T&E: Forderungen der Autoindustrie könnten EU 74 Milliarden Euro zusätzlich kosten

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Michael Neißendorfer
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Die Bundesregierung hat sich dazu bekannt, dass Deutschland in der Debatte um die EU-Flottengrenzwerte die aufweichenden Forderungen der Autoindustrie übernehmen und sich für Plug-in-Hybride einsetzen wird. T&E-Berechnungen auf Basis eines durchgesickerten Dokuments zeigen die Folgen der Forderungen für die europäischen Verbraucher auf: weniger preiswerte E-Autos und enorme Zusatzkosten für Ölimporte.

Die T&E-Berechnungen zeigen, dass die Forderungen der europäischen Autoindustrie nach schwächeren Flottengrenzwerten EU-weit zusätzlich 74 Milliarden Euro für Ölimporte kosten würden. Die Analyse stützt sich auf ein durchgesickertes Positionspapier des europäischen Automobilherstellerverbands ACEA an die EU-Umweltminister:innen.

Die deutsche Regierung hat den ACEA-Standpunkt übernommen, den Verkauf umweltschädlicher Plug-in-Hybride zu verlängern. Ein Schritt, der – sollte er umgesetzt werden – den Übergang der europäischen Automobilindustrie zu vollelektrischen Fahrzeugen lediglich verzögern und den Rückstand zu China vergrößern würde. T&E kritisiert, dass sich die Bundesregierung trotz massiven Verwerfungen durch die Ölkrise weiterhin für Verbrenner einsetzt, obwohl das Kaufinteresse an E-Autos aktuell hoch ist.

Der ACEA fordert in dem Papier, die Flottengrenzwerte 2030 über einen Zeitraum von fünf Jahren zu mitteln. Das ist eine erhebliche Abschwächung im Vergleich zum Vorschlag der EU-Kommission, die das Ziel über drei Jahre mitteln will. Außerdem fordert der ACEA die Abschaffung des neuen Nutzfaktors, der die Emissionen von Plug-in-Hybriden genauer erfasst. Diese Änderungen würden es den Herstellern ermöglichen, weitaus weniger E-Autos und weitaus mehr umweltschädliche Verbrenner zu verkaufen als unter dem aktuellen Ziel. Das könnte nach T&E-Berechnungen dazu führen, dass die E-Auto-Verkäufe für den Rest des Jahrzehnts bei ihrem derzeitigen Marktanteil von 21 Prozent stagnieren. Mit den aktuell bestehenden Flottengrenzwerten müssten sie auf 57 Prozent im Jahr 2030 steigen.

„Am Ende zahlen Verbraucher durch die hohen Spritkosten die Zeche“

„Die Autohersteller wollen Europas Ölabhängigkeit verlängern, statt den aktuellen E-Auto-Boom zu nutzen. In der Vergangenheit haben sie sich über mangelnde Nachfrage beklagt: Jetzt wäre sie da! Trotzdem will ACEA die Einführung von erschwinglichen E-Autos verzögern, auf die viele angewiesen sind, um umsteigen zu können“, kommentiert Sebastian Bock, Geschäftsführer von T&E Deutschland. „Am Ende zahlen Verbraucher durch die hohen Spritkosten die Zeche“, so Bock weiter. Die EU müsse „die Behauptungen der europäischen Industrie zurückweisen, dass eine Verschiebung der Elektrifizierung ihnen helfen würde, mit chinesischen Konkurrenten mitzuhalten. Die Zukunft ist elektrisch. Eine Verzögerung der Ziele schadet den Menschen und der Wettbewerbsfähigkeit Europas.“

Im Dezember hatte die EU-Kommission bereits vorgeschlagen, das Ziel der Hersteller für 2035 von einer 100-prozentigen CO2-Reduzierung auf 90 Prozent abzusenken. Der Verband ACEA fordert nun eine weitere Absenkung auf 80 Prozent, durch Gutschriften in Höhe von 10 Prozent ohne Auflagen, sowie weitere 5 Prozent für Kraftstoffe, die weniger CO2 ausstoßen als Benzin, und 5 Prozent für kohlenstoffarme Materialien.

T&E hat berechnet, dass der Anteil der E-Auto-Verkäufe im Jahr 2035 dadurch nur 52 statt 100 Prozent betragen könnte. Die Kraftstoffgutschriften würden es den Autoherstellern ermöglichen, weniger E-Autos zu verkaufen, als Gegenleistung für nicht vorhandene Emissionseinsparungen.

Der ACEA-Vorschlag könnte der EU zwischen 2026 und 2035 zusätzliche Kosten in Höhe von 74 Milliarden Euro für Ölimporte verursachen, weil weniger E-Autos den Rohöl-Bedarf weniger senken. Im Vergleich zur aktuellen Regelung könnten sich die CO2-Emissionen europäischer Autos zwischen 2026 und 2050 um bis zu 2,4 Gigatonnen erhöhen. Das entspricht den Emissionen der heutigen EU-Fahrzeugflotte über einen Zeitraum von mehr als fünf Jahren.

T&E fordert die EU dazu auf, die derzeitigen Flottengrenzwerte beizubehalten und die Nachfrage nach E-Autos durch ein ambitioniertes Gesetz für saubere Firmenflotten zu stärken. Der Entwurf dieser Clean Corporate Vehicles Regulation, sowie die vorgeschlagene Überarbeitung der Flottengrenzwerte werden derzeit vom Europäischen Parlament und den EU-Regierungen erörtert.

Quelle: T&E – Pressemitteilung vom 14.04.2026

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Michael Neißendorfer

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Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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