Der chinesische Elektroauto-Hersteller Xpeng plant, seine Technologie künftig auch außerhalb der bestehenden Partnerschaft mit Volkswagen anzubieten. Wie zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen berichten, sucht das Unternehmen nach neuen Erlösquellen und hat bereits Kontakt zu potenziellen Partnern aufgenommen, die Interesse an der Technologie bekundet haben. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet erstmals über die Pläne. Namen der ins Auge gefassten Automobilhersteller oder weiterer Partner wurden bislang nicht genannt.
Im Zentrum des Angebots stehen die elektrische und elektronische Architektur, Cockpit-Systeme, die hauseigenen Turing-KI-Chips sowie Software für Fahrassistenzsysteme. Als mögliche Abnehmer kommen neben Automobilherstellern auch ausländische Softwareentwickler und Zulieferer infrage. Xpeng, das parallel in die Bereiche Robotaxi, humanoide Roboter und Flugtaxis expandiert, will das Lizenz- und Anpassungsgeschäft zudem auf Robotik und weitere Anwendungen physischer künstlicher Intelligenz ausweiten, also auf KI-Systeme, die in realen, körperlichen Umgebungen wie Robotern zum Einsatz kommen. Auch der operative Betrieb von Robotaxis soll Teil des künftigen Angebots werden.
Der Vorstoß fällt in eine Phase, in der chinesische Hersteller von Elektroautos Fahrzeugdesign und Technologiestandards zunehmend weltweit mitgestalten. Für die Erschließung neuer Technologiepartnerschaften und weiterer kommerzieller Möglichkeiten hat Xpeng vor rund sechs Monaten ein eigenes Team gegründet. Die dabei gesammelten Erfahrungen bauen unmittelbar auf der Zusammenarbeit mit Volkswagen auf, die als Blaupause für das erweiterte Geschäftsmodell dient.
Volkswagen war im Juli 2023 mit einer Beteiligung von 4,99 Prozent bei Xpeng eingestiegen und zahlte dafür rund 602 Millionen Euro. Die Allianz umfasst Elektroauto-Plattformen, Software und die elektronische Architektur der Fahrzeuge. Erste Frucht der Zusammenarbeit ist das Elektro-SUV ID.UNYX 08, das Xpengs Cockpit-Systeme, die teilautomatisierte Fahrtechnik und die Turing-KI-Chips integriert. Die Serienproduktion begann im März 2026, nur 24 Monate nach dem Start der Kooperation.
Xpeng: Servicegeschäft wird zum neuen Wachstumsmotor
Die Partnerschaft hat sich für Xpeng inzwischen zu einer bedeutenden Einnahmequelle entwickelt, insbesondere im Servicegeschäft. Im ersten und zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres blieb das Unternehmen dennoch defizitär. Während der Umsatz aus dem Autoverkauf im zweiten Quartal kaum zulegte und die Marge auf 12,1 Prozent nach zuvor 14,3 Prozent sank, verdoppelte sich der Umsatz aus Dienstleistungen und weiteren Geschäftsbereichen nahezu, die Marge in diesem Segment stieg auf 75,1 Prozent nach 53,6 Prozent im Vorjahreszeitraum.
In einer Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen Ende August erklärte das Xpeng-Management, der Anstieg gehe vor allem auf Forschungs- und Entwicklungsdienstleistungen im Rahmen der Volkswagen-Partnerschaft sowie auf höhere Einnahmen aus dem Verkauf von Komponenten und Zubehör zurück.
Das margenstarke Servicegeschäft dürfte für Xpeng weiter an Bedeutung gewinnen, je stärker sich das Unternehmen in Richtung physischer künstlicher Intelligenz bewegt. Vorstandschef He Xiaopeng hatte bereits erklärt, humanoide Roboter könnten langfristig deutlich höhere Margen erzielen als der Autoverkauf. Der humanoide Roboter IRON lief Anfang des Monats erstmals vom Band, die Serienfertigung soll bis zum Jahresende anlaufen. Kommerzielle Auslieferungen in China und auf internationalen Märkten sind für 2027 geplant. Auch die internationale Expansion schreitet voran. Seit dem Markteintritt in Norwegen im Jahr 2020 hat Xpeng nach eigenen Angaben mehr als 100.000 Autos im Ausland verkauft.
Quelle: Reuters – Chinese automakers scour Europe for factories ahead of EU local content rules, says BYD adviser









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