestartet

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

Solarzellen im Auto: Studie zeigt enormes Einsparpotenzial

Solarzellen im Auto: Studie zeigt enormes Einsparpotenzial

Sebastian Henßler  —  

Forscher:innen haben 1,3 Millionen Fahrkilometer ausgewertet. Ihr Ergebnis: Solarmodule im Fahrzeug senken den externen Strombedarf pro Kilometer deutlich.

T&E: Deutsche Vorschläge zu CO2-Grenzwerten könnten Milliarden kosten

T&E: Deutsche Vorschläge zu CO2-Grenzwerten könnten Milliarden kosten

Tobias Stahl  —  

T&E warnt vor einer weiteren Aufweichung der CO2-Flottengrenzwerte. Die Vorschläge der Bundesregierung würden Milliarden kosten und Arbeitsplätze gefährden.

Prognose bis 2030: Starker Einbruch der Pkw-Produktion in Westeuropa

Prognose bis 2030: Starker Einbruch der Pkw-Produktion in Westeuropa

Daniel Krenzer  —  

Deutschland und Großbritannien sind extrem stark betroffen. Ein Gewinner ist Spanien – das zuletzt Milliarden in die E-Mobilität investiert hat.

Europa braucht mehr Mut, nicht mehr Verbrenner

Europa braucht mehr Mut, nicht mehr Verbrenner

Daniel Krenzer  —  

Wegen vermeintlichen Wählerwillens klammern sich politische Kräfte zunehmend an den Verbrenner. Doch das läutet den Tod der europäischen Automobilindustrie ein.

EU riskiert 34 Batteriefabriken durch Lockerung des Verbrenner-Aus

EU riskiert 34 Batteriefabriken durch Lockerung des Verbrenner-Aus

Daniel Krenzer  —  

T&E warnt: Weicht die EU das Verbrenner-Aus weiter auf, könnten 34 Batteriefabriken in Northvolt-Größe verloren gehen – ein Milliardendesaster.

Chinesische Hersteller als Retter deutscher Autofabriken?

Chinesische Hersteller als Retter deutscher Autofabriken?

Wolfgang Gomoll  —  

Allein der Gedanke, chinesische Autos in deutschen Werken zu produzieren, schlägt derzeit hohe Wellen. Allerdings überwiegen die Chancen den Risiken.

Kommentar: VDA-Alarm – legitime Sorge, fragwürdige Forderung

Kommentar: VDA-Alarm – legitime Sorge, fragwürdige Forderung

Sebastian Henßler  —  

Der VDA warnt vor 125.000 Jobverlusten und fordert Technologieoffenheit. Aber Europa und China kaufen E-Autos – wer profitiert dann von Verbrenner-Ausnahmen?