Northvolt Germany nicht von schwedischer Insolvenz betroffen

Northvolt Germany nicht von schwedischer Insolvenz betroffen
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Sebastian Henßler
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Northvolt Germany wurde heute darüber informiert, dass die Muttergesellschaft Northvolt AB in Stockholm Insolvenz nach schwedischem Recht beantragt hat. Intensive Verhandlungen mit Investoren blieben ergebnislos, da die angespannte Finanzlage eine rechtzeitige Einigung verhinderte. Die Northvolt Drei Project GmbH sei als eigenständige Gesellschaft nicht betroffen und stehe in Kontakt mit dem schwedischen Insolvenzverwalter, wie ein Sprecher gegenüber Elektroauto-News erklärte. Der Betrieb in Deutschland werde fortgesetzt. Northvolt Germany habe Bund und Länder informiert und halte den Austausch mit allen Beteiligten aufrecht.

Das schwedische Unternehmen kämpfte in den vergangenen Monaten mit steigenden Kapitalkosten, geopolitischer Unsicherheit und Lieferkettenproblemen. Gleichzeitig veränderte sich die Marktnachfrage, was die wirtschaftliche Situation weiter verschärfte. Interne Schwierigkeiten beim Hochfahren der Produktion in Skellefteå kamen hinzu. Trotz zahlreicher Maßnahmen, darunter eine Umstrukturierung in den USA, gelang es nicht, eine nachhaltige Finanzierung zu sichern. Der Verwaltungsrat sah sich daher gezwungen, Insolvenz anzumelden, während weiter nach Lösungen gesucht wird.

Eine vom schwedischen Gericht bestellte Insolvenzverwaltung übernimmt nun die Kontrolle. Sie wird sich um den Verkauf von Unternehmensteilen und Vermögenswerten sowie die Regelung offener Forderungen kümmern. Mikael Kubu wurde als Insolvenzverwalter benannt. Die Insolvenz betrifft Northvolt AB und mehrere Tochterfirmen in Schweden, jedoch nicht Northvolt Germany und Northvolt North America. Über die Zukunft dieser Standorte entscheidet die Insolvenzverwaltung in Absprache mit den Gläubigern.

Die Insolvenz hat weitreichende Folgen für Mitarbeiter:innen, Zulieferer und Kunden. Das Unternehmen arbeitet mit Behörden, Gewerkschaften und Partnern zusammen, um Unterstützung bereitzustellen. Tom Johnstone, interimistischer Vorsitzender des Verwaltungsrats, betonte die Schwierigkeiten der Entscheidung. Northvolt habe eine wegweisende Rolle im europäischen Batterie- und Elektromarkt gespielt und wichtige Fortschritte erzielt. Allein in den vergangenen Monaten verdoppelte sich die Zellproduktion in Skellefteå, während die Produktionsausbeute um 50 Prozent stieg.

Northvolt setzte auf nachhaltige Produktion und lieferte in Europa bereits eine Million Batteriezellen, hergestellt mit 100 Prozent fossilfreier Energie. Diese technologischen Errungenschaften basieren auf Entwicklungen im hauseigenen Forschungszentrum in Schweden. Johnstone sieht weiterhin die Notwendigkeit einer europäischen Batterieindustrie, betont jedoch, dass ein langfristiges Engagement aller Beteiligten erforderlich sei.

Trotz der finanziellen Krise fand Northvolt in den vergangenen Monaten großes Interesse bei Investoren. Während des Insolvenzverfahrens hofft das Unternehmen, durch fortgesetzte Verhandlungen eine tragfähige Finanzierung zu sichern. Die Insolvenzverwaltung entscheidet über die weitere Nutzung der Produktionsanlagen und Technologien. Zukünftige Entwicklungen werden von den verantwortlichen Stellen kommuniziert.

Quelle: Northvolt – Pressemitteilung per Mail

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Sebastian Henßler

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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