VW Zwickau baut Autos jetzt auch wieder auseinander

VW Zwickau baut Autos jetzt auch wieder auseinander
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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Wer eine Tür, einen Stoßfänger oder ein Getriebebauteil für einen Volkswagen sucht, kann künftig auf ein Originalteil aus zweiter Hand zurückgreifen. Im Fahrzeugwerk Zwickau hat der Konzern die erste industrielle Demontagelinie eröffnet, die Autos in acht Takten zerlegt. Die gewonnenen Bauteile ergänzen das After-Sales-Portfolio als zeitwertgerechtes Angebot für Kund:innen. Vertrieben werden sie über Händler und Servicepartner, aber auch über unabhängige Werkstätten und Teilehändler.

Besonders gefragt sind laut Volkswagen Karosserieteile wie Türen und Stoßfänger, daneben Motoren und Getriebekomponenten. Marcus Edelmann, Sprecher der Geschäftsführung der Volkswagen Group OTLG, bringt den Ansatz auf eine einfache Formel: „Statt Bauteile zu verschrotten, verwerten wir diese weiter.“ Das Angebot reduziere zusätzlich wirtschaftliche Totalschäden. Edelmann ordnet es zugleich als Beitrag zur Nachhaltigkeitsstrategie und zur Kundenbindung ein.

Zunächst laufen Vorserienfahrzeuge über die Linie, später kommen Altfahrzeuge hinzu. Ab 2027 sollen im Zweischichtbetrieb jährlich 4100 Autos zerlegt werden, beschäftigt sind dann 100 Mitarbeitende. Der Standort soll Altfahrzeuge wiederaufbereiten, Originalbauteile der Konzernmarken bereitstellen und Rohstoffe zurückgewinnen. Thomas Schäfer, Vorstandsmitglied der Volkswagen AG und CEO der Marke Volkswagen, fasst es so zusammen: „Ab heute bauen wir in Zwickau Autos nicht nur zusammen, sondern auch wieder auseinander, mit derselben industriellen Präzision.“ Demontage bedeute für das Unternehmen nicht Schrottplatz, sondern Wertschöpfung.

Die Umbauten selbst gingen schneller voran als vorgesehen. Seit dem Startschuss im Januar vergingen bis zur Fertigstellung von Anlagentechnik und Genehmigungsverfahren nur neun Monate, drei weniger als geplant. In dieser Zeit wurden 1200 Quadratmeter Boden neu beschichtet, 94 Tonnen Stahl verbaut und 100 Meter Hochstromlinien für die Logistik installiert. Ein Großteil der Aufwendungen floss in die Aufbereitung von Flächen, auf denen Roh- und Reststoffe umweltgerecht gelagert werden können. Um die Mittel effizient einzusetzen, griff das Team zudem auf Technik aus der Fahrzeugfertigung zurück.

Danny Auerswald, Geschäftsführungssprecher der Volkswagen Sachsen GmbH, sieht darin einen Vorteil des Standorts. Bei Einrüstung und Prozessgestaltung habe das Team alle Synergien zwischen Fahrzeugbau und Demontage genutzt. Kurze Wege, Fachkompetenz und langjährige Erfahrung der Belegschaft ermöglichten es, die Zerlegung „vom Werkstatt-Setting in einen effizienten seriellen Prozess zu überführen“.

Kunststoff aus einem Altauto für drei Neuwagen

Hinter dem Projekt steht mehr als ein Ersatzteilgeschäft. Ab 2032 gelten in Europa Rezyklat-Quoten für Kunststoff und weitere Rohstoffe, was industrielle, skalierbare Demontageprozesse nach dem Vorbild der Fahrzeugproduktion erfordert. Perspektivisch soll der aus einem Altfahrzeug zurückgewonnene Kunststoff für die Herstellung von drei Neuwagen reichen. Andreas Walingen, Leiter Volkswagen Group Circular Economy, sieht die Kreislaufwirtschaft auf dem Weg „vom Nachhaltigkeitskonzept zum industriellen Geschäftsmodell“. Sein Leitprinzip lautet: „Ein Fahrzeug. Drei Wertströme. Ein Geschäftsmodell.“

Hinzu kommt eine strategische Dimension. Der Konzern will mit der Kreislaufwirtschaft Materialkosten und die Abhängigkeit von Primärrohstoffen senken sowie die Resilienz seiner Lieferketten erhöhen. Recycling, Remanufacturing und Second-Life-Anwendungen sollen darüber hinaus neue Markt- und Erlöspotenziale erschließen. Dahinter steht das Prinzip „Reduce & Grow“: weniger Primärrohstoffe einsetzen, materialbezogene Emissionen adressieren und projektbezogen neue Geschäftsmodelle entwickeln.

Für Zwickau hat der neue Geschäftsbereich auch mit Blick auf die Arbeitsplätze Gewicht. Festgelegt wurde der Einstieg in die Kreislaufwirtschaft bei den Tarifverhandlungen im Dezember 2024, perspektivisch sollen bis zu 1000 Menschen in diesem Bereich arbeiten. Neben der Fahrzeugproduktion entsteht damit ein zweites Standbein zur Beschäftigungssicherung und zum Kompetenzaufbau in Mitteldeutschland. Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter erklärt, Volkswagen betrete mit dem Hub in der Automobilregion Südwestsachsen „industrielles Neuland“. Die Kreislaufwirtschaft für Fahrzeugkomponenten eröffne neue Geschäftsfelder und biete langfristige Beschäftigungsperspektiven.

Quelle: Volkswagen – Pressemitteilung

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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