– Werbung –
Manche Orte erreicht man nicht, man arbeitet sich zu ihnen hoch. Das Eggental ist so einer. Von Bozen aus geht es rund 25 Kilometer ins Gebirge, erst durch Apfelplantagen und Weinberge, dann steiler, durch Wald, der die Sicht nimmt. Und dann, oben auf dem Hochplateau von Deutschnofen, öffnet sich der Blick mit einem Mal: Latemar, Schlern und Rosengarten stehen nebeneinander am Horizont, drei Massive des Dolomiten-UNESCO-Welterbes. Wer einmal hier war, versteht, warum Menschen für diesen Ausblick wiederkommen. Ist übrigens bei mir selbst auch der Fall.
Auf rund 1375 Metern, mitten in dieser Landschaft, steht das Naturhotel Pfösl. Der Hof befindet sich seit 1510 an diesem Platz. 1950 wurde daraus eine kleine Gastwirtschaft, und über drei Generationen ist das gewachsen, was heute hier steht: 62 Zimmer und Suiten, rund 2000 Quadratmeter Wellnessbereich mit naturaspa, Infinity Pool und acht Saunen, dazu 35 Hektar eigene Landwirtschaft rund ums Haus. Daniel Mahlknecht, Teil der Geschäftsführung, erzählt diese Geschichte beim Begrüßungsabend so beiläufig, als wäre sie das Selbstverständlichste der Welt – und genau so wirkt sie hier auch.
Wir sind mit dem Xpeng G9 angereist, rund 650 Kilometer, ein einziger Ladestopp unterwegs. Dass es dabei blieb, lag auch am Ziel: Das Pfösl hält Lademöglichkeiten bereit, abgerechnet zu 0,55 Euro pro kWh direkt über die Zimmerrechnung. Über den Preis lässt sich streiten, im Zweifel lädt man unterwegs noch einmal nach – aber die Ankunft mit niedrigem Akkustand ist hier kein Problem. Wer ohne Auto kommt, ist ebenso gut versorgt: Der hoteleigene Shuttleservice holt Gäste vom Bahnhof, und mit dem Guestpass Eggental lassen sich während des gesamten Aufenthalts sämtliche öffentlichen Verkehrsmittel in Südtirol kostenlos nutzen.
Der Mensch macht den Unterschied
Was das Pfösl von vielen Häusern seiner Kategorie unterscheidet, hat am Ende weniger mit dem Gebäude zu tun als mit den Menschen, die es führen. Eva Zelger, ebenfalls in der Geschäftsführung, ist hier aufgewachsen – das Pfösl ist für sie weniger Betrieb als Herkunft. Sie hat das Aktivprogramm und das Yoga-Angebot aufgebaut und ist über den Tag verteilt im Haus präsent, im Gespräch mit Gästen, ohne dass es nach Pflichttermin aussieht.

Ihre Schwester Brigitte Zelger, die dritte in der Geschäftsführung, ist diejenige mit den Händen in der Erde. Sie führt die drei Kräutergärten rund ums Hotel – „Brot & Salz“, „Rauch & Segen“, „Speis & Trank“ –, in denen über 50 verschiedene Heil- und Gartenkräuter wachsen, leitet den Brotbackkurs am Donnerstag und nimmt Gäste mit auf Wanderungen, bis hinauf zum Sonnenaufgang auf dem Maithorn. Was sie über diese Landschaft weiß, hat sie sich nicht angelesen, sie ist damit groß geworden.
Daniel, Evas Mann, kam über sie zum Pfösl. Lange ging er einen eigenen beruflichen Weg, heute ist er der Gastgeber, der beim Begrüßungsabend die Geschichte des Hauses erzählt, die Weinverkostungen moderiert und im Hintergrund dafür sorgt, dass die Dinge laufen. Auch die nächste Generation ist schon da, im Haus aktiv, und man merkt dem Haus an, dass hier niemand nur eine Position besetzt.

Dieser Eindruck setzt sich beim Team fort. Beim Begrüßungsabend werden die anwesenden Mitarbeiter:innen namentlich vorgestellt – Serviceleitung, Rezeption, Küche. In diesem Rahmen ist das mehr als eine Geste, es ist ein Hinweis darauf, wie hier über die eigenen Leute gedacht wird. Die Freundlichkeit, die einem über den Aufenthalt begegnet, wirkt nicht antrainiert, sondern als käme sie von selbst. Brigitte erklärt zu einem späteren Zeitpunkt gegenüber Elektroauto-News, warum das aus ihrer Sicht kein Zufall ist: „Nicht nur das Geld, nicht nur die Entlohnung spielen eine große Rolle in der Arbeitsplatzwahl, sondern auch Werte, die dahinter stehen. Und da punkten wir bei jungen Leuten sehr stark.“
Ein Zimmer, dass die Ansätze des Hotel Pfösl widerspiegelt
Untergebracht waren wir in der Alpina Zirbe aria, einer 40 Quadratmeter großen Suite im Stammhaus. Das Erste, was auffällt, ist nicht die Aussicht, sondern der Geruch: heimische Zirbe, die den Raum ohne Zutun ruhig macht. Die Einrichtung ist auf das Wesentliche reduziert. Klare Linien, viel Holz, Stoffe, die auf Beständigkeit statt auf Effekt ausgelegt sind, kein dekorativer Alpinkitsch.



