Wenige Tage nach der groß inszenierten Ankündigung eines neuen US-Werks droht dem deutschen Automobilhersteller Audi ein Rückschlag. Wie das Handelsblatt berichtet, wachsen im Volkswagen-Konzern erhebliche Zweifel an den Vereinbarungen mit der Regierung von US-Präsident Donald Trump. Dem VW-Aufsichtsrat liegen bislang weder verbindliche Verträge noch beschlussfähige Unterlagen für die milliardenschwere Investition vor.
Audi hatte am vergangenen Wochenende angekündigt, rund 4,2 Milliarden Dollar in ein Werk im Bundesstaat Georgia zu investieren. Dort sollen ab Anfang der 2030er Jahre bis zu 200.000 Fahrzeuge jährlich entstehen und etwa 4500 Arbeitsplätze geschaffen werden. Im Gegenzug stehen staatliche Fördermittel von bis zu 1,4 Milliarden Euro sowie mögliche Zollerleichterungen im Raum. Doch offenbar existieren bislang lediglich unverbindliche Absichtserklärungen. „Damit halten wir faktisch nichts in den Händen“, zitiert das Handelsblatt einen Insider.
Scharfe Kritik an Audi-Chef Döllner
Besonders brisant ist die politische Inszenierung der Ankündigung. Audi-Chef Gernot Döllner hatte das Vorhaben gemeinsam mit Trump auf einer Wahlkampfveranstaltung der Republikaner präsentiert. Damit löste er massive Kritik aus Politik, Gewerkschaften und der eigenen Belegschaft aus.
VW-Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo warf Döllner angesichts der von Rassismus, Sexismus und Demokratieverachtung geprägten Rede Trumps „aktive Wahlkampfhilfe“ vor. Der Audi-Chef habe sich zur Marionette einer politischen Propagandashow machen lassen. IG-Metall-Chefin Christiane Benner bezeichnete den Auftritt als „politisch inakzeptabel“ und warf Döllner einen Verstoß gegen die unternehmenseigenen Neutralitätsregeln vor. Auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies kritisierte die Beteiligung an der Wahlkampfveranstaltung deutlich.
Wie groß der Unmut innerhalb des Konzerns ist, zeigt ein Bericht des Tagesspiegels: Nachdem Beschäftigte Döllner im VW-Intranet massiv kritisiert hatten, wurde die Kommentarfunktion zu einem Beitrag über das US-Werk abgeschaltet. Audi verteidigt den Auftritt als Entscheidung im Unternehmensinteresse.
Zweifel an der Wirtschaftlichkeit
Indes bleibt offen, ob die US-Regierung tatsächlich Zollerleichterungen gewährt und die angekündigten Subventionen Bestand haben. Am 3. November wird in Georgia zudem ein neuer Gouverneur gewählt, was die politischen Unsicherheiten vergrößert.
Auch wirtschaftlich gibt es Fragezeichen. Im geplanten Werk sollen vor allem die großen SUV Q7, Q8 und Q9 entstehen, deren bisherige beziehungsweise erwartete Nachfrage die vorgesehene Kapazität kaum auslasten dürfte. Der deutlich erfolgreichere Q5 soll weiterhin in Mexiko produziert werden.
Grundsätzlich könnte eine eigene US-Produktion Audi helfen, die hohen Importzölle zu umgehen. Doch die Kombination aus politischer Vereinnahmung, fehlenden vertraglichen Sicherheiten und wirtschaftlichen Risiken macht das Vorhaben zunehmend umstritten. Ohne Zustimmung des VW-Aufsichtsrats kann das Werk ohnehin nicht gebaut werden.
Quelle: Handelsblatt – VW-Aufsichtsrat fehlen bindende Zusagen für Audis US-Deal; Tagesschau – Kritik an Audi-Chef reißt nicht ab: Von „erheblichem Störgefühl“ bis Rücktrittsforderung; Tagesspiegel – Offenbar wüste Kommentare über Audi-Chef im VW-Intranet







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