Xpeng senkt Absatz-Ausblick wegen Preisdruck

Xpeng senkt Absatz-Ausblick wegen Preisdruck
Copyright ©

Xpeng

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Chinesische Hersteller elektrischer Autos stehen unter zunehmendem Wettbewerbsdruck, und die jüngste Prognose von Xpeng zeigt, wie stark dieser Wettbewerb die Branche belastet. Das Unternehmen stellte seine Erwartungen für das vierte Quartal vor und rechnet mit Einnahmen von 21,5 bis 23 Milliarden Yuan, was umgerechnet rund 2,58 bis 2,76 Milliarden Euro entspricht. Diese Spanne liegt unter der durchschnittlichen Analystenschätzung von etwa 3,12 Milliarden Euro.

Der zurückhaltende Ausblick fällt in eine Phase, in der sich die Dynamik auf dem chinesischen Elektroautomarkt zunehmend verschiebt. Xpeng und Nio meldeten im Oktober neue Bestmarken bei ihren Auslieferungen, während die Verkäufe von Tesla in China auf den niedrigsten Stand seit drei Jahren fielen. Dieses Auseinanderdriften zeigt, wie unterschiedlich der laufende Preiskampf die Anbieter trifft. Viele Unternehmen müssen mittlerweile ihre Margen stark senken, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Gleichzeitig erfordert der Ausbau des Modellangebots stetige Investitionen, was die wirtschaftliche Lage zusätzlich herausfordert.

Aus Sicht externer Beobachter spielt auch die Positionierung der Marken eine wichtige Rolle. Analystin Rosalie Chen von Third Bridge sagte, Xpeng habe „seit dem Start des mittel- bis niedrigpreisigen Mona 03 gemeinsam mit einer geringeren Investition in intelligente Fahrfunktionen an Attraktivität im Segment über 200.000 Yuan verloren“. Die Grenze von 200.000 Yuan entspricht etwa 24.000 Euro. Ihre Einschätzung deutet darauf hin, dass die Strategie, sich stärker in preisorientierten Bereichen zu engagieren, bislang nicht vollständig aufgegangen ist.

Mona M03 als Absatztreiber und Wegbegründer in neues Marktsegment

Eine zentrale Rolle spielt dabei das Modell Mona M03. Es handelt sich um das erste Auto einer neuen Marke, die Xpeng gemeinsam mit dem Mobilitätsdienstleister DiDi entwickelt hat. Mit diesem Ansatz möchte das Unternehmen eine breitere Kundengruppe erreichen und sich in einem Markt behaupten, in dem preisgünstigere Elektroautos besonders stark nachgefragt werden. Die Einführung neuer Marken ist jedoch stets mit Risiken verbunden, da sie Klarheit über Positionierung, Technik und Zielgruppen verlangt.

Parallel dazu präsentierte Xpeng auf seinem jüngsten AI Day ehrgeizige Projekte, die deutlich über das klassische Auto hinausreichen. Gezeigt wurden Konzepte für einen künftigen „fliegenden“ Pkw sowie humanoide Roboter für Produktions- und Logistikzwecke. Vorhaben dieser Art benötigen umfangreiche Forschungs- und Entwicklungsbudgets und könnten kurzfristig zusätzlichen Druck auf die Bilanz ausüben. Dennoch versteht Xpeng die langfristige Technologieplanung als wesentlichen Baustein, um sich in einem überfüllten Markt zu differenzieren.

Die finanzielle Entwicklung zeigte im dritten Quartal durchaus Fortschritte. Der Nettoverlust verringerte sich von 1,8 Milliarden Yuan im Vorjahr – etwa 217 Millionen Euro – auf knapp 381 Millionen Yuan, also rund 46 Millionen Euro. Das Unternehmen führt diese Verbesserung auf steigende Stückzahlen und Effizienzmaßnahmen zurück. Trotzdem bleibt der Fehlbetrag jedoch erheblich und unterstreicht die Herausforderung, profitables Wachstum in einem zunehmend gesättigten Markt zu sichern.

Quelle: Reuters – Chinese EV maker XPeng forecasts weak fourth quarter revenue amid fierce competition

worthy pixel img
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Ähnliche Artikel

„Electrify the ocean“ – Michael Josts neue Vision

„Electrify the ocean“ – Michael Josts neue Vision

Sebastian Henßler  —  

Ex-VW-Stratege Jost will mit eD-TEC die Meere elektrifizieren – und zeigt, wie nachhaltige Mobilität auch im Luxussegment funktionieren kann.

Chiles Lithiumplan: Mehr Mitsprache, weniger Wasser

Chiles Lithiumplan: Mehr Mitsprache, weniger Wasser

Sebastian Henßler  —  

Vom Vorwurf des grünen Kolonialismus zu Konsultation und Value Sharing: Der Salar de Atacama zeigt, wie Lithiumförderung Umwelt und Gemeinden verbindet.

Förderung gebrauchter E-Autos offenbar vom Tisch

Förderung gebrauchter E-Autos offenbar vom Tisch

Daniel Krenzer  —  

Wer in Deutschland darauf hoffte, nächstes Jahr ein gefördertes, gebrauchtes E-Auto anzuschaffen, dem sei gesagt: Pustekuchen.

Wie Mercedes-Benz Autos nachhaltiger machen will

Wie Mercedes-Benz Autos nachhaltiger machen will

Michael Neißendorfer  —  

Mercedes-Benz hat zur Unterstützung der eigenen Nachhaltigkeitsziele das Technologieprogramm Tomorrow XX gestartet – manches gibt es schon in Serie.

USA: Teslas Absatz fällt im November auf Vierjahrestief

USA: Teslas Absatz fällt im November auf Vierjahrestief

Tobias Stahl  —  

Trotz der Einführung günstigerer Basisvarianten sind die US-Verkäufe von Tesla im November auf den niedrigsten Wert seit fast vier Jahren gefallen.

Porsche in der Krise: Betriebsrat befürchtet massiven Job-Kahlschlag

Porsche in der Krise: Betriebsrat befürchtet massiven Job-Kahlschlag

Daniel Krenzer  —  

Der Betriebsrat warnt vor massivem Jobabbau bei Porsche, während der Automobilhersteller sein Sparprogramm verschärft und die Strategie wankt.