Das Schlafsystem von Simmons Natural Heritage ist handgefertigt aus natürlicher Baumwolle und mit reiner Schafwolle vom Villnösser Brillenschaf aus Südtirol gefüllt – Materialien, deren Herkunft man benennen kann. Definitiv eine Umgewöhnung zum heimischen Bett, aber vor allem eins, angenehm und man kann nach der Nacht entspannt in den nächsten Tag starten.



Auch das Bad folgt diesem Prinzip. Shampoo, Body Wash und Hand Wash stehen in fester Form bereit, unverpackt, handgefertigt in Südtirol. Kein Plastik, keine Mehrzweckflasche aus dem Großhandel. Vom Panoramabalkon geht der Blick auf die Berge, am Morgen liegt die erste Sonne auf dem Latemar. Was im Zimmer ist, hat einen Grund. Was nicht da ist, wurde bewusst weggelassen. So erklärt sich das Konzept des Hauses, bevor man im Gespräch ein Wort darüber verloren hat.
CO₂-Ausstoß: Was gemessen wird, lässt sich verändern
Den CO₂-Ausstoß erfassen sie im Pfösl seit Januar 2021, gemeinsam mit allen Vitalpina Hotels Südtirol. Der Ausgangswert lag bei rund 29 Kilogramm CO₂ pro Gästenächtigung. Laut Hotelangaben steht er heute bei knapp 15 Kilogramm, also etwa der Hälfte. Was den entscheidenden Hebel ausmachte, war zunächst eine unbequeme Erkenntnis. Brigitte erinnert sich im Gespräch: „Seit wir eigentlich den CO₂-Ausstoß messen ist uns erst bewusst geworden, wie viel CO₂ wir ausstoßen beim ganzen Thema Lebensmittel. Das ist in der Gastronomie, Hotellerie fast 50 Prozent des Ausstoßes.“

Die Antwort darauf war keine Kampagne, sondern eine strukturelle Verschiebung: die Lieferkette so weit wie möglich in die Region holen, direkte Kooperationen mit Höfen aufbauen, mehr selbst produzieren. Auf dem hoteleigenen Acker wächst seit über fünf Jahren die Waldstaude, eine alte, fast vergessene Roggengetreidesorte, die auf dieser Höhe gedeiht und an jedem Donnerstag in den dortigen Brotbackkurs fließt.


Aus dem Permakulturgarten beliefert Nachbar Michael Pfeifer vom Eisathhof das Haus täglich mit alten Gemüsesorten und Raritäten, die im konventionellen Handel kaum noch auftauchen. Und seit 2022 ist das Pfösl Teil des Projekts „Eggental taste local“, bei dem zwölf Bauern aus dem Tal rund 30 Hotel- und Gastronomiebetriebe direkt beliefern. Brigitte beschreibt, was über die Jahre daraus geworden ist: „Wir haben uns ein riesiges Netzwerk aufgebaut, auch im Vertrauen zu den Menschen, wo wir wissen, wie sie ihre Produkte anbauen, verarbeiten und dann auch zu uns bringen.“


Wie tief diese Einstellung sitzt, zeigt eine kleine Geschichte aus der Küche. Früher standen üppige Salatbuffets bereit. Nach der Umstellung auf servierte Salatbowls – als ein Teil des täglichen fünf Gänge Menüs – kam der Hausmeister nach drei Wochen zur Familie und meldete, dass der Biomüll auf 30 Prozent des früheren Volumens gesunken sei. Für Brigitte ist genau das der Moment, in dem Nachhaltigkeit aufhört, abstrakt zu sein: „Wenn wir so Kleinigkeiten Schritt für Schritt wahrnehmen und merken – dann macht das richtig Spaß, achtsamer und verantwortungsbewusster umzugehen.“
Geschmack beginnt beim Bauern nebenan
Dieser Anspruch endet nicht beim Einkauf, in der Küche wird er sichtbar. Chefkoch Reinhard Daverda rückt pflanzenbasierte Gerichte in den Vordergrund und setzt Fleisch bewusst ein, wo möglich in Bioqualität – nicht als Verzicht inszeniert, sondern als andere Gewichtung. Was an Resten anfällt, wird weiterverarbeitet, zu Garum, Koji und Miso, statt im Abfall zu landen.

