ACM will mit Magna vielseitigen E-Zwerg bauen

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Wolfgang Plank
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Der Münchner Hersteller ACM will mit einem billigen Kleinwagen die E-Auto-Szene aufmischen. Der „City One“ zielt dabei nicht so sehr auf Privatkunden, sondern vor allem auf Taxifirmen, Leasing-Firmen und andere Flottenbetreiber – vor allem in Asien oder Afrika. Nun hat ACM den kanadisch-österreichischen Konzern Magna als Partner gewonnen, meldet das „Handelsblatt“.

„Das ist eine wichtige Basis für unser Unternehmen“, wird Vorstandschef Paul Leibold zitiert, der den „City One“ erstmals auf der Messe IAA präsentieren will. Für ACM kommt die Zusammenarbeit einem Ritterschlag gleich. Zahllose Start-ups würden gerne mit dem kanadisch-österreichischen Auftragsfertiger ins Geschäft kommen. „Die setzen nur ihre Ressourcen und Ingenieure ein, wenn sie an das Projekt glauben„, sagt Karl-Thomas Neumann. Der ehemalige Opel-Chef sitzt im Beirat von ACM.

ACM steht für „Adaptive City Mobility“. Dem Bericht zufolge wollen die Münchener ein 950 Kilo leichtes Fahrzeug bauen, das bis zu fünf Personen Platz bietet, auch als Kleintransporter einsetzbar ist und mit einem Wechselakku mögliche Reichweitenängste aus der Welt schafft. Unterschrieben seien bereits Absichtserklärungen für den Absatz von insgesamt 208.000 Fahrzeugen, heißt es. Viel Platz schaffen, das war eine Prämisse von ACM. Die Rückbank lässt sich umklappen, so passt in den Frachtraum eine ganze Europalette. „Es ist möglich, sie mit einem Gabelstapler reinzusetzen“, wird Leibold zitiert.

Der 53-jährige Leibold ist in Autokreisen bekannt, arbeitete bei BMW am Elektroauto i3 mit. Seit 2013 verfolgt der Wirtschaftsingenieur seine ACM-Idee. Gefördert wird seine Entwicklung durch ein Konsortium des Bundeswirtschaftsministeriums, auch das Fraunhofer-Institut und Siemens waren mit an Bord. Nun will das Start-up mit Magna den Schritt aus der Entwicklungsphase in die Produktion wagen. Die ersten Testfahrzeuge sollen 2023 produziert werden, spätestens Anfang 2024 soll die Massenproduktion in Werken in Asien starten.

Bislang sammelte Leibold rund 40 Millionen Euro an Investorengeld ein, heißt es beim „Handelsblatt“. Derzeit laufe eine neue und deutlich größere Finanzierungsrunde. ACM sei in Gesprächen mit mehreren strategischen Investoren, unter anderem aus dem arabischen und asiatischen Raum. Mit ein Grund für das Interesse: Der City One eignet sich gut für den städtischen Verkehr in Ländern, die anders als in Europa oder den USA kein Netz von Superchargern aufbauen.

ACM will Flexibilität auf anderem Wege schaffen. Das Fahrzeug verfügt über eine fest installierte Lithium-Ionen-Batterie sowie über Wechselakkus, die zusammen eine Reichweite von bis zu 240 Kilometern ermöglichen. Die jeweils zehn bis zwölf Kilo schweren Wechselakkus befinden sich im Kofferraum, optional können sie auch auf dem Dach mitgeführt und mit wenigen Handgriffen ausgetauscht werden. Die Batterien des mit 48 Volt ausgestatteten Fahrzeugs können an jeder Haushaltssteckdose in acht Stunden aufgeladen werden, an einer Ladestation in fünf Stunden.

Der ACM City One kostet je nach Ausstattung 10.000 bis 15.000 Euro. Ein niedriger Preis, der laut Neumann durch Produktion und Entwicklung kaum weiter zu senken ist. Darum versucht es ACM mit Werbeeinnahmen. Das Fahrzeug hat auf der Heckklappe einen bis zu 40-Zoll-großen Monitor, auf dem digitale Werbung abgespielt werden kann. Nach Berechnungen von ACM können Flottenbetreiber damit jährlich mindestens 3000 Euro einnehmen, die sich ACM mit Werbepartnern und Flottenbetreiber teilen will.

Quelle: handelsblatt.com – Preiswerte Elektroautos für die Welt: So will ACM aus München groß rauskommen

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Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

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