Wie in Aachen die europäische Batterieindustrie verteidigt wird

Wie in Aachen die europäische Batterieindustrie verteidigt wird
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Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 3 min

Europa hat im internationalen Batteriewettlauf wertvolle Jahre verloren. Während chinesische Hersteller wie CATL und BYD ihre Produktion immer weiter hochskaliert und dabei enorme Erfahrung gesammelt haben, kämpfen europäische Projekte mit Verzögerungen, hohen Kosten und teils sogar dem Scheitern. So ging Northvolt aus Schweden insolvent, und auch um den deutschen Hersteller Varta steht es nicht viel besser. Doch aufgegeben hat man den Wettbewerb noch lange nicht. Einer der Orte, an denen die europäische Batterieindustrie verteidigt werden soll, liegt in Aachen.

Dort forscht Professor Heiner Heimes am Lehrstuhl „Production Engineering of E-Mobility Components“ (PEM) der RWTH Aachen daran, wie sich Batteriezellen und -systeme effizienter, günstiger und nachhaltiger produzieren lassen. In einem aktuellen Gespräch mit der Automobilwoche macht der Batterieexperte deutlich: Den gewaltigen Erfahrungsvorsprung der asiatischen Konkurrenz kurzfristig vollständig aufzuholen, ist kaum realistisch. Entscheidend sei deshalb, an anderer Stelle eigene Stärken aufzubauen.

Produktionserfahrung in China höher

Das Problem Europas liegt schließlich nicht darin, grundsätzlich eine gute Batteriezelle herstellen zu können. Die eigentliche Königsdisziplin beginnt beim Hochlauf auf Millionen Stück. Schon kleine Schwankungen im Produktionsprozess können Ausschuss verursachen und die Kosten massiv erhöhen. Genau diese jahrzehntelange Produktionserfahrung ist ein wesentlicher Vorteil asiatischer Hersteller.

Wie ernst die Lage ist, zeigt auch der vom PEM mit herausgegebene „Battery Atlas 2026“. Während 2023 noch mehr als 2000 GWh europäische Zellproduktionskapazität angekündigt waren, liegt die inzwischen realistisch eingeschätzte Perspektive nur noch bei rund 1190 GWh. Davon entfallen etwa 673 GWh auf Projekte unter Führung asiatischer Unternehmen.

Aachen setzt deshalb vor allem bei der Produktionstechnik an. Digitale Fabrikplanung, Künstliche Intelligenz und präzisere Prozesse könnten helfen, neue Werke schneller hochzufahren und Ausschuss zu reduzieren. Heimes sieht zudem Chancen bei besonders energie- und kosteneffizienten Produktionsverfahren sowie beim Recycling. Bereits entwickelte Verfahren zur Elektrodentrocknung sollen beispielsweise erhebliche Einsparungen bei den laufenden Produktionskosten ermöglichen.

Massenskalierung meist die Achillesferse

Hinzu kommt der Forschungscluster „FastBat“, der 2026 mit insgesamt 50 Millionen Euro Fördervolumen gestartet ist. Rund um Aachen soll damit eine eigene Batterie-Wertschöpfungskette aufgebaut und die Überführung neuer Technologien aus der Forschung in industrielle Anwendungen beschleunigt werden.

Eng verknüpft ist die Aachener Forschung zudem mit der Forschungsfertigung Batteriezelle (FFB) in Münster. Dort können Unternehmen neue Zelltechnologien unter industrienahen Bedingungen erproben und den schwierigen Schritt vom Labor zur Großserie vorbereiten. Gerade diese Lücke zwischen einer funktionierenden Zelle und einer wirtschaftlichen Massenproduktion hat sich bei mehreren europäischen Batterieprojekten als Achillesferse erwiesen.

Europa wird China bei Batterien nicht dadurch schlagen, dass es zwanzig Jahre Produktionserfahrung im Zeitraffer nachholt. Die Chance liegt vielmehr darin, die nächste Generation von Produktionsprozessen mitzugestalten: automatisierter, digitaler, energieeffizienter und stärker auf Kreislaufwirtschaft ausgerichtet. Wenn das gelingt, dann kann Aachen dazu beitragen, zumindest einen Teil der Wertschöpfung bei Batterien in Europa zu halten.

Quelle: Automobilwoche – Batterie-Professor Heimes: Wie Europa Asiens Vorsprung aufholen kann

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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