Stabiles 3-MW-Laden für E-Lkw rückt näher

Stabiles 3-MW-Laden für E-Lkw rückt näher
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MAN Trucks

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 3 min

Das Megawattladen für elektrische Lastwagen macht einen wichtigen Schritt nach vorn. Im Forschungsprojekt NEFTON ist es erstmals gelungen, einen vollständigen Hochstrom-Ladepfad mit 3000 Ampere stabil zu betreiben, heißt es in entsprechenden Pressemitteilungen der Projektbeteiligten. Damit schaffen die Partner die technische Grundlage für Ladeleistungen von bis zu drei Megawatt – und damit für deutlich kürzere Ladepausen im Fernverkehr.

An dem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Projekt sind unter anderem das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE), MAN Truck & Bus sowie die Technische Universität München beteiligt. Ziel ist die Entwicklung einer praxistauglichen Megawatt-Ladeinfrastruktur nach dem MCS-Standard (Megawatt Charging System).

Während heutige MCS-Ladestationen meist Ladeleistungen um ein Megawatt ermöglichen, sieht der Standard perspektivisch bis zu 1250 Volt und 3000 Ampere vor. Genau diese Stromstärke konnte nun erstmals in einem fahrzeugnahen Prüfstandsaufbau stabil erreicht werden. Neben dem eigentlichen Ladepfad untersuchten die Forscher auch das thermische Verhalten der Komponenten, Kühlkonzepte sowie die elektrische Sicherheit.

Die Versuche bestätigten, dass sich die eingesetzten Systeme auch unter extremen elektrischen und thermischen Belastungen zuverlässig betreiben lassen. Damit sei eine wesentliche Grundlage geschaffen, um das 3-MW-Laden künftig für den industriellen Einsatz vorzubereiten.

400 frische Kilometer in zehn Minuten

Nach Einschätzung von MAN könnten elektrische Fernverkehrs-Lkw dadurch künftig innerhalb von lediglich 10 bis 15 Minuten Energie für mehr als 400 Kilometer zusätzliche Reichweite nachladen. Gerade im gewerblichen Güterverkehr wären solche Ladezeiten ein entscheidender Faktor für hohe Fahrzeugverfügbarkeit und wirtschaftlichen Betrieb. Voraussetzung hierfür ist freilich, dass ein ausreichend dimensionierter Netzanschluss oder ausreichend geladene Pufferbatterien vor Ort vorhanden sind.

Die Forschungsergebnisse treffen auf einen Markt, der sich derzeit rasant entwickelt. Zahlreiche Hersteller präsentierten in den vergangenen Monaten neue MCS-Ladelösungen, die perspektivisch deutlich höhere Leistungen unterstützen sollen als heutige HPC-Systeme. Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt auf der Power2Drive Europe zuletzt der neue MCS-Lader von Schneider Electric. Das Unternehmen stellte dort einen DC-gekoppelten Schnelllader mit einer maximalen Leistung von bis zu sechs Megawatt vor. Damit richtet sich die Lösung nicht nur an schwere Elektro-Lkw, sondern perspektivisch auch an große Ladehubs mit mehreren gleichzeitig ladenden Nutzfahrzeugen.

Damit zeigt sich: Während die Fahrzeugtechnik und die Ladeinfrastruktur derzeit überwiegend noch im Bereich von rund einem Megawatt arbeiten, denken Hersteller und Forschung längst die nächste Ausbaustufe. Die nun im NEFTON-Projekt nachgewiesenen 3000 Ampere liefern dafür einen wichtigen technischen Baustein.

Netzausbau ist oft das Nadelöhr

Für den Elektroautos gelten Ladeleistungen von 400 bis 600 kW inzwischen als Spitzenniveau, wobei an Prüfständen für neue Elektroautos inzwischen mitunter 900-kW-Charger eingesetzt werden, um das volle Ladepotential mancher Schnelllader auch ausschöpfen zu können. Im schweren Güterverkehr reichen selbst diese Leistungen jedoch häufig nicht aus. Große Batterien mit mehreren hundert Kilowattstunden Kapazität benötigen teils erheblich höhere Ladeleistungen, um gesetzliche Lenk- und Ruhezeiten sowie gegebenenfalls Standzeiten beim Be- und Entladen optimal nutzen zu können.

Genau hier setzt das Megawatt Charging System an. Mit Ladeleistungen im Bereich von mehreren Megawatt könnten elektrische Fernverkehrs-Lkw künftig nahezu ohne produktivitätsrelevante Wartezeiten unterwegs sein. Die aktuellen Ergebnisse aus dem NEFTON-Projekt zeigen, dass die dafür erforderliche Technik nicht mehr nur auf dem Papier existiert, sondern Schritt für Schritt den Weg in die Praxis findet. Das Nadelöhr ist also auch hier längst nicht mehr die Technik, sondern der vielerorts noch hinkende Netzausbau.

Quelle: MAN Trucks und Fraunhofer ISE – Pressemitteilung vom 25. Juni 2026

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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