Bentley Torcal: Der erste rein elektrische SUV der Marke

Bentley Torcal: Der erste rein elektrische SUV der Marke
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Bentley

Wolfgang Gomoll
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Lange wurde gerätselt, doch jetzt ist es raus. Das neue vollelektrische Bentley-SUV heißt Torcal und unterscheidet sich mit seinem klassischen Design vom schrägen Expressionismus des Ferrari Luce. Wir haben den britischen Neuling einmal genauer unter die Lupe genommen.

Elektroautos und Nobelhersteller – dieses Thema schlägt derzeit hohe Wellen. Der Ferrari Luce wurde zum medialen Flop und dominierte tagelang die Social-Media-Posts. Kaum besser erging es der Elektro-Studie des Jaguar Type 00. Viel Druck für Bentley und seinen neuen Mittelklasse-Crossover – den ersten mit reinem Elektroantrieb.

Klassische Formensprache statt schräger Design-Experimente der Konkurrenz

Keine Überraschung, dass die Designer eine konventionelle Formensprache gewählt haben. Der Bentley Torcal ist mehr Rolls-Royce Cullinan als Ferrari Luce. Der fünf Meter lange Crossover steht massiv da und hat alle Insignien eines rollenden Statussymbols des britischen Autobauers: lange Motorhaube, betont ausgeprägte Schulterlinie und ein breites Heck mit einer Lichtergrafik mit kristallinen Elementen. Die Front ist vor allem bei Dunkelheit eine Schau, da sich im Kühlergrill eine Ansammlung von beleuchteten Diamantkristallen befindet, die über der Straße zu schweben scheinen.

„Seit 107 Jahren sind Bentleys außergewöhnliche Automobile – mit souveränen Fahrleistungen, herausragendem Komfort, exquisiter britischer Handwerkskunst unter Verwendung ausgewählter Materialien und einem emotionalen Sound. Unser neues Fahrzeug setzt in allen relevanten Bereichen Maßstäbe und könnte das wohl durchdachteste Auto in unserer Geschichte sein“, sagt Bentley-Chef Frank-Steffen Walliser.

Bentley | Bentley-Chef Frank-Steffen Walliser

Die Abmessungen sind zwar eindrucksvoll, aber nicht übermäßig mächtig, wie es bei einem 5,50 Meter langen Schiff der Fall wäre. Das erklärt sich aus der technischen Verwandtschaft des Bentleys zum Porsche Cayenne Electric. Beide nutzen die Plattform PPE 41 C (Premium Platform Electric). Das merkt man auch am Innenraum. Trotz des mächtigen Äußeren thront man im Torcal nicht wie auf einem Kutschbock, sondern sitzt tiefer und fühlt sich so mit dem Auto verbunden – auch im Fond sitzt es sich bequem.

Beim Infotainment fällt die konzeptionelle Ähnlichkeit erneut ins Auge. Statt eines rotierenden Zentralbildschirms blickt man auf einen großen Touchscreen, der am unteren Ende schwungvoll gebogen in die Mittelkonsole übergeht. Wir finden, dass das Bentley Rotating Display aus dem Continental GT und Flying Spur auch dem Torcal-Interieur eine besondere Note gegeben hätte. Doch das Geschäftsmodell und die daraus resultierenden Skalierungseffekte machen diesem Ansinnen einen Strich durch die Rechnung. Das sieht man auch am gekrümmten Instrumenten-Monitor.

Feine Materialien als typisches Markenzeichen der britischen Marke

Doch eines haben sich die Briten nicht nehmen lassen: die Verwendung feiner Materialien. Ein Hartplastik-Ambiente, wie es im Porsche Cayenne vorkommt, würden sich die Fans der Edelmarke beim kleinen Bruder des Bentayga nicht gefallen lassen. Also sitzt man im Torcal auf feinem Leder, tastet nach hochwertigen Holzapplikationen, klickenden Tasten und unterschäumten Flächen. Wer will, kann statt Leder auch Merino-Wolle oder statt Holz gebürstetes Aluminium wählen. Aus der Leistung und der Technik macht die Truppe aus Crewe noch ein großes Geheimnis.

Die Architektur-Bruderschaft mit dem Cayenne Electric und die Tatsache, dass der Torcal eine Reichweite von 300 Meilen, also über 480 Kilometern, hat, lassen jedoch einige Rückschlüsse zu. Da sich weder die Batterietechnik noch die Zellchemie radikal verändert haben, gehen wir davon aus, dass im Bentley die gleichen Akkus verbaut sind wie im Cayenne. Das bedeutet eine Kapazität von 113 Kilowattstunden, Pouch-Zellen und 800-Volt-Technik. Auch der 22-kW-Onboard-Lader sollte beim Briten von Beginn an Bord sein.

Das Fahrwerk dürfte wie beim Cayenne eine Kombination aus adaptiver Zweikammer-Luftfederung, verstellbaren Dämpfern und einer Hinterachslenkung sein. Interessant ist, wie die Bentley-Ingenieure das Gewicht des Torcal aufgrund der Ausstattung und die Bentley-typischen Dynamik- sowie Komfortattribute umsetzen werden. Mit einer bloßen Anpassung der Software wird es nicht getan sein. Und die Leistung? Auch da breiten die Manager aus Crewe noch das Tuch des Schweigens aus. Der Cayenne Turbo Electric markiert aktuell mit 850 kW / 1156 PS die Spitze der Baureihe aus Zuffenhausen. Ganz so scharf dürfte der Brite vorerst nicht daherkommen.

Ein Name mit gleich doppelter Bedeutung für den Torcal

Bleibt zum Schluss noch der Name. Der ist doppeldeutig. „Wie schon der Bentayga, der Bacalar und der Batur zuvor hat auch der Torcal seinen Namen von einer bemerkenswerten Natursehenswürdigkeit. El Torcal de Antequera in Andalusien, Spanien, ist eine beeindruckende Kalksteinlandschaft aus übereinanderliegenden Felsformationen, Klippen und Labyrinthen, die von der Natur über Millionen von Jahren geformt wurde und sich bis heute weiterentwickelt“, heißt es bei Bentley.

Also soll das E-SUV eine Weiterentwicklung der Marke sein. Aber mit genügend Leistung für ein entspanntes Vorankommen. Denn das Wort „Torcal“ leitet sich ebenfalls vom lateinischen „torquere“ ab, was „drehen“ bedeutet, und ist der Wortstamm, auf den auch das englische Wort „Torque“ zurückgeht – zu deutsch Drehmoment. Damit sind die Vorgaben verbal gegeben, und die Latte liegt hoch. Mal sehen, ob der Torcal diesen Vorschusslorbeeren gerecht wird.

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Wolfgang Gomoll beschäftigt sich mit dem Thema Elektromobilität und Elektroautos und verfasst für press:inform spannende Einblicke aus der E-Szene. Auf Elektroauto-News.net teilt er diese mit uns. Teils exklusiv!

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