VDA: Technologieoffenheit könnte 50.000 Jobs retten

VDA: Technologieoffenheit könnte 50.000 Jobs retten
Copyright:

VDA

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Die deutsche Automobilindustrie steht vor einem beschleunigten Beschäftigungsabbau. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) warnt in einer aktualisierten Prognose, dass bis zum Jahr 2035 rund 225.000 Arbeitsplätze gegenüber dem Referenzjahr 2019 wegfallen könnten – das sind etwa 35.000 mehr als noch im Vorjahr angenommen. Da seit 2019 bereits rund 100.000 Stellen verloren gegangen sind, bedeutet dies konkret: Weitere 125.000 Beschäftigte könnten in den kommenden Jahren ihren Job verlieren.

Der verschärfte Ausblick geht laut VDA nicht allein auf den strukturellen Wandel zur Elektromobilität zurück, der wegen geringerer Fertigungskomplexität grundsätzlich mit einem Rückgang in der Zulieferindustrie verbunden ist. Hinzu kommt ein neues Muster: Arbeitsplätze, die im Zuge der Transformation entstehen, werden zunehmend im Ausland aufgebaut. Deutschland verliere seine Attraktivität als Investitionsstandort – wegen hoher Energiekosten, Lohnkosten, Steuern und bürokratischer Belastungen.

VDA sieht Standortkrise als eigenständiger Treiber

VDA-Präsidentin Hildegard Müller formuliert es direkt: „Die Bedingungen für die Produktion am Standort Deutschland verschlechtern sich zusehends.“ Unternehmen müssten sich aus wirtschaftlichen Gründen täglich zu oft gegen den Standort entscheiden, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Folgen seien nicht nur ökonomischer Natur: „Das Abwandern von Investitionen und Beschäftigung wird nicht ohne Konsequenzen für den Wohlstand unseres Landes und für dessen gesellschaftliche und politische Stabilität bleiben.“

Der Verband sieht in der geltenden EU-CO2-Flottenregulierung einen wesentlichen Hebel. Ab 2035 dürfen nach aktueller Rechtslage nur noch batterieelektrische Fahrzeuge und solche mit Brennstoffzelle neu zugelassen werden. Der VDA rechnet vor, dass ein höherer Anteil von Plug-in-Hybriden, Range Extendern und Verbrennern – auch mit erneuerbaren Kraftstoffen – den Beschäftigungsrückgang spürbar dämpfen könnte. In einem solchen Szenario wären bis 2035 nur rund 75.000 Stellen betroffen statt 225.000. Rund 50.000 Arbeitsplätze am Standort Deutschland ließen sich so erhalten.

Technologieoffenheit als Kernforderung

Die Forderung des VDA ist klar: echte Technologieoffenheit, nicht als Lippenbekenntnis, sondern in der Regulierungspraxis verankert. Müller kritisiert, dass die bisherigen Vorschläge der EU-Kommission unzureichend seien: „Statt einer Kurskorrektur, statt des notwendig flexibleren Weges, setzt man auf weitere Regulierung – und verändert damit nichts.“ Der Blick auf andere Automobilmärkte – China, USA, Indien, Kanada – zeige, dass kein anderer relevanter Markt aus Antriebstechnologien aussteige, die gleichzeitig Klimaschutz und Beschäftigung sichern könnten.

Positiv bewertet der VDA, dass sich die Bundesregierung auf eine gemeinsame Position zum sogenannten EU Automotive Package verständigt hat, die Plug-in-Hybride, Range Extender und Verbrenner mit erneuerbaren Kraftstoffen einschließt. Nun komme es darauf an, dass Deutschland diese Position in Brüssel mit einer starken, geeinten Stimme vertreten.

Für Europäisches Parlament und Mitgliedstaaten hält Müller fest: Bei den anstehenden Verhandlungen seien Flexibilisierungen zwingend notwendig. Klimaschutz müsse als Wachstumsmodell verstanden werden – „nur so kann Klimaschutz breite Akzeptanz erfahren und erfolgreich sein.“

Quelle: VDA – Rückgang von Arbeitsplätzen in der Automobilindustrie droht größer auszufallen als bisher angenommen

Worthy not set for this post

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

LFP-Akkus: China hält mehr als die Hälfte der Patente

LFP-Akkus: China hält mehr als die Hälfte der Patente

Sebastian Henßler  —  

Mehr als die Hälfte aller LFP-Patente stammt aus China. Europa kommt 2024 auf knapp sieben Prozent, obwohl die Grundlagen in den USA und Kanada entstanden.

Neue OECD-Studie: Autojobs verlagern sich nach Mittel- und Osteuropa

Neue OECD-Studie: Autojobs verlagern sich nach Mittel- und Osteuropa

Arun Niemann  —  

Eine neue OECD-Studie zeigt, wie Elektrifizierung, Digitalisierung und die Konkurrenz aus China Europas Autojobs verändern.

Wo Europas Autoindustrie 3 Milliarden Euro liegen lässt

Wo Europas Autoindustrie 3 Milliarden Euro liegen lässt

Michael Neißendorfer  —  

Die Krise von Europas Automobilindustrie ist nicht nur eine Folge schwacher Nachfrage, chinesischer Konkurrenz oder des Übergangs zur Elektromobilität.

Berger-Studie rät Autoherstellern zu „radikalen Veränderungen“

Berger-Studie rät Autoherstellern zu „radikalen Veränderungen“

Michael Neißendorfer  —  

Eine Roland-Berger-Studie erwartet einen Rückgang von rund 692.000 auf weniger als 500.000 Beschäftigte in der deutschen Automobilindustrie.

E-Auto-Förderung bald nur noch mit europäischer Batterie?

E-Auto-Förderung bald nur noch mit europäischer Batterie?

Sebastian Henßler  —  

Autobauer wollen mehr Zeit für die Made-in-Europe-Regeln. Die Batteriebranche hält sie dagegen für nötig, um Jobs zu sichern und die Abhängigkeit zu senken.

Deutschlands Batteriepipeline für 2035 hat sich halbiert

Deutschlands Batteriepipeline für 2035 hat sich halbiert

Sebastian Henßler  —  

Ein Viertel der seit 2022 angekündigten Zellkapazität ist gestrichen, Deutschlands Pipeline hat sich halbiert. Trotzdem hält T&E die IAA-Vorgaben für erreichbar.

US-Zölle: Eine Million Jobs hängen am Export in die USA

US-Zölle: Eine Million Jobs hängen am Export in die USA

Sebastian Henßler  —  

Knapp eine Million Arbeitsplätze in Deutschland hängen am Export in die USA. Die Zölle treffen Autobauer, Zulieferer und Mittelstand gleichermaßen hart.