Der Durchbruch des bidirektionalen Ladens im Massenmarkt rückt ein Stück näher. Gemeinsam haben The Mobility House, EcoG und der chinesische Technologiepartner EV-Tech eine kompakte bidirektionale DC-Wallbox zur Serienreife gebracht und vergangene Woche auf der Power2Drive in München ausgestellt. Die neue ChargeLine BiDi soll noch im Herbst zunächst an Großhändler sowie Installations- und Vertriebspartner ausgeliefert werden und richtet sich perspektivisch an private Haushalte sowie kleinere gewerbliche Anwendungen.
Die Besonderheit: Anders als klassische Wallboxen arbeitet die ChargeLine BiDi intern mit Gleichstrom (DC). Dennoch stellt sie nach außen die in Europa übliche Ladeleistung von bis zu 11 kW bereit. Der Vorteil dieses Ansatzes liegt vor allem im bidirektionalen Betrieb. Da Fahrzeugbatterien der Elektroautos ebenfalls mit Gleichstrom arbeiten, entfallen zusätzliche Wandlungsschritte beim Laden und Entladen, was Vehicle-to-Home (V2H) und perspektivisch auch Vehicle-to-Grid (V2G) erleichtert. Gleichzeitig bleibt die Ladeleistung mit 11 kW in einem Bereich, der für den Alltag vollkommen ausreicht und den Akku vergleichsweise schonend lädt.
Ein weiterer praktischer Vorteil ergibt sich aus den regulatorischen Vorgaben in Deutschland: Einzelne Ladepunkte mit bis zu 11 kW müssen beim Netzbetreiber lediglich angemeldet werden. Erst bei höheren Leistungen ist vor der Installation eine Genehmigung erforderlich. Das könnte die Einführung bidirektionaler Wallboxen im privaten Bereich vereinfachen.
Standards statt Insellösung
Nach Angaben der beteiligten Unternehmen unterstützt die Wallbox sowohl ISO 15118-20 als auch ältere Versionen des Kommunikationsstandards sowie OCPP 2.1 und dessen Vorgänger. Dadurch soll sie mit aktuellen und zukünftigen Fahrzeugen sowie verschiedenen Backend-Systemen interoperabel bleiben. Zudem ist die Wallbox bereits für den deutschen Markt zertifiziert, weitere europäische Länder sollen noch im Laufe dieses Jahres folgen.
The Mobility House will die Hardware mit eigenem Energiemanagement sowie der Vermarktung von Flexibilität am Strommarkt kombinieren. Ziel ist es, Elektroautos künftig nicht nur als Fortbewegungsmittel, sondern auch als stationäre Stromspeicher zu nutzen. Noch offen bleibt allerdings der Preis. Die Unternehmen nennen bislang keine Kosten. Es ist jedoch davon auszugehen, dass eine bidirektionale DC-Wallbox deutlich teurer sein wird als eine konventionelle 11-kW-AC-Wallbox, die heute bereits für wenige hundert Euro erhältlich ist.
Langfristig könnten sich die höheren Anschaffungskosten dennoch rechnen. Wer Solarstrom zwischenspeichert, den Eigenverbrauch optimiert oder künftig netzdienliche Leistungen vergütet bekommt, kann erhebliche wirtschaftliche Vorteile erzielen. Genau darin sehen viele Marktteilnehmer das eigentliche Potenzial von Vehicle-to-Grid und Vehicle-to-Home. Um diese wirtschaftlichen Vorteile von V2X besser beurteilen zu können, hatte jüngst die eMobile Academy aus Augsburg ein sehr detailliertes Tool vorgestellt.
Gespräche mit Fahrzeugherstellern laufen
Dass das Interesse der Automobilhersteller wächst, zeigte sich auch auf der Power2Drive Europe 2026 in München. Am Stand von The Mobility House informierten Hersteller über Pilotprojekte rund um die neue Wallbox. Unter anderem Renault tauschte sich mit potentiellen Teilnehmern eines eigenen Pilotprojektes aus. Die Branche bereitet sich damit zunehmend auf den Markthochlauf bidirektionaler Fahrzeuge vor.
Allerdings dürfte bidirektionales Laden zunächst vor allem über DC-Lösungen erfolgen. Zwar arbeiten verschiedene Unternehmen auch an AC-basierten Konzepten, doch bieten DC-Systeme derzeit größere technische Freiheiten und lassen sich einfacher mit unterschiedlichen Fahrzeugplattformen kombinieren. Die nun vorgestellte Wallbox könnte deshalb zu den ersten Produkten gehören, die Vehicle-to-Grid in größerem Maßstab aus dem Pilotbetrieb in den Alltag bringen.
Quelle: The Mobility House – Pressemitteilung vom 22. Juni 2026








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