Northvolt Germany nicht von schwedischer Insolvenz betroffen

Northvolt Germany nicht von schwedischer Insolvenz betroffen
Copyright:

Peter Lundgren / Shutterstock.com

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 2 min

Northvolt Germany wurde heute darüber informiert, dass die Muttergesellschaft Northvolt AB in Stockholm Insolvenz nach schwedischem Recht beantragt hat. Intensive Verhandlungen mit Investoren blieben ergebnislos, da die angespannte Finanzlage eine rechtzeitige Einigung verhinderte. Die Northvolt Drei Project GmbH sei als eigenständige Gesellschaft nicht betroffen und stehe in Kontakt mit dem schwedischen Insolvenzverwalter, wie ein Sprecher gegenüber Elektroauto-News erklärte. Der Betrieb in Deutschland werde fortgesetzt. Northvolt Germany habe Bund und Länder informiert und halte den Austausch mit allen Beteiligten aufrecht.

Das schwedische Unternehmen kämpfte in den vergangenen Monaten mit steigenden Kapitalkosten, geopolitischer Unsicherheit und Lieferkettenproblemen. Gleichzeitig veränderte sich die Marktnachfrage, was die wirtschaftliche Situation weiter verschärfte. Interne Schwierigkeiten beim Hochfahren der Produktion in Skellefteå kamen hinzu. Trotz zahlreicher Maßnahmen, darunter eine Umstrukturierung in den USA, gelang es nicht, eine nachhaltige Finanzierung zu sichern. Der Verwaltungsrat sah sich daher gezwungen, Insolvenz anzumelden, während weiter nach Lösungen gesucht wird.

Eine vom schwedischen Gericht bestellte Insolvenzverwaltung übernimmt nun die Kontrolle. Sie wird sich um den Verkauf von Unternehmensteilen und Vermögenswerten sowie die Regelung offener Forderungen kümmern. Mikael Kubu wurde als Insolvenzverwalter benannt. Die Insolvenz betrifft Northvolt AB und mehrere Tochterfirmen in Schweden, jedoch nicht Northvolt Germany und Northvolt North America. Über die Zukunft dieser Standorte entscheidet die Insolvenzverwaltung in Absprache mit den Gläubigern.

Die Insolvenz hat weitreichende Folgen für Mitarbeiter:innen, Zulieferer und Kunden. Das Unternehmen arbeitet mit Behörden, Gewerkschaften und Partnern zusammen, um Unterstützung bereitzustellen. Tom Johnstone, interimistischer Vorsitzender des Verwaltungsrats, betonte die Schwierigkeiten der Entscheidung. Northvolt habe eine wegweisende Rolle im europäischen Batterie- und Elektromarkt gespielt und wichtige Fortschritte erzielt. Allein in den vergangenen Monaten verdoppelte sich die Zellproduktion in Skellefteå, während die Produktionsausbeute um 50 Prozent stieg.

Northvolt setzte auf nachhaltige Produktion und lieferte in Europa bereits eine Million Batteriezellen, hergestellt mit 100 Prozent fossilfreier Energie. Diese technologischen Errungenschaften basieren auf Entwicklungen im hauseigenen Forschungszentrum in Schweden. Johnstone sieht weiterhin die Notwendigkeit einer europäischen Batterieindustrie, betont jedoch, dass ein langfristiges Engagement aller Beteiligten erforderlich sei.

Trotz der finanziellen Krise fand Northvolt in den vergangenen Monaten großes Interesse bei Investoren. Während des Insolvenzverfahrens hofft das Unternehmen, durch fortgesetzte Verhandlungen eine tragfähige Finanzierung zu sichern. Die Insolvenzverwaltung entscheidet über die weitere Nutzung der Produktionsanlagen und Technologien. Zukünftige Entwicklungen werden von den verantwortlichen Stellen kommuniziert.

Quelle: Northvolt – Pressemitteilung per Mail

Worthy not set for this post

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Batterieentwicklung

E-Auto-Akkus nach 55.000 Kilometern noch bei 95,5 Prozent

E-Auto-Akkus nach 55.000 Kilometern noch bei 95,5 Prozent

Daniel Krenzer  —  

Eine Ayvens-Auswertung zeigt: Gebrauchte E-Autos haben nach durchschnittlich 55.000 Kilometern noch 95,5 Prozent Batteriekapazität.

Saft startet Produktion von Feststoffbatterien in Frankreich

Saft startet Produktion von Feststoffbatterien in Frankreich

Daniel Krenzer  —  

Batteriehersteller Saft produziert Feststoffbatterien in Frankreich. Die neue Technologie verspricht bis zu 50 Prozent mehr Energiedichte und mehr Sicherheit.

Trotz holprigem Start: ACC fertigt fünf Millionen Zellen

Trotz holprigem Start: ACC fertigt fünf Millionen Zellen

Arun Niemann  —  

ACC erreicht in Douvrin einen wichtigen Produktionsmeilenstein. Doch Lieferengpässe und gestrichene Werke zeigen, dass der Hochlauf weiter schwierig bleibt.

So selten sind Batterieschäden bei gebrauchten E-Autos

So selten sind Batterieschäden bei gebrauchten E-Autos

Daniel Krenzer  —  

Eine Analyse der Akkus von rund 10.000 gebrauchten E-Autos zeigt: Auffällige Batterie-Zellabweichungen sind äußerst selten.

Moment Energy macht aus alten E-Auto-Akkus Stromspeicher

Moment Energy macht aus alten E-Auto-Akkus Stromspeicher

Arun Niemann  —  

Moment Energy gibt ausgedienten E-Auto-Batterien ein zweites Leben als stationäre Speicher. Mit Fabriken in Kanada und USA will das Start-up skalieren.

GBT: Festkörperbatterie ohne Gigafactory-Neubau

GBT: Festkörperbatterie ohne Gigafactory-Neubau

Sebastian Henßler  —  

Greater Bay Technology fertigt in Guangzhou Festkörperzellen in Serie, und zwar auf einer umgebauten Lithium-Ionen-Linie mit zunächst 1 GWh Kapazität.

Chlor als Helfer: Neue Schwefel-Batterie speichert mehr Energie

Chlor als Helfer: Neue Schwefel-Batterie speichert mehr Energie

Arun Niemann  —  

Forscher konnten die Energiedichte von Lithium-Schwefel-Batterien mit Chlor deutlich steigern. Bis zur Serienreife gibt es aber noch einige Hürden.