Nissan und Easelink haben in Großbritannien das weltweit erste vollautomatische Vehicle-to-Grid-Ladesystem auf AC-Basis realisiert. Im Rahmen des Forschungsprojekts SUITE (Smart Use of Integrated Technology for EVs) kombinieren Ingenieure des Nissan Technical Centre Europe (NTCE) bidirektionales AC-Laden mit der automatisierten konduktiven Ladetechnologie von Easelink.
Das Projekt wird vom NTCE geleitet und mit umgerechnet rund 11,6 Millionen Euro staatlich gefördert. Ziel ist es, Ladevorgänge, Betrieb und Nutzungserlebnis von Elektroautos grundlegend zu verändern. Zum Einsatz kommen dabei die neuen, vollelektrischen Nissan Leaf als Erprobungsträger.
V2G: Unzuverlässiges Ansteckverhalten bremst die Netzanbindung
Grundlage der Kooperation sind Felddaten aus mehr als 40 V2G-Projekten, die Nissan in den vergangenen zehn Jahren weltweit umgesetzt hat. Ein wiederkehrendes Muster zeigt sich dabei branchenübergreifend: Je höher der Ladezustand eines Elektroautos, desto seltener stecken Nutzer:innen es beim Parken an.
Diese Unregelmäßigkeit erschwert es Energieversorgern und Netzbetreibern, Fahrzeugbatterien gezielt als flexible Energiequelle einzusetzen, etwa bei Lastspitzen im Netz. „Unsere Erfahrungen aus Praxiseinsätzen haben gezeigt, dass das Ladeverhalten der Nutzer nach wie vor ein entscheidender Faktor ist, der die volle Ausschöpfung des V2G-Potenzials hemmt“, erklärt Kazuyuki Sakamoto, Director of Advanced Research and Engineering beim NTCE. Selbst engagierte Elektroauto-Nutzer:innen würden ihr Fahrzeug nicht konsequent anstecken, sobald der Akkustand für den täglichen Bedarf ausreiche.
Genau an diesem Punkt setzt die Matrix Charging Technologie von Easelink an. Sie ermöglicht vollautomatisches, konduktives und bidirektionales AC-Laden ohne Ladekabel und ohne jeglichen manuellen Eingriff. Das System besteht aus zwei Komponenten: einem Matrix Charging Connector im Fahrzeugunterboden und einem Matrix Charging Pad am Stellplatz. Sobald ein Fahrzeug über dem Pad parkt, senkt sich automatisch ein flexibler Faltenbalg ab und stellt so die Ladeverbindung her, unabhängig vom Ladezustand und ohne Mitwirkung der fahrenden Person.
Laut Easelink-Geschäftsführer Hermann Stockinger lässt sich dadurch die wirtschaftliche Tragfähigkeit von V2G-Diensten deutlich verbessern, da Fahrzeuge nahezu kontinuierlich für die Netzeinbindung zur Verfügung stehen.
Britisches Projekt setzt technologischen Meilenstein
Das in Großbritannien gestartete Projekt markiert nach Angaben der beteiligten Unternehmen den weltweit ersten Einsatz automatisierter Ladetechnologie in einem AC-V2G-Umfeld. Nissan bringt dafür eigene Erfahrungen aus einem umfangreichen Feldversuch ein und war das erste Unternehmen, das in Großbritannien eine Zertifizierung für den AC-V2G-Betrieb erhalten hat. „Wir sehen V2G als einen zentralen Pfeiler unserer langfristigen Strategie“, ergänzt Gregor Eckhard, CTO von Easelink, mit Blick auf die Zusammenarbeit mit einer international etablierten Marke wie Nissan.
Parallel zur technischen Umsetzung engagieren sich Nissan und Easelink gemeinsam mit Audi und Voyah in der neu gegründeten Matrix Charging Interest Group (MCIG). Die Gruppe soll technische Spezifikationen und Schnittstellenparameter für automatisiertes Laden herstellerübergreifend harmonisieren. Hintergrund ist der Kommunikationsstandard ISO 15118-20, der zwar von allen Automobilherstellern technisch konform umgesetzt wird, dessen unterschiedliche Auslegungen in der Praxis aber zu Kompatibilitätsproblemen zwischen einzelnen Systemen führen können. Die MCIG soll diese Lücke schließen, indem sie zentrale Parameter frühzeitig angleicht und so die Integration über Marken und Märkte hinweg vereinfacht.
Quelle: Easelink – Pressemitteilung








Wird geladen...