Analyst: Droht 2023 ein Einbruch des E-Auto-Markts?

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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Derzeit scheint es nur eine Richtung zu geben, wenn man den Absatz von E-Autos am europäischen Elektroautomarkt betrachtet. Insbesondere in Deutschland – aufwärts. Aber der Schein trügt, wie Automobil-Analyst Matthias Schmidt findet. Geht es nach seiner letzten Analyse, muss der europäische Elektroautomarkt mit einem Absatzrückgang und damit verbundenen weiteren Preisreduzierungsrunden rechnen.

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat vor kurzem die Zulassungszahlen für Juni veröffentlicht. Demnach wurden in Deutschland im Juni knapp 54.000 vollelektrische Fahrzeuge zugelassen, was einem Plus von 64 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat entspricht. Aus den Häusern von BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen heißt es „Rekordabsatz“ – und dennoch scheint nicht alles Gold, was glänzt. Trotz Ansturm auf den Umweltbonus, auch im Juni 2023.

Zuletzt wurde vor allem im Lager von Mercedes bekannt, dass nicht alles so gut läuft, wie es nach außen verkauft wird. Die Händler kritisieren speziell die Geschäftsstrategie des Unternehmens. Sie befürchten, dass die aktuelle Ausrichtung des Unternehmens dazu führen könnte, dass viele Kunden zur Konkurrenz abwandern. Sie werfen der Top-Riege von Mercedes-Benz vor, den deutschen Markt „mit Vollgas gegen die Wand“ zu steuern und fordern eine sofortige Anpassung der Preispolitik an die veränderten Marktbedingungen.

Blicken wir nun auf den Gesamtmarkt im Jahr 2023 und die Zeit danach. Covid-19 stellte die erste bedeutende Prüfung im Jahr 2020 dar, die 2021 durch den Chipmangel und später wegen Schwierigkeiten in der Lieferkette und Kabelbaumprobleme, die vom den russischen Angriffskrieg im Februar 2022 verursacht wurden, zu einer scheinbar endlosen Krise wurde. Dies hat zu einer Wirtschaftssituation geführt, die kaum als positiv bezeichnet werden kann.

Trotzdem konnte 2022 in Europa ein Verkaufswachstum von 28,7 Prozent bei reinen Elektroautos verzeichnet werden, während der Verbrenner-Markt rückläufig ist. Dies wurde insbesondere gegen Ende des Jahres angetrieben durch vorgezogene Käufe aufgrund von Sonderfaktoren in Norwegen, wo 2023 eine Steuererhöhung eingeführt wurde, und Deutschland, wo der Umweltbonus zu Beginn des Jahres gekürzt wurde. Europa erreichte einen Anteil von 15,1 Prozent (1,53 Millionen Einheiten) an Elektroautos am gesamten Pkw-Markt (10,16 Millionen), der aufgrund anhaltender Lieferengpässe auf das niedrigste Niveau seit 1982 (10,02 Millionen) gesunken ist.

Hat das Absatzwachstum ein Ende?

Im ersten Halbjahr 2023 zeigt sich auf dem Papier zumindest ein leichtes Absatzwachstum, welches in der zweiten Jahreshälfte dann aber auch wieder abschwächen könnte. Schmidt begründet dies damit, dass die Orderbücher der Automobilhersteller im Moment sehr dünn aussehen. Gemessen an den Daten, welche dem Automobilverband VDA vorliegen, bewege man sich 20 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Dennoch geht der VDA von einem Wachstum des europäischen Marktes von 7 Prozent aus, in Bezug auf Deutschland wird mit einem Wachstum von vier Prozent gerechnet.

Schmidt erwartet für 2023 eine Wachstumsrate von 5 Prozent für den gesamten westeuropäischen Pkw-Markt, wobei für die anderen großen europäischen Märkte Wachstumsraten von 2 bis 8 Prozent pro Jahr erwartet werden. Es wird erwartet, dass der Elektroauto-Anteil am Gesamtmarkt nahezu auf dem Niveau von 2022 bleibt. Insbesondere neuen Marktteilnehmern wie BYD aus China soll es zu verdanken sein, dass das E-Auto-Volumen 2023 auf stabilen Niveau gehalten wird.

Die Halbleiterkrise scheint gemeistert zu sein. Dies leitet der Analyst aus Rückmeldungen der Automobilhersteller ab. Am deutlichsten werde dies sichtbar an den Lieferzeiträumen, welche sich von mehreren Monaten auf wenige Wochen reduziert haben. Gegen Jahresende rechnet der Analyst damit, dass die Hersteller mit Preissenkungen agieren (müssen), um ihre Absatz- aber vor allem auch ihre CO₂-Ziele zu erreichen. Ansonsten heißt es: Strafzahlung.

Denn der größte Absatz von E-Autos, vornehmlich in Deutschland, war aus Sicht von Schmidt im ersten Halbjahr 2023 noch getragen durch die massiven Vorbestellungen aus dem vorherigen Jahr. Es wird sich zeigen müssen, wie stabil die Absätze im Jahr 2023 tatsächlich bleiben.

Quelle: Matthias Schmidt – European Electric Car 05/2023

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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M. S.:

Meine Meinung dazu:

  • minus 30 % im Preis – nicht bei seriösen Herstellern
  • plus 30 % in der Reichweite – bei Serien-PKW bis zum mittleren Preissegment nicht mehr in diesem Jahrzehnt
  • weniger als 30 ct/kWh an der Ladesäule – für private Kunden nie wieder in D
Matthias Geiger:

Die Durststecke kommt erst noch mit dem Auslaufen der Förderung (Ende August)der gewerblich genutzten Fahrzeuge. Gut so. Das Tripple 30 ist angesagt:

  • minus 30 % im Preis
  • plus 30 % in der Reichweite
  • weniger als 30 ct/kWh an der Ladesäule.

2024 lässt grüssen.

André Korl:

Ist immer die Frage, was und wie man zählt. Die Zulassungszahlen hinken den Bestellzahlen bekanntlich 6-9-.. Monate hinterher, je nach Situation und Hersteller.
Der Rückgang bei den BEV-Privatbestellungen ist in Deutschland ja in 2023 (Jahr ist halb herum) bereits eingetreten und die zugehörigen Zulassungszahlen werden sich dann circa ab 4. Quartal bemerkbar machen. Da beißt die Maus keinen Faden ab.

Robert:

Einbruch droht nur wenn sich die Hersteller weiterhin weigern Preissenkungen vorzunehmen und weiterhin auf ihre Mondpreise beharren. die Zeit als E-Autos zu jedem beliebigen Preis gekauft wurde ist vorbei. Die Realität ist eben derzeit hohe inflation, Rezession und da müssen die Hersteller eben mit Preissenkungen reagieren das ist nunmal eben so das es wirtschaftlich nicht immer höher & höher geht. Es gibt auch Zeiten da geht es eine Zeiltlang abwärts bis es irgendwann wieder aufwärts geht

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