Audi gab vor wenigen Tagen seine Halbjahreszahlen bekannt und korrigierte zugleich die Jahresprognose nach unten. Außerdem hat der Hersteller in seinem deutschen Werk in Neckarsulm die Nachtschicht gestrichen. Die Marke, die zum Volkswagen-Konzern gehört, produziert dort aktuell die Modelle Audi A5, A6, A8 und den elektrischen Audi e-tron GT.
Der Kostendruck auf die Fabrik ist im Rahmen der aktuellen Sanierungsmaßnahmen im Mutterkonzern enorm, die der Vorstandsvorsitzende Oliver Blume angekündigt hat. So sollen Überkapazitäten abgebaut und die Rentabilität gesteigert werden.
Abbau von Überkapazitäten in Neckarsulm
Bald wird die Nachtschicht im Werk Neckarsulm gestrichen, sodass rund 1200 Mitarbeitende ab November in den Tagdienst versetzt werden. Audi will damit die Produktivität steigern und die Produktionskosten senken. Wenn die Modelle A5 und A6 auslaufen, ist die anschließende Produktion von Elektromodellen in Neckarsulm noch nicht gesichert. Die Aussichten des Standorts sind daher ungewiss und Neckarsulm ist einer von vier Volkswagen-Standorten, über deren Zukunft viel diskutiert wird.
Der Betriebsrat des Werks unterstütze die Schichtänderung, wie die Plattform Automotive News berichtet. Die Einsparung bei der Schicht verbessere die Auslastung und stärke die Position von Neckarsulm im Hinblick auf künftige Entscheidungen. Ein Entschluss darüber, was an welchem Standort produziert werden soll, wird in diesem Jahr erwartet.
Der Kapazitätsabbau bei Audi zeigt sich bereits in diesem Jahr: Neckarsulm arbeite derzeit mit einer jährlichen Produktionskapazität von 225.000 Fahrzeugen, rund 75.000 weniger als in den Vorjahren, so Audi-Finanzchef Jürgen Rittersberger. Zuvor sei Audi, so Audi-CEO Gernot Döllner, bereits mit der Schließung des Werks in Brüssel sowie einer China-exklusiven Schwestermarke mutige Schritte gegangen.
Audi senkt Jahresprognose
Mit Hinblick auf die Halbjahreszahlen zeigten bereits eingeleitete Maßnahmen Wirkung, so Rittersberger. „Aber sie reichen nicht aus. Schwierige geopolitische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen erhöhen den Handlungsdruck für die gesamte Automobilindustrie und auch für Audi“, so der CFO weiter.
Aufgrund dieser Unsicherheiten, darunter der intensive Wettbewerb in China sowie die US-Zölle, rechnet Audi in diesem Jahr nur mit geringer Rentabilität und senkte die Prognose für die operative Marge 2026 um einen Prozentpunkt auf bis zu 5 Prozent. „Um im internationalen Wettbewerb zu bestehen, müssen wir gemeinsam mit dem Volkswagen-Konzern unser Geschäftsmodell neu ausrichten und weitreichende strukturelle Verbesserungen realisieren“, sagte Rittersberger.
Im ersten Halbjahr 2026 lagen die Umsatzerlöse bei 29,2 Milliarden Euro, was im Vergleich zu 32,5 Milliarden Euro im Vergleichszeitraum 2025 einem Rückgang entspricht. Das operative Ergebnis lag bei 1,1 Milliarden Euro und der Netto-Cashflow bei 1,9 Milliarden Euro. Der Betriebsgewinn sank im zweiten Quartal um 3 Prozent auf 533 Millionen Euro, was einer Gewinnmarge von 3,6 Prozent entspricht. Das Finanzergebnis des Audi-Konzerns belief sich nach den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2026 auf 402 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2025 lag dieser Wert noch bei 593 Millionen. Das darin enthaltene China-Geschäft trug lediglich 73 Millionen Euro bei und verdeutlicht den starken Einbruch um mehr als 200 Millionen Euro im Vergleichszeitraum.
Insgesamt wurden weltweit in den ersten sechs Monaten über 727.000 Audi-Fahrzeuge an Kundschaft ausgeliefert, was einem Rückgang von zirka 7 Prozent entspricht. Die weltweiten Auslieferungen ohne China liegen allerdings nahezu auf Vorjahresniveau, so die Pressemitteilung. Die Nachfrage in Deutschland sei mit einem Wachstum von 4 Prozent stabil, ebenso wie in Spanien mit einem Zuwachs von 21 Prozent, Italien mit einem Zuwachs von 17 Prozent und Großbritannien mit einem Zuwachs von 10 Prozent. In Deutschland wurden rund 108.000 Fahrzeuge ausgeliefert, von denen 25.000 mit Elektromotor laufen. Elektroautos und Plug-in-Hybride, darunter der Audi Q3 und der A6 e-tron, verzeichneten ein deutliches Nachfragewachstum.
Zum Konzern Audi gehören auch die Marken Bentley, Lamborghini und Ducati, deren Halbjahreszahlen ein ähnlich wenig optimistisches Bild zeichnen. Die Auslieferungen von Bentley lagen bei 4211 Einheiten im Vergleich zu 4876 im Vorjahreszeitraum. Auch die Umsatzerlöse, das operative Ergebnis sowie die operative Umsatzrendite waren rückläufig. Lamborghini konnte im ersten Halbjahr immerhin die Umsatzerlöse leicht steigern. Ducati hat, wie auch Bentley, ausschließlich Rückgänge verzeichnet.
Neue Modelle: Audi Q9 und A2 e-tron
Zugleich baut Audi sein Portfolio weiter aus. Mit dem Modell Q9, das kürzlich präsentiert wurde und dessen Markteinführung in Nordamerika und Europa für das vierte Quartal geplant ist, soll die Positionierung im Premiumsegment gestärkt werden. Im Herbst soll außerdem der vollelektrische Audi A2 e-tron, der am Standort Ingolstadt produziert wird, das Angebot im Bereich der Elektromobilität erweitern.
Audi-CEO Döllner zufolge ist Audi ein zentraler Baustein des Volkswagen-Konzerns und damit auch Teil der Lösung. „Wir erneuern Audi konsequent. Das zeigt sich auch an unserem geschärften Portfolio, das sich stärker denn je an den Bedürfnissen unserer Kunden in den Regionen orientiert. Der Audi Q9, der Ende Juli in New York seine Weltpremiere feiert, ist ein sichtbarer Beleg dafür: Unser erstes großes Full-Size-SUV wurde speziell für die Anforderungen des US-Marktes an Raum, technische Exzellenz, Qualität und Sicherheit entwickelt“, so Döllner.
Quellen: Audi – Pressemitteilung vom 27. Juli 2026 / Automotive News Europe – Audi cuts night shift at German plant as cost pressure mounts









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