In der Entwicklungssparte von Audi kommt es zu mehreren personellen Veränderungen, die zeitlich zusammenfallen und den laufenden Umbau des Ressorts zusätzlich belasten, wie das Manager Magazin berichtet. Nach übereinstimmenden Berichten aus dem Konzernumfeld wird Roger Styss das Unternehmen verlassen. Der Leiter der Gesamtfahrzeugentwicklung hatte eine anstehende Beförderung in den Topmanagementkreis nicht angenommen. Damit verzichtet er auf den formalen Aufstieg in die Führungsebene direkt unterhalb des Vorstands.
Styss war erst nach dem Amtsantritt von Vorstandschef Gernot Döllner im Herbst 2023 schrittweise in seine Position aufgestiegen. Innerhalb der Organisation galt er als enger Ansprechpartner des Vorstandsvorsitzenden und als Teil eines kleinen Führungskreises, der an der Neuausrichtung der Entwicklung beteiligt war. Sein Weggang erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem zentrale Elemente dieser Neuordnung noch nicht abgeschlossen sind.
Weitere Abgänge im Technikressort zeichnen sich ab
Parallel dazu stehen weitere Abgänge im Technikressort im Raum. Nach Angaben aus dem Umfeld des Unternehmens werden auch Christian Schneider, bislang für die Fahrwerksentwicklung zuständig, sowie Gero Kempf, verantwortlich für die Entwicklung sämtlicher Assistenzsysteme, Audi verlassen. Zudem wird über einen weiteren Wechsel aus der oberen Führungsebene spekuliert, möglicherweise innerhalb des Volkswagen-Konzerns. Eine offizielle Bestätigung zu einzelnen Personalien gibt es nicht. Auf Anfrage verweist das Unternehmen auf einen fortlaufenden Transformationsprozess.
Sollten sich die Berichte bestätigen, würde Entwicklungsvorstand Geoffrey Bouquot mehrere direkte Berichtslinien verlieren. Mindestens drei der genannten Manager gehörten bislang zum Kreis der unmittelbar an ihn angebundenen Führungskräfte. Innerhalb des Konzerns wird davon ausgegangen, dass versucht wird, einzelne Abgänge noch zu verhindern. Ob dies gelingt, ist offen.
Der Umbau der Entwicklung zählt zu den zentralen Projekten von Vorstandschef Döllner. Ziel ist eine schlankere Organisation mit klareren Zuständigkeiten und kürzeren Entscheidungswegen. Wiederholt hatte Döllner darauf verwiesen, dass Audi organisatorisch effizienter werden müsse, um technologisch wieder näher an frühere Ansprüche heranzurücken. Als historisches Referenzmodell nannte er die Restrukturierung der Marke zu Beginn der 2000er-Jahre. In diesem Zusammenhang wurde eine zusätzliche Führungsebene gestrichen und ein erheblicher Stellenabbau eingeleitet. Die operative Leitung der Entwicklung ging später an Bouquot über, der zuvor von einem Zulieferer zu Audi gewechselt war.
Angespannte wirtschaftliche Lage verstärkt internen Druck
Die wirtschaftliche Lage der Marke bleibt angespannt. Nach neun Monaten des Jahres 2025 lag die operative Umsatzrendite unter zwei Prozent, während die Auslieferungszahlen weiter rückläufig waren. Auch intern stößt die neue Organisationsstruktur auf Vorbehalte. In einer Befragung der Beschäftigten des Entwicklungsressorts wurde die Neuaufstellung nach internen Maßstäben mit einer schwachen Bewertung versehen. Die Ergebnisse wurden konzernintern diskutiert, ohne dass daraus bislang strukturelle Korrekturen abgeleitet wurden.
Zusätzlich zur Entwicklung gab es in den vergangenen Monaten mehrere Veränderungen auf Vorstandsebene. Zentrale Ressorts wie Design, Vertrieb und Einkauf wurden neu besetzt, teils mit externen Kandidaten. Auch der frühere Audi-Manager Simon Bracco, der konzernweit die Verantwortung für Qualität übernommen hatte, hat das Unternehmen inzwischen verlassen. Personelle Wechsel im Technikressort sind bei Audi kein neues Phänomen. Bouquot ist bereits der siebte Entwicklungsvorstand seit 2016.
Inhaltlich basieren wesentliche Teile der aktuellen Modelloffensive auf Entscheidungen, die vor dem Amtsantritt des heutigen Vorstandschefs getroffen wurden. Dazu zählen neue und überarbeitete Verbrenner-Autos ebenso wie technische Plattformen, die auch für Marken wie Lamborghini oder Porsche genutzt werden sollen. Diese Kontinuitäten stehen im Kontrast zu den organisatorischen Eingriffen der vergangenen Monate.
Weitere Aufmerksamkeit gilt einer internen Aufgabenverschiebung bei Ulrich Herfeld. Der bisher für Softwareplattform und Gesamtintegration zuständige Manager soll künftig den Bereich Homologation übernehmen. Damit liegt sein Fokus künftig auf regulatorischen Freigabeprozessen. Innerhalb des Unternehmens wird dieser Schritt als deutliche Veränderung der Verantwortlichkeiten gewertet. Die personellen Anpassungen in der Entwicklung dürften damit vorerst nicht abgeschlossen sein.
Quelle: Manager-Magazin – Abschiedswelle in der Audi-Entwicklung








Wird geladen...