Ein Kommentar von Daniel Krenzer
Was sich derzeit beim ADAC abspielt, ist mehr als nur ein personeller Vorgang – es ist ein Lehrstück moderner Cancel Culture. Mit dem Rücktritt des bisherigen Verkehrspräsidenten Gerhard Hillebrand hat sich der größte deutsche Automobilclub jenen Kräften gebeugt, die jede noch so nüchtern formulierte Wahrheit zum Kulturkampf aufblasen. Dass Hillebrand gehen musste (oder nach offizieller Lesart freiwillig geht), weil er sachlich über die CO2-Bepreisung und deren Lenkungswirkung gesprochen hat, wirft ein schlechtes Licht auf den ADAC – und auf die Debattenkultur insgesamt.
Denn Hillebrand hat nichts Radikales gefordert. Er hat lediglich ausgesprochen, was ökonomisch wie klimapolitisch längst Konsens ist: Wer klimaschädliches Verhalten verteuert, schafft Anreize für klimafreundliche Alternativen. Das ist keine Ideologie, sondern Realität. Manche unbequemen Dinge müssen eben sein, um ein zukunftsfähiges Zusammenleben zu sichern. Trotzdem reichte ein Interview mit der Neue Osnabrücker Zeitung, um eine Empörungswelle auszulösen, die letztlich zu seinem Abgang führte. Medien aus dem konservativen Spektrum verkürzten seine Aussagen, Mitglieder drohten mit Austritt – und am Ende zog der ADAC die Reißleine.
Parallelen zur Politik der Bundesregierung
Genau hier zeigt sich, wie zerrissen der ADAC im Inneren ist. Auf der einen Seite herrscht der Anspruch, ein moderner Mobilitätsclub zu sein, der sich der Realität von Klimakrise und Verkehrswende stellt und der Elektromobilität die Zukunft zugesteht. Auf der anderen Seite gibt es aber offenbar einen mächtigen Block fossiler Interessenträger, der jede Veränderung als Angriff auf das Auto versteht. Bedauerlich ist vor allem, dass sich am Ende genau diese fossilen Kräfte durchgesetzt haben – obwohl Hillebrand lediglich Notwendigkeiten ausformuliert hat, keine Verbote, keine moralischen Keulen.
Der Vorgang erinnert fatal an die politische Ebene. Auch dort wird Klimaschutz oft nicht aus Überzeugung vorangetrieben, sondern erst dann, wenn Gerichte dazu zwingen. Die jüngste Klimaklage der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zeigt das deutlich: Die Bundesregierung muss zu mehr Klimaschutz verpflichtet werden, weil sie sich nicht traut, die notwendigen Schritte selbstbewusst zu vertreten. Statt Führung gibt es Zögern, statt Klartext Ausflüchte. Merz und Co. trauen sich längst nicht mehr, die Gesellschaft mit unbequemen Wahrheiten zu konfrontieren – aus Angst, noch mehr Wähler an die radikalen Kräfte des Landes zu verlieren. Doch das ist offensichtlich unehrlich und geht daher erst recht nach hinten los.
Beim ADAC ist es nun ähnlich. Anstatt eine unbequeme, aber notwendige Debatte auszuhalten, wurde der Überbringer der Botschaft entsorgt. Das mag kurzfristig den inneren Frieden sichern, langfristig schadet es jedoch der Glaubwürdigkeit des Clubs. Wer Mobilität der Zukunft mitgestalten will, darf vor Fakten nicht kapitulieren – und schon gar nicht vor lautstarker Empörung.








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