Bentley Continental GT: Erster Schritt zur Elektrifizierung

Bentley Continental GT: Erster Schritt zur Elektrifizierung
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Bentley

Stefan Grundhoff
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Bisher war die Speed-Version beim Bentley Continental GT das Maß aller Dinge. Viele werden um den leistungsstarken Zwölfzylinder trauern, doch der hybride V8 bietet mehr Tatendrang als je zuvor – offen wie geschlossen. Der erste Bentley-Schritt in Richtung Elektrifizierung.

Bentley verkauft den neuen Continental GT als vierte Generation, doch neu entwickelt wurde das Luxuscoupé mit seinem ebenfalls verfügbaren Cabriolet Namens GTC nicht. Auch wenn sich Front – erstmals seit 1950 mit Zwei-Augen-Gesicht – und Heck in einem aufgefrischten Licht präsentieren, ist schnell zu erkennen, dass es sich um eine gründliche Modellpflege des aktuell wohl begehrtesten Luxuscoupés handelt. Während Rolls-Royce mit dem Spectre komplett auf einen Elektroantrieb wechselte, wird das beim Wettbewerber aus dem ebenfalls britischem Crewe noch etwas dauern und ein paar Einflüsse des Batur müssen reichen. Der Grund liegt auf der Hand, denn während Rolls-Royce mit seinem gigantisch dimensionierten Spectre auf die technische Basis des elektrischen BMW i7 setzen konnte, fehlt ein solch großes Elektromodell aktuell im breiten Markenportfolio des Volkswagen Konzerns.

So sind es zunächst einmal kleine Schritte, mit denen Bentley seine Markenfans ins Elektrolager locken möchte. Beim neuen Bentley Continental GT dürfte das mit einem neuen Hybridantrieb schon einmal klappen. Unter der Haube von Coupé und Cabriolet gibt es den bekannten Vierliter-V8 mit Turboaufladung, der in dieser Ausprägung 441 kW / 600 PS und ein maximales Drehmoment von 800 Nm leistet. Dieser Verbrenner wird je nach Fahrbetrieb und entsprechendem Programm imposant unterstützt von einem kompakten Elektromotor, der im Getriebetunnel verbaut zusätzliche 140 kW / 190 PS und 450 Nm beisteuert.

Das Gesamtpaket ist ein Hybridantrieb mit 575 kW / 782 PS und einem Drehmoment von saftigen 1000 Nm, die allerdings mächtige 2,5 Tonnen Leergewicht zu bändigen haben. Der Elektromotor wird gespeist von einem 25,9 kWh großen Akkupaket, mit dem der Luxusbrite entweder rein elektrisch unterwegs sein oder den Elektromotor zum Boost nutzen kann.

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Innen präsentiert sich der Prototyp des Bentley Continental GT Hybrid so, wie man es kennt: eleganter Luxus mit spektakulärer Verarbeitung und einem üppigen Platzangebot – der Reisekomfort ist grandios und in dieser Klasse eines Luxuscoupés wohl aktuell auch konkurrenzlos. Rein elektrisch rollt der Brite aus der Boxengasse, bevor es ein paar dynamische Runden auf einer Teststrecke in den Bergen oberhalb von Barcelona zu genießen gilt. Ein kräftigerer Druck aufs Gas und der Allradler schiebt bereits nach der ersten Rechtskurve leicht den Hügel hinauf geradezu schamlos an. Doch erst einmal Reifen und Fahrer auf Temperatur bringen – der Antrieb des Briten ist es bereits. Das gewaltige Leergewicht ist schnell zu spüren, daran ändert auch das Batteriepaket nichts, das tief im Heck des GT für eine bessere Gewichtsverteilung (49:51) und einen niedrigen Schwerpunkt sorgt.

Beim Anbremsen hat die gewaltige Bremsanlage, zehn Kolben mit 420er Durchmesser vorn und vier Kolben mit 380 Durchmesser hinten, trotz der gewinnbringenden Allradlenkung wahre Höchstleistungen zu vollbringen, auch wenn der Vortrieb des 4,90 Meter langen Coupés noch lange vom echten Grenzbereich entfernt ist. Das Tempo wird höher und nun ist der Zusatzschub, den der 140 kW starke Elektromotor gerade aus niederen Drehzahlen und entsprechenden Tempi beibringt, immer deutlicher spürbar. Unverändert hält Bentley bei seiner neuen Continental-Generation am achtstufigen Doppelkupplungsgetriebe fest. Bisher eines der wenigen Bestandteile, an dem es etwas auszusetzen hab, denn eine achtstufige Getriebeautomatik würde mehr lässige Noblesse und Souveränität ins Cruisen bringen.

Doch hier, ambitioniert bis sportlich unterwegs, kann das Doppelkupplungsgetriebe mit seinen schnellen Gangwechseln glänzen und gerade die Kombination mit dem direkt angeflanschten Elektromotor ist eine ideale Wahl, um betont sportlich unterwegs zu sein, wenn es aus den engen Kurven herausgeht. Differenzialsperre und Torque Vectoring sorgen derweil dafür, dass der geduckte Elefant auf der kurvenreichen Piste so dynamisch unterwegs ist, dass man es ihm kaum zugetraut hätte, auch wenn sich das spürbare Übergewicht trotz der sehr guten Lenkung und kraftvoller Bremsen in Grenzen hält.

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Wer will, kann den Allrad-Briten aus dem Stand in 3,3 Sekunden auf Tempo 100 bringen. Macht keiner, der ein solches Auto bewegt und interessiert absolut niemanden, der einen Bentley fährt. Glänzen lässt es sich im Freundeskreis stattdessen mit der abgeregelten Höchstgeschwindigkeit von 335 km/h – das liegt auf dem Niveau des bisherigen Continental Speed. Und wer in einer ganz anderen Disziplin glänzen will, erwähnt ganz beiläufig den Normverbrauch von 10,3 Litern Super Plus auf 100 Kilometern und das der Nobel-Viersitzer rein elektrisch 80 Kilometer rein elektrisch zurücklegen kann – bis zu 160 km/h schnell. Das dürfte zwar keine neuen Kunden bringen, doch ist eben zumindest der erste Schritt in Richtung Bentley-Elektromobilität.

Wer die Batterie einmal nachladen will: dauert an der normalen Ladesäule 2,45 h. Mit einem vollen Tank und entsprechendem Akkupaket schafft der Bentley Continental GT Hybrid im Normzyklus über 850 Kilometer – das kann sich für lange Strecken hören lassen. Die Werte für das ebenfalls verfügbare Cabriolet mit einem Gewicht von mehr als 2,6 Tonnen sind etwas schlechter und insbesondere ist hier bei 285 km/h Schluss mit dem Vortrieb. Anfang nächsten Jahres soll im Stammwerk im britischen Crewe das 100.000ste Exemplar gefertigt werden. Da kommt die vierte Generation mit Hybridantrieb und acht Zylindern gerade Recht.

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Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff ist seit frühester Kindheit ausgemachter Autofan. Die Begeisterung für den Journalismus kam etwas später, ist mittlerweile aber genau so tief verwurzelt. Nach Jahren des freien Journalismus gründete der Jurist 1994 das Pressebüro press-inform und 1998 die Beratungsfirma press-inform consult.

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