Die Produzenten hinter den Gerichten bleiben keine Unbekannte für den Gast: Der Käse kommt von der Käserei Catinaccio, die Mozzarella von der Manufaktur Amö aus dem Eggental, der Wein von Weingütern aus der Region wie dem Bergmannhof oder dem Weingut Romen. Brigitte bringt den Unterschied auf den Punkt: „Man riecht es einfach im Teller, man schmeckt es in der Qualität. Es ist was anderes, wenn ich eine schöne Schüssel Salat präsentiert kriege und ich weiß, die kommt vom Bauer nebenan.“

Das Frühstück folgt demselben Gedanken. Die Eier kommen als Freilandware vom Badstuberhof in Deutschnofen, dazu hausgemachte Brioches, warme Basenbrühe, Buchweizenmüsli. Wer wissen will, woher etwas stammt, fragt und bekommt eine Antwort statt einer Ausweichbewegung. Auch die Naturabar reiht sich ein: Sie serviert ausschließlich Getränke ohne Farb- und Konservierungsstoffe, darunter eine ungewöhnlich umfangreiche Auswahl alkoholfreier Kreationen. Der rote Faden – so wenig Fremdstoff wie möglich, so viel Eigenes wie möglich – zieht sich vom Zimmer bis ins Glas.
Wärme aus dem Tal, Strom vom Dach
Hinter dem, was Gäste schmecken und sehen, liegt eine Infrastruktur, die demselben Prinzip folgt. Die gesamte Wärmeversorgung des Hauses – Heizung, Warmwasser, Pool und Wellness – kommt seit 30 Jahren von einem nahegelegenen Holzverarbeitungsbetrieb mit Biomasseheizwerk. Was die eigene Photovoltaikanlage mit 75 kWp nicht abdeckt, bezieht das Pfösl als Grünstrom aus Südtiroler Wasserkraft über den regionalen Anbieter Alperia. Eine digitale Gebäudesteuerung überwacht die Temperaturen in Echtzeit und meldet Abweichungen automatisch. Der hydraulische Abgleich der Heizungsanlage, in einer Zwischensaison umgesetzt, soll nach Hotelangaben rund 15 Prozent Energie einsparen.

Beim Wasser zieht sich der gleiche Ansatz durch. Wasserspararmaturen in allen Zimmern sollen bis zu 40 Prozent weniger Verbrauch ermöglichen, ohne dass man es unter der Dusche merkt – und tatsächlich fällt im Alltag kein Unterschied auf. Der Pool wird mit Salzlösung statt Chlor desinfiziert. Das Trinkwasser kommt als gefiltertes Bergquellwasser unter dem Namen Aquaenatura aus der Region, still oder mit Sprudel, und von jeder verkauften Flasche fließt ein Anteil in ein Klimaschutzprojekt für sauberes Trinkwasser in Uganda.



Zertifikate als Wegmarken, nicht als Ziel
All das mündet in eine Reihe von Zertifizierungen, die das Pfösl heute trägt: das EU-Ecolabel seit 2013, die GSTC-Zertifizierung, das Nachhaltigkeitslabel Südtirol auf Level 3 – der höchsten Stufe, die dem GSTC-Standard gleichgesetzt ist – sowie das Audit familieundberuf. Gerade Letzteres ist im Gastgewerbe, das strukturell mit langen Arbeitszeiten und hoher Fluktuation kämpft, alles andere als selbstverständlich. Die seit zwei Jahren eingeführte Fünf-Tage-Woche für das Team ist eine direkte Folge dieser Haltung. 2022 kam der Sustainability Award der Fachmesse Hotel Bozen hinzu, in der Kategorie „Sustainable Pioneers“.

Bemerkenswert ist, wie wenig Aufhebens Brigitte darum macht. Eine Zertifizierung sei für das Hotel keine Auszeichnung und kein erreichtes Ziel, sagt sie im Gespräch, sondern „jedes Mal wieder eigentlich so eine Kreuzung auf einer langen Straße.“ Das ist die Art, wie jemand über einen Prozess spricht, der weiß, dass es keinen Endpunkt gibt, an dem man fertig wäre.
Ein Ort zum Verweilen mit grünem Gewissen
Am Ende fügt sich im Pfösl etwas zusammen, das anderswo oft auseinanderläuft. Wer mit dem E-Auto anreist, lädt hier mit Strom, der zu einem guten Teil vom eigenen Dach und ansonsten aus Südtiroler Wasserkraft kommt – die Energie für die letzten Kilometer stammt also aus derselben Quelle, die das Haus heizt und das Wasser erwärmt. Das ist kein Zufall, sondern die logische Fortsetzung einer Einstellung, die beim Lebensmitteleinkauf anfängt und an der Wallbox nicht aufhört.

Damit zeigt das Pfösl etwas, das über das einzelne Haus hinausweist: Elektrisches Reisen entfaltet seinen Sinn dort, wo am Ziel dieselben Maßstäbe gelten wie auf der Strecke. Ein E-Auto, das an einem mit fossilen Energien betriebenen Hotel lädt, verschiebt das Problem nur. Eines, das an einem Haus wie diesem ankommt, schließt einen Kreis. Ob der Ladepreis von 0,55 Euro pro kWh dabei der attraktivste ist, sei dahingestellt – die Richtung stimmt.
Quelle: Elektroauto-News – Recherche vor Ort im Mai 2026 / Vitalpina – Webseite abgerufen im Mai 2026 / Hotel Pfösl – Unsere Vision, Unsere Werte









Wird geladen...