Margen chinesischer Autohersteller kratzen an historischem Tiefststand

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Michael Neißendorfer
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Die deutsche Autoindustrie steht stark unter Druck, und einen großen Anteil daran haben neben einer Handvoll weiterer Faktoren auch die aufstrebenden Autohersteller aus China. Ihren Heimatmarkt übernehmen sie mehr und mehr, die erfolgreichsten von ihnen streben zudem Wachstum in Auslandsmärkten an. Doch auch die zuletzt erfolgsverwöhnten Chinesen haben ihre Probleme: Denn von Januar bis November 2025 lag die Gewinnmarge der chinesischen Automobilindustrie bei lediglich 4,4 Prozent – dem zweitniedrigsten Wert in der Geschichte, wie CarNewsChina (CNC) berichtet.

Die Marge lag damit nur 0,1 Prozentpunkte über dem Tiefstand von 4,3 Prozent aus dem Jahr 2024. Das geht aus Daten hervor, die Cui Dongshu, Generalsekretär des chinesischen Pkw-Verbandes (China Passenger Car Association, CPCA), veröffentlicht hat. Der durchschnittliche Umsatz pro Fahrzeug entlang der Industriekette betrug 322.000 Yuan (38.900 Euro), der Bruttogewinn je Fahrzeug lag jedoch bei nur 14.000 Yuan (1690 Euro).

Zum Vergleich aktuelle Daten der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY: Im Ranking der profitabelsten Autokonzerne der Welt lag im dritten Quartal 2025 Suzuki mit einer Marge von 9,2 Prozent vorn. Dahinter platzierten sich BMW (7,0 Prozent) und Toyota (6,8 Prozent). Die meisten Unternehmen erwirtschafteten eine geringere Marge als im Vorjahr. Die Durchschnittsmarge der von EY weltweit analysierten Unternehmen lag bei 3,9 Prozent und damit auf dem niedrigsten Stand seit mindestens zehn Jahren. Seit 2023 hat sich die Marge der Top-Autokonzerne mehr als halbiert.

Die Entwicklung in China lasse sich als „Wachstum bei den Stückzahlen, aber hoher Margendruck“ beschreiben, so CNC weiter. Zwar überstiegen die Branchenumsätze mit mehr als 10 Billionen Yuan (1,2 Billionen Euro) erstmals diese Marke und legten im Jahresvergleich um 8,1 Prozent zu. Gleichzeitig stiegen jedoch auch die Kosten auf 8,84 Billionen Yuan (1,07 Billionen Euro), ein Plus von 9 Prozent. Der Gewinn belief sich auf 440,3 Milliarden Yuan (53,2 Milliarden Euro), was einem Zuwachs von 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Hinter den schwachen Margen stehen neben den steigenden Kosten auch der immer intensivere Wettbewerb in China: Einerseits lag das Kostenwachstum mit 9 Prozent über dem Umsatzwachstum von 8,1 Prozent. Faktoren wie schwankende Preise für Batterierohstoffe und steigende Lohnkosten erhöhen den Druck zusätzlich. Andererseits hat sich der „interne Wettbewerb“ zwischen Fahrzeugen mit neuen Energien – also Elektroautos und Plug-in-Hybriden – und klassischen Verbrennern weiter verschärft. Die Preiskämpfe, die ursprünglich im Segment der Elektrofahrzeuge begannen, haben inzwischen auch den Markt für Benzin- und Dieselfahrzeuge erfasst und schmälern dort nun ebenfalls die Gewinne.

Wie sich dieser Druck konkret auswirkt, zeigen unter anderem die Geschäftszahlen von Great Wall Motor (GWM). In den ersten drei Quartalen stieg der Umsatz des Unternehmens zwar um nahezu 8 Prozent, der Nettogewinn ging jedoch um fast 17 Prozent zurück – bedingt durch höhere Investitionen in Vertriebskanäle und den intensiven Preiswettbewerb. Nach Angaben des chinesischen Nachrichtenportals Autohome schreibt inzwischen mehr als die Hälfte der Händler Verluste, zudem werden über 70 Prozent der Fahrzeugmodelle unter ihren Kosten verkauft.

Von Januar bis November 2025 wurden in China insgesamt gut 31 Millionen Fahrzeuge produziert, was einem Anstieg von 11 Prozent im Jahresvergleich entspricht. Davon entfielen 14,53 Millionen Einheiten auf Elektrofahrzeuge, ein Plus von 27 Prozent, bei einer Marktdurchdringung von 47 Prozent. Die Produktion von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor lag bei 16,57 Millionen Einheiten und blieb damit im Jahresvergleich unverändert.

Quelle: CarNewsChina – Profit margin of China’s auto industry was 4.4%, 2,000 USD per vehicle, second lowest in history, Jan to Nov 2025

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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