Die Lage in der deutschen Autobranche bleibt angespannt. VW- und Audi-Händler rechnen nicht damit, dass sich die Preise in absehbarer Zeit spürbar entspannen. Vielmehr gehen sie davon aus, dass neue Autos auch 2026 teurer werden. Diese Erwartung speist sich weniger aus einzelnen Faktoren als aus einer Kombination struktureller Belastungen, die den Handel seit Jahren begleiten und zuletzt weiter an Gewicht gewonnen haben.
Nach Einschätzung von Alexander Sauer-Wagner, Vorsitzender des VW– und Audi-Partnerverband, geraten Autohäuser von mehreren Seiten unter Druck. Steigende Zinsen verteuern die Finanzierung, höhere Energiepreise schlagen direkt auf den Betrieb durch, und auch die Personalkosten ziehen weiter an. Hinzu komme eine wachsende Zahl an Dokumentations- und Berichtspflichten. Der Aufwand im Tagesgeschäft nehme zu, ohne dass sich dies in höheren Erträgen widerspiegele. Händler arbeiteten mehr, müssten detaillierter nachweisen und umfangreicher berichten, hätten wirtschaftlich jedoch weniger Spielraum als früher.
Vor diesem Hintergrund fällt der Blick auf das laufende Jahr differenziert aus. Für die Kernmarke Volkswagen sieht Sauer-Wagner den Absatz auf einem stabilen Niveau. Der Marktanteil liege wieder bei rund 20 Prozent, getragen sowohl von Modellen mit Verbrennungsmotor als auch von Elektroautos. Diese Entwicklung wertet der Verband als Zeichen dafür, dass sich die Marke im Volumensegment behaupten kann, trotz eines insgesamt schwierigen Marktumfelds.
Handel: Premiumkunden vergleichen stärker und entscheiden zögerlicher
Anders stellt sich die Situation bei Audi dar. Im Premiumbereich sei eine spürbare Zurückhaltung der Kund:innen zu beobachten. Kaufentscheidungen würden sorgfältiger abgewogen, Vergleiche zwischen Angeboten fielen intensiver aus. Der zunehmende Wettbewerb zwinge Hersteller und Handel dazu, ihre Preisstrukturen genau zu kalkulieren. Nach Einschätzung des Verbandschefs spricht dies eher für weiter steigende Listenpreise, da die Kostenbasis kaum sinkt und Preissenkungen nur begrenzten Spielraum haben.
Gleichzeitig sieht Sauer-Wagner weiterhin Chancen im Bereich der Elektromobilität, auch wenn der Absatz derzeit stark von äußeren Rahmenbedingungen abhängt. Entscheidend sei aus seiner Sicht nicht der offizielle Verkaufspreis, sondern die monatliche Belastung für die Kundschaft. Elektroautos würden heute überwiegend geleast. Sobald die Rate unter dem Niveau eines vergleichbaren Verbrenners liege, lasse sich ein Modell deutlich leichter vermarkten. In dieser Logik sieht der Verbandsvorsitzende für 2026 die Möglichkeit, dass sich die Leasingraten beider Antriebsarten annähern.
Diese Einschätzung knüpft an eine Entwicklung an, die bereits im Markt sichtbar ist. Sinkende Batteriepreise, effizientere Produktionsprozesse und gezieltere Förderinstrumente könnten dazu beitragen, die Gesamtkosten von Elektroautos kalkulierbarer zu machen. Für den Handel eröffnet dies die Chance, Kund:innen stärker über Nutzungskosten statt über Einstiegspreise anzusprechen. Ob sich dieser Ansatz flächendeckend durchsetzt, hängt jedoch auch von politischen Rahmenbedingungen ab.
Unklare politische Signale bremsen Kaufentscheidungen
Die jüngste Lockerung der europäischen Vorgaben zum geplanten Ende des Verbrennungsmotors bewertet Sauer-Wagner dabei ambivalent. Langfristig geht er davon aus, dass sich die Elektromobilität durchsetzen wird. Gleichzeitig sieht er die Gefahr, dass eine weniger klare Linie Entscheidungen verzögert. Fehle ein verlässlicher politischer Rahmen, neigten viele Interessenten dazu, Anschaffungen aufzuschieben. Für den Handel bedeutet das zusätzliche Unsicherheit in einer Phase, in der Planungssicherheit ohnehin knapp ist.
Quelle: ntv – Audi- und VW-Händler rechnen mit Preisanstieg








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