Batterieforschung und Industriehochlauf: PEM ist „vorsichtig optimistisch“

Batterieforschung und Industriehochlauf: PEM ist „vorsichtig optimistisch“
Copyright:

Professor Achim Kampker (links) und Professor Heiner Heimes / PEM RWTH Aachen, Projektelf

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Der Lehrstuhl Production Engineering of E-Mobility Components (PEM) der RWTH Aachen blickt mittelfristig mit Zuversicht auf die Entwicklung der Batterieforschung in Deutschland und die Batterieproduktion in Europa. Der Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung gebe Anlass zu „vorsichtigem Optimismus“, sagt PEM-Leiter Professor Achim Kampker in einer aktuellen Mitteilung der Hochschule.

Unterdessen entwickele sich trotz der Insolvenz des schwedischen Herstellers Northvolt auch die europäische Batterie-Industrie in eine positive Richtung. „Aktuellen Projektankündigungen zufolge steigert sich die Produktionskapazität der Batteriezellenhersteller um das 54-Fache von 25 Gigawattstunden aus dem Jahr 2020 auf mehr als 1400 Gigawattstunden bis zum Ende des Jahrzehnts“, betont PEM-Leitungsmitglied Professor Heiner Heimes. Bis 2030 werde ein globaler Bedarf von etwa 4,6 Terawattstunden erwartet.

Während Asien – und China im Speziellen – nach wie vor den Weltmarkt der Batterieproduktion für Elektroautos dominiert, sei die Branche in Europa bemüht, das Fehlen eigener Rohstoffe und den verspäteten Markteintritt durch andere Potenziale bestmöglich auszugleichen, die vor allem in der Etablierung innovativer Produkte und Produktionsprozesse sowie in effizienten Recycling-Verfahren liegen.

„Worauf es jetzt ankommt, ist ein schneller Transfer von Neuerungen aus der Wissenschaft und aus der Forschung und Entwicklung in die industrielle Praxis und eine Wiederbelebung der staatlich geförderten Batterieforschung“, sagt Kampker. Nach der im vergangenen Jahr noch vollständig gestrichenen Mittel, heißt es nun im neuen Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD, man werde „den Aufbau der Batteriezellfertigung inklusive der Rohstoffgewinnung, des Recyclings sowie des Maschinen- und Anlagenbaus“ ebenso wie die Batterieforschung fördern. „Es scheint, als habe man die umfassende Bedeutung erkannt. Das stimmt uns vorsichtig optimistisch“, sagt Kampker.

Northvolt-Pleite „ist nicht das Ende für die Batterieproduktion in Europa“

Die europäische Batterie-Industrie habe mit der von Northvolt in Schweden angemeldeten Insolvenz zwar einen Dämpfer erhalten, befinde sich aber insgesamt immer noch auf einem guten Weg. „Northvolt ist als einer der großen Vorreiter zum Synonym der europäischen Wettbewerbsfähigkeit geworden“, sagt Heimes, „aber das ist nicht das Ende für die Batterieproduktion in Europa.“ Zahlreiche weitere Unternehmen hätten umfangreiche Projekte angekündigt, das Northvolt-Vorhaben in Deutschland sei von der Insolvenz bis dato unberührt.

Ungarn mit 215, Frankreich mit 198, Spanien mit 170, Großbritannien mit 135 und Deutschland mit 127 Gigawattstunden Jahresproduktion zählen einer Analyse des Lehrstuhls zufolge im Jahr 2030 zu den Standorten mit den weltweit größten Gigafabrik-Projekten. „Der Erfolg ist letztlich von der Fähigkeit zur Marktanpassung, der Ressourcenverfügbarkeit und der Innovationskraft abhängig“, sagt Heimes.

Da der Auf- und Ausbau von Anlagen zum Akku-Recycling im industriellen Maßstab derzeit weit hinter dem bevorstehenden Produktionshochlauf neuer Batteriezellenfabriken zurückliege, sollen ab 2030 Deutschland, Großbritannien und Belgien mit jährlich mehr als 350.000, rund 117.000 und 127.000 Tonnen verarbeiteter Batteriematerialien die führenden Standorte auf dem europäischen Markt für Batterie-Recycling sein.

Quelle: RWTH Aachen – Pressemitteilung vom 14.05.2025

worthy pixel img
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Batterieentwicklung

BYD präsentiert neue, schnellladende Blade-Batterie

BYD präsentiert neue, schnellladende Blade-Batterie

Maria Glaser  —  

BYD hat die zweite Generation seiner Blade-Batterie vorgestellt, die sich durch eine schnellere Ladegeschwindigkeit auszeichnet.

Lyten finalisiert Northvolt-Übernahme in Schweden, Heide soll folgen

Lyten finalisiert Northvolt-Übernahme in Schweden, Heide soll folgen

Michael Neißendorfer  —  

Lyten hat die Übernahme der Northvolt-Standorte in Schweden abgeschlossen. Nun soll das geplante Werk in Heide in Schleswig-Holstein folgen.

BMW und CATL vertiefen Batterie-Partnerschaft

BMW und CATL vertiefen Batterie-Partnerschaft

Michael Neißendorfer  —  

CATL und BMW verbindet bereits seit 2012 eine strategische Partnerschaft, die Batterieproduktion, Forschung und Entwicklung sowie Lieferketten umfasst.

Finnischer Wunder-Akku: Donut-Lab ringt um Glaubwürdigkeit

Finnischer Wunder-Akku: Donut-Lab ringt um Glaubwürdigkeit

Daniel Krenzer  —  

Donut Lab legt erste Prüfdaten zur umstrittenen Feststoffbatterie vor. Der Report bestätigt die Schnellladefähigkeit – doch zentrale Fragen bleiben offen.

Wenn die Garantie endet: Was bei E-Auto-Akkus möglich ist

Wenn die Garantie endet: Was bei E-Auto-Akkus möglich ist

Sebastian Henßler  —  

Module tauschen statt Batterie ersetzen: Daniel Herzig spricht über Sicherheit, Ersatzteile und warum Reparieren oft technisch sinnvoller ist als Neukauf.

ACC: CEO Vincent fordert strategische Investitionen

ACC: CEO Vincent fordert strategische Investitionen

Maria Glaser  —  

Der CEO des französischen Unternehmens, Yann Vincent, veröffentlichte einen Appell für eine starke, europäische Batterieproduktion.

ACC: 600 Mio. Euro Förderung, aber keine Gigafactory

ACC: 600 Mio. Euro Förderung, aber keine Gigafactory

Sebastian Henßler  —  

ACC stoppt das Batteriewerk in Kaiserslautern. 2000 Jobs und bis zu 40 Gigawattstunden Kapazität entfallen. 600 Mio. Euro Förderung stehen weiterhin im Raum.