Nutzfahrzeuge: Markt in der EU bricht deutlich ein

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Daniel Krenzer
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Das erste Halbjahr 2025 war für den Nutzfahrzeugmarkt der EU eine Herausforderung, die durch einen deutlichen Rückgang der Zulassungen in wichtigen Märkten in einem ohnehin schon schwierigen wirtschaftlichen Umfeld gekennzeichnet war. Dies berichtet die europäische Zulassungsbehörde ACEA. Der Anteil der Elektro-Transporter und E-Lkw stieg demnach zwar, doch sei das Wachstum noch nicht schnell genug, da die Marktakzeptanz weiterhin durch das fast vollständige Fehlen wesentlicher Rahmenbedingungen behindert werde.

Offenbar zögern viele derzeit mit der Anschaffung von neuen Nutzfahrzeugen, was an einer wachsenden Technologieunsicherheit liegen könnte. War bisher der Fahrplan eindeutig, dass in den kommenden Jahren vor allem der Weg der Elektrifizierung der richtige sein dürfte, so haben politische Aussagen hinsichtlich einer Technologieoffenheit zuletzt die bisherige Richtung ein Stück weit infrage gestellt. Bei einen Gespräch mit Spediteuren haben wir erst kürzlich erfahren, dass es sich für die meisten zwar wirtschaftlich rechnen würde, voll auf die Elektrifizierung zu setzen, dass es aber zumindest in Deutschland neben der Verunsicherung zusätzlich Probleme mit den Netzkapazitäten gebe.

Die Neuzulassungen von Transportern in der EU gingen insgesamt um 13,2 Prozent zurück, wobei die drei größten Märkte zu diesem Rückgang beitrugen. Deutschland verzeichnete mit einem Minus von 14,7 Prozent den stärksten Rückgang, gefolgt von Frankreich (-12 Prozent) und Italien (-11,7 Prozent). Spanien hingegen verzeichnete einen Anstieg der Zulassungen um 11,2 Prozent.

Stärkster Rückgang in Deutschland

Die Neuzulassungen von Lkw in der EU gingen ebenfalls um 15,4 Prozent auf insgesamt 155.367 Einheiten zurück. Dieser Rückgang war hauptsächlich auf einen Einbruch der Zulassungen von schweren Lkw um 14,5 Prozent sowie einen Rückgang der Zulassungen von mittelschweren Lkw um 20 Prozent zurückzuführen. Alle wichtigen Märkte verzeichneten Rückgänge, wobei Deutschland (-27,5 Prozent), Frankreich (-18,8 Prozent), Spanien (-13,6 Prozent) und Italien (-13,3 Prozent) zweistellige Rückgänge hinnehmen mussten.

Die Nachfrage nach neuen Bussen in der EU ging zwar langsamer zurück, sank jedoch insgesamt um 18.123 Einheiten. Unter den wichtigsten Märkten verzeichnete Italien einen starken Rückgang (-24,5 Prozent), gefolgt von Spanien (-10,7 Prozent), Frankreich (-8 Prozent) und Deutschland (-3,2 Prozent). Demgegenüber verzeichneten Märkte wie Schweden (+222 Prozent) und Belgien (+76,7 Prozent) ein deutliches Wachstum.

Diesel bleibt in der ersten Hälfte des Jahres 2025 weiterhin die bevorzugte Wahl für Neukäufer von Lieferwagen in der EU. Die Zulassungen gingen jedoch um 15,6 Prozent auf 598.001 Einheiten zurück, was einem Marktanteil von 82 Prozent entspricht (ein Rückgang gegenüber 84,3 Prozent im ersten Halbjahr 2024). Benzinmodelle gingen um 29,8 Prozent zurück und hatten einen Anteil von 4,9 Prozent. Elektrisch aufladbare Transporter erreichen nun einen Marktanteil von 9,5 Prozent, ein deutlicher Anstieg gegenüber 5,8 Prozent im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Zulassungen von Hybrid-Transportern stiegen um 7,1 Prozent, hatten jedoch nur einen Marktanteil von 2,6 Prozent.

Niederlande meint es bei E-Lkw ernst

Diesel behielt im ersten Halbjahr 2025 seine Dominanz vor allem auf dem Lkw-Markt. Diesel-Lkw machten 93,6 Prozent der Neuzulassungen in der EU aus, trotz eines Rückgangs von 15,4 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2024. Elektro-Lkw sichern sich nun 3,6 Prozent des Marktanteils, gegenüber 2,1 Prozent im Vorjahr. Die Niederlande führten diese Expansion mit einem Wachstum von 188 Prozent im ersten Halbjahr 2025 an und machten fast ein Fünftel der EU-Zulassungen von Elektro-Lkw aus.

Der Anteil der Zulassungen von elektrisch aufladbaren Bussen in der EU stieg von 16,4 Prozent im ersten Halbjahr 2024 auf 21,6 Prozent. Deutschland, der volumenmäßig größte Markt, verzeichnete ein beeindruckendes Wachstum von 105 Prozent, während Belgien mit 523 elektrischen Bussen gegenüber 110 im Jahr 2024 die zweitgrößte Zahl an Zulassungen verzeichnete. Die Zulassungen von Hybrid-Elektrobussen gingen um 35,5 Prozent zurück und machten 6,9 Prozent des Marktes aus. Die Zulassungen von Dieselbussen gingen um 6,7 Prozent zurück und halten nun einen Marktanteil von 64,7 Prozent, gegenüber 66,2 Prozent im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Quelle: ACEA – Pressemitteilung vom 30. Juli 2025

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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