Nach der IAA: Serienstart für E-Zwerg „Microlino“

Nach der IAA: Serienstart für E-Zwerg „Microlino“
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Microlino

Wolfgang Plank
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Das E-Auto gewinnt an Fahrt. Allerdings halten sich auch die hartnäckigen Skeptiker. Manche Hersteller versuchen, gerade diesem Kreis mit Retro-Design und modernisierten Klassikern die Angst vor dem Umstieg zu nehmen. Ein besonders konsequenter Vertreter dieser Idee ist der Microlino. Das an die legendäre Isetta erinnernde Mini-Mobil ist nach fünf Jahren endlich reif für die Serie. Nach der IAA soll der Verkauf starten. Das meldet unter anderem das Magazin „automobil-industrie.vogel.de“

Hinter dem Projekt steht Wim Ouboter. Er verdiente ab dem Jahr 2000 ein Vermögen mit Micro-Scootern – wandte sich dann aber einem Projekt auf vier Rädern zu: Der Microlino ist gerade mal 2,50 Meter kurz, 1,50 Meter schmal – und der komplette Gegenentwurf zur bisherigen Mobilität. „Unsere Autos sind zu groß, zu schwer und zu kompliziert – egal ob mit Verbrennungs- oder Elektroantrieb„, sagt Ouboter. „Bis zu 15 Elektromotoren allein für einen Sitz und 2500 Kilo Technik, um 75 Kilo Mensch zu befördern – Verhältnismäßigkeit sieht anders aus.

Zwar ist auch sein Microlino etwas größer als die originale Isetta, aber dennoch nur rund 500 Kilo schwer. Anders als beim Smart jedoch passen nicht zwei, sondern drei seiner Autos auf einen konventionellen Parkplatz. Wo im Heck der Isetta ein Motorrad-Einzylinder mit 250 Kubik und 12 PS werkelte und maximal Tempo 85 schaffte, surrt beim Microlino ein E-Motor mit 20 kW und gut für 90 Stundenkilometer. Der Lithium-Akku mit 14,4 kWh soll für 200 Kilometer reichen.

Der Microlino gilt als ebenso schlichte wie sympathische Antwort auf eine Gesellschaft, die ihre automobile Freiheit im Überfluss lebt und deshalb viel zu viel Blech bewegt: Kleinstwagen wie eben jene Iseatt, der Messerschmitt Kabinenroller und streng genommen auch der Fiat 500 oder der VW Käfer dagegen waren aus der Not der Nachkriegsjahre geboren. Einfach konstruiert und billig hergestellt, durften sie nicht viel kosten, wenn sie breite Schichten der Bevölkerung erreichen sollten.

Das Rezept ging auf und ganze Nationen wurden mobil. Messerschmitt etwa hat immerhin 30.000 Kabinenroller gebaut, die Isetta kommt auf über 160.000 Exemplare, und der Käfer war nicht umsonst jahrzehntelang das meistverkaufte Auto der Welt. Diesen Erfolg der Minimal-Mobilität will Ouboter jetzt mit dem E-Auto im sehr viel kleineren Maßstab wiederholen.

Allerdings geistert der Blechzwerg seit bereits fünf Jahren über diverse Messen, wurde vor allem zu Gunsten der Sicherheit komplett überarbeitet – und mit Tazzari und Artega haben die Schweizer auch schon zwei designierte Produktionspartner verschlissen. Doch auf der IAA in München soll nun tatsächlich das erste Serienauto stehen. Kurz danach sollen zu Preisen ab 12.500 Euro die ersten Auslieferungen beginnen.

Dabei ist der Microlino streng genommen gar kein Auto – selbst wenn der Fahrer einen Pkw-Führerschein braucht. Konstruiert und zugelassen ist der Zweisitzer als Leichtfahrzeug der Kategorie L7E. Deshalb braucht er auch kein ESP und keine Airbags, die es allerdings bald als Option geben soll. Dafür hat er  mehr Charme als mancher Sportwagen.

Quelle: automobil-industrie.vogel.de – „Unsere Autos sind zu groß, zu schwer und zu kompliziert“

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Wolfgang Plank

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Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

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