Europäische Batterieproduktion könnte mehr als 60 Prozent CO2 gegenüber China sparen

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Michael Neißendorfer
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Durch eine Verlagerung der Elektrofahrzeuglieferkette aus China an europäische Standorte könnten die bei der Herstellung einer Batterie anfallenden Emissionen um 37 Prozent gesenkt werden. Das zeigt eine aktuelle Analyse von Transport & Environment (T&E). Kommen bei der Herstellung erneuerbare Energien zum Einsatz, steigt das Einsparpotenzial sogar auf mehr als 60 Prozent. Würde die europäische Nachfrage nach Batteriezellen und -komponenten vor Ort gedeckt, könnten zwischen 2024 und 2030 schätzungsweise 133 Millionen Tonnen CO2 vermieden werden. Das entspricht den jährlichen Emissionen Tschechiens.

Ein Blick auf den Status quo macht deutlich: Aktuell könnte Europa weniger als die Hälfte (47 Prozent) der voraussichtlich bis 2030 nachgefragten Lithium-Ionen-Batterien herstellen. Vor einem Jahr lag der Anteil noch bei einem Drittel. Hier haben vor allem die in Reaktion auf den US-amerikanischen Inflation Reduction Act beschlossenen Maßnahmen ihre Wirkung gezeigt. Für die verbleibenden 53 Prozent der angekündigten Produktionskapazitäten bestehe nach wie vor ein mittleres oder hohes Risiko, dass sie verzögert, reduziert oder gestrichen werden, wenn die europäischen Regierungen nicht entschieden gegensteuern.

Batterien und die für ihre Herstellung benötigten Rohstoffe sind das neue Öl. Um die Vorteile für das Klima und die Industrie voll auszuschöpfen, müssen die europäischen Staats- und Regierungschefs gemeinsam und mit klarem Fokus vorgehen“, sagt Sebastian Bock, Geschäftsführer von T&E Deutschland. Strenge Nachhaltigkeitsstandards, wie der CO2-Fußabdruck für Batterien, könnten eine saubere, europäische Produktion ankurbeln, erklärt er: „Entscheidend ist, dass wir die Europäische Investitionsbank und den EU-Batteriefonds besser aufstellen um Investitionen in europäische Gigafabriken unterstützen zu können“.

Europa-batterie-Produktion-CO2
T&E

Seit der letzten T&E-Risikobewertung im vergangenen Jahr haben Frankreich, Deutschland und Ungarn die größten Kapazitätszuwächse vorzuweisen. 2023 hat ACC die Produktion im französischen Pas-de-Calais aufgenommen, während die Fertigstellung der Anlagen von Verkor in Dünkirchen und Northvolt in Schleswig-Holstein auch dank staatlicher Subventionen näher rückt.

Finnland, Großbritannien, Norwegen und Spanien sind dagegen die Standorte, an denen überwiegende Teile des Kapazitätsausbaus immer noch einem mittlerem bis hohem Risiko ausgesetzt bleiben, so T&E. Die Projekte der Finnish Minerals Group, der West Midlands Gigafactory, sowie die Vorhaben von Freyr und Envision AESC schreiten nur zögerlich voran.

Batterie-Produktion-Europa-Laender
T&E

T&E fordert daher ein investitionsfreundlicheres Klima. Auf EU-Ebene müssen ambitioniertere Regelungen für Elektroautos auf den Weg gebracht, strenge Nachhaltigkeitsstandards für Batterien zur Stärkung der innereuropäischen Produktion durchgesetzt und die EU muss mit besseren Finanzierungsinstrumenten für Zukunftstechnologien ausgestattet werden.

„Deutschland und die EU müssen sich vorbehaltlos zum Verbrenner-Aus bekennen“

Andere Teile der Batteriewertschöpfungskette zu sichern werde angesichts der Dominanz Chinas und der in Europa erst allmählich entstehenden Expertise eine noch größere Herausforderung darstellen. Der T&E Analyse zufolge hat Europa das Potenzial, bis 2030 56 Prozent seines Bedarfs an Kathoden – den wertvollsten Batteriekomponenten – zu produzieren. Bislang haben aber nur zwei Anlagen die Produktion aufgenommen.

Bis zum Ende des Jahrzehnts könnte Europa auch seinen gesamten Bedarf an verarbeitetem Lithium decken und zwischen 8 und 27 Prozent der benötigten Batteriemineralien aus innereuropäischen Recyclingkreisläufen zurückgewinnen. Für ein zügiges Wachstum sind die Verarbeitungs- und Recyclinganlagen laut T&E jedoch auf Unterstützung durch die EU und die jeweiligen Staaten angewiesen.

Sebastian Bock sagt abschließend: „Der Wettlauf zwischen China, Europa und den USA verschärft sich. Zwar haben wir einen Teil der Batterie-Investitionen, die durch US-Subventionen abzuwandern drohten, seit letztem Jahr retten können. Trotzdem ist fast die Hälfte der geplanten EU-Produktion in Gefahr. Deutschland und die EU müssen sich vorbehaltlos zum Verbrenner-Aus bekennen und verbindliche Ziele für gewerbliche E-Auto-Flotten einführen, um der Industrie die Gewissheit zu geben, dass ein sicherer Markt für ihre Produkte entsteht.“

Quelle: T&E – Pressemitteilung vom 14.05.2024

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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