BBNM: Politik muss sich auf das Realistische besinnen

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Michael Neißendorfer
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  —  Lesedauer 3 min

Der Bundesverband Beratung neue Mobilität e.V. (BBNM) fordert von der Politik ein klares Bekenntnis zur Elektromobilität als Besinnung auf das realistisch Machbare. „Viele Stimmen fabulieren aktuell von einem möglichen Erhalt des Verbrennungsmotors mithilfe von Biokraftstoffen oder E-Fuels. Das verunsichert die Verbraucher immens und schürt Hoffnungen, von denen wir heute schon wissen, dass sie sich nicht erfüllen können“, sagte die geschäftsführende BBNM-Vorständin Lisa Bohm in Paderborn am Rande der Jahreshauptversammlung ein Jahr nach Verbandsgründung.

Dass sich Elektroautos aktuell vor allem in Deutschland schlecht verkaufen und der Hochlauf ins Stocken geraten ist, mag zum Teil an Versäumnissen der Hersteller liegen, stellt der Verbandsvorstand fest. „Zum ganz großen Teil ist die aktuelle Stimmungslage aber einem politisch motivierten Populismus geschuldet, der mit den Ängsten von Autofahrern spielt – und somit auch die deutsche Automobilindustrie massiv gefährdet“, kritisiert der Verband.

Viele Vorurteile gegenüber der Elektromobilität seien längst überholt. Und die tatsächlich aktuell mitunter noch bestehenden Herausforderungen wie die Kapazitäten des Stromnetzes seien allesamt zu bewältigen. „Wenn wir bidirektionales Laden etablieren, dann sind Elektroautos am Ende sogar die Lösung für die Netzstabilität statt eines Problems“, ist der BBNM überzeugt.

Kritisch sieht der BBNM indes aktuelle Forderungen nach einer neuen Förderung für Elektroautos im Stile einer Abwrackprämie. „Zwar lassen sich manche Verbraucher damit ködern, doch umwelttechnisch ist dies kompletter Blödsinn“, sagt Andreas Varesi, geschäftsführender Vorstand des BBNM. Sinnvolle politische Maßnahmen könnten hingegen ein Sozialleasing für einkommensschwache Verbraucher ähnlich wie in Frankreich oder stärkere finanzielle Anreize zugunsten von Elektroautos wie in Norwegen sein.

Für das zweite Jahr seines Bestehens hat sich der BBNM erneut viel vorgenommen. „Als neutrale Instanz wollen wir uns politisch und gesellschaftlich noch stärker einbringen, wie sich die Transformation der Mobilität und Energiewende gemeinsam sinnvoll gestalten lassen“, schreibt der BBNM. Zudem will sich der Verband weiter dafür einsetzen, dass bei den Angeboten für das öffentliche Laden eine höhere Transparenz herrscht – und das nicht nur hinsichtlich der Preise. Unter anderem hatte der BBNM dafür bereits Piktogramme für die einheitliche Ausweisung von Ladeparks erarbeitet.

Intensiv von den Mitgliedern diskutiert wurden unter anderem die Sinnhaftigkeit von Blockiergebühren an Ladestationen sowie die Zukunft des netzdienlichen bidirektionalen Ladens.Unser Netzwerk ist fachlich breit aufgestellt, und unsere Mitglieder profitieren alle vom Schwarmwissen“, schreibt der BBNM. Verfolgt man die politischen Diskussionen, könne man den Eindruck gewinnen, dass Entscheidungsträgern ein solch umfassender Überblick oft fehlt. „Ohne vermessen sein zu wollen, würde es auch künftigen Autogipfeln in Berlin sicherlich gut tun, Experten wie aus dem BBNM mit in die Diskussionsrunde von Herstellern und Zulieferern aufzunehmen“, stellt der Vorstand fest.

Quelle: BBNM – Pressemitteilung vom 30.09.2024

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Wolfbrecht Gösebert:

„Der deutsche Michel stellt phantastische Elektroautos her, die er selber nicht kauft.“

«Seufffz», eine solche Meinung kann man *vielleicht* aus einer Position „finanzieller Überheblichkeit“ vertreten, wenn man aber die ZAHL der zugelassenen Verbrennerfahrzeuge ansieht, die vom jeweiligen Käufer für Beträge von etwa 5.000–20.000 EUR (teils eben gebraucht) gekauft wurden und aktuell eben auch in Stückzahlen gefahren werden, DANN gibt es für diesen Preis praktisch KAUM ein zahlenmäßig *entsprechendes* Angebot an SOLCHEN eAutos, die »der deutsche Michel« (wie Du formulierst …) auch „selber“ hergestellt hat!

„… es kann mit Kreditkarte, App oder Ladekarte bezahlt werden. So funktioniert Elektromobilität, alles andere ist Jammerei.“

Jaja, solche »Jammerei« kenne ich natürlich – da ich seit 2012 schon elektrisch fahren konnte (seit 2014 mit eigenem eAuto) – zur Genüge, nur sind die meisten Ladestrom-Preise (übrigens ganz egal, WIE bequem ich sie bezahle!) in der letzten Zeit einfach ZU hoch geworden, WENN man nicht am eigenen Netzanschluß (oder gar selbst solar) laden kann! Das aber ist gerade für Bezieher geringerer Einkommen resp. bei (groß-)urbanen Wohnbereichen ja eher oft NICHT der Fall … ich selber jammere hier über Kauf- oder Lade-Preise aber eher nicht :)

Zur Meinung des BBNM: „Sinnvolle politische Maßnahmen könnten hingegen ein Sozialleasing für einkommensschwache Verbraucher ähnlich wie in Frankreich“ dagegen meine volle Zustimmung, da das – GANZ anders als Kaufprämien – die Kaufpreise selbst nicht nach oben treibt …

Matze:

Ein hervorragender Artikel! Volle Zustimmung!

Peter Bigge von Berlin:

Ja, es könnte gleich auf einen Punkt gebracht werden:
Der deutsche Michel stellt phantastische Elektroautos her, die er selber nicht kauft.
Politische und Hersteller-Konferenzen sollten in Dänemark abgehalten werden, und alle Beteiligten müssten mit einem E-Auto dahin anreisen.
Dann wüssten alle Beteiligten, Elektromobilität funktioniert ganz einfach.
Im Gegensatz zu Deutschland funktioniert dort Elektromobilität seit Jahren immer besser, und, die fahren dort sogar IDs von VW.
Ladestationen sehr gut verteilt, sogar Schnelllader im Nirgendwo, und bis auf vereinzelt von deutschen Verbrenner-Fahrern blockierte Ladestationen, gibt es keine Ladeprobleme. Stationen sind sehr zahlreich, es kann mit Kreditkarte, App oder Ladekarte bezahlt werden.
So funktioniert Elektromobilität, alles andere ist Jammerei.
Deutschland will die große technologieoffene Vorzeigenation sein, kaufen nicht ihre eigenen Produkte, wollen aber, das Chinesen Verbrenner kaufen.
Und so weiter, usw.. Bitte aufwachen, bevor die Protestwähler und Querdenker den Rest platt machen, oder die Ladestationen blockieren.

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