Durchschnittlich 267 verkaufte Exemplare pro Monat: So fällt die Bilanz des ID. Unyx 08 zwischen dem Marktstart im April und August aus, wie Daten der Automobilberatung ThinkerCar zeigen. Angepeilt hatte Volkswagen ursprünglich mehr als 3600 Einheiten monatlich, wie aus internen Unterlagen hervorgeht, die Reuters einsehen konnte. Das Elektro-SUV ist das erste Modell aus der 2023 geschlossenen Partnerschaft mit Xpeng, die schneller zu Autos für den chinesischen Markt führen sollte.
Die Planzahlen wurden bereits deutlich korrigiert. 2024 rechnete der Konzern bis Ende 2026 mit 32.600 Einheiten und später im Produktzyklus mit mehr als 120.000 Autos jährlich. Anfang dieses Jahres folgte eine Senkung der Prognose für 2026 um mehr als 60 Prozent auf 12.300 Exemplare, für 2027 stehen weiterhin 64.000 Einheiten in den Dokumenten. Zuletzt warb der Hersteller mit einem Nachlass von 17 Prozent auf den Einstiegspreis.
Zu den Absatzprognosen äußerte sich Volkswagen nicht. Stattdessen verwies das Unternehmen darauf, dass die Kooperation eine neue Elektroarchitektur für lokal gefertigte Modelle hervorgebracht habe, entwickelt in 18 Monaten. Das SUV und die verwandte Limousine ID. Unyx 09 seien weitere Ergebnisse. Xpeng lehnte einen Kommentar ab.
Der schwache Absatz fällt in eine Phase, in der Volkswagen in China insgesamt an Boden verliert. Bis 2022 war der Konzern über Jahrzehnte Marktführer, 2019 war jeder fünfte dort verkaufte Pkw ein Volkswagen. In den ersten acht Monaten des laufenden Jahres lag der Anteil laut der China Passenger Car Association bei zehn Prozent. Trug China einst fast die Hälfte zum Konzerngewinn bei, ist es heute etwa ein Zehntel.
Hoher Preis, kleines Netz, gescheiterte Allianzen
Zum Start kostete das SUV umgerechnet rund 29.500 Euro. Wettbewerber in derselben Preisklasse boten mehr: Der Xiaomi YU7 verfügt über ein umfangreiches Sensorpaket, der Zeekr 7X über Schnellladefähigkeit. Im selben Zeitraum setzte Xiaomi knapp 57.000 Exemplare des YU7 ab, Zeekr mehr als 21.000 Einheiten des 7X, vom ID. Unyx 08 waren es rund 1300. Pedro Pacheco, Vice President Research bei Gartner, beschreibt die Haltung chinesischer Kund:innen so: “Warum ein teures deutsches Auto kaufen, wenn man die Technologie viel günstiger bekommt?”
Hinzu kam eine Vertriebsentscheidung, die laut fünf Personen aus dem Umfeld die Lage verschärfte. Verkauft wurde das Modell überwiegend über ein neues Händlernetz von Volkswagen Anhui statt über die mehr als 3000 Autohäuser, die der Konzern mit FAW und SAIC betreibt. Zwei von ihnen zufolge wussten viele Interessierte deshalb gar nicht, dass es das Auto gibt. Nach Konzernangaben wachsen die Verkäufe der Anhui-Modelle inzwischen, das Netz umfasst 166 Standorte und wird an ausgewählten Betrieben durch FAW-Volkswagen ergänzt.
Die Xpeng-Kooperation reiht sich in eine Folge chinesischer Partnerschaften ein. Intern sei der Ansatz als “Heirat und Scheidung” bezeichnet worden, berichten zwei mit den Vorgängen vertraute Personen: Bündnisse eingehen, lernen, wieder aussteigen. Um den Amtsantritt von Ralf Brandstätter als Chef von Volkswagen China im August 2022 prüfte der Konzern etwa eine Zusammenarbeit mit BYD. Der chinesische Hersteller zeigte kein Interesse und löste Volkswagen 2023 als Marktführer ab.
Ein 2020 gestartetes Schnellladeprojekt mit dem Start-up Du-Power endete in Gesellschafterstreit und einer Klage, die Chinas Oberstes Volksgericht laut Volkswagen im März abwies. Bereits 2019 hatte der Konzern für 2025 rund 1,5 Millionen ausgelieferte Elektro- und Plug-in-Hybridautos in China angepeilt, im vergangenen Jahr waren es 115.500 Elektroautos. Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management hält Volkswagen für “zu langsam beim Aufbau der Kompetenzen, die heute gebraucht werden”.
Schrumpfender Markt, unverändert hohe Erwartungen
Der Druck wächst nun auch durch den Markt selbst. In einer Nachricht an die Belegschaft vom 10. September spricht Brandstätter von einer “außergewöhnlichen” Schrumpfung: Volkswagen erwartet für 2026 ein Minus von 20 Prozent. Die Margen der Branche seien auf 1,5 Prozent gefallen, Produktzyklen von sieben auf drei Jahre geschrumpft.
Trotzdem plant Volkswagen auch für den ID. Unyx 09, der in diesem Monat zu den Händlern kommt, mit knapp 4900 Verkäufen pro Monat. Laut zwei Insidern helfen ambitionierte Prognosen, in Wolfsburg die Freigabe neuer Modelle zu erhalten. Bill Russo, Gründer der Beratung Automobility, sieht weiterhin einen Weg zurück. Das Risiko bestehe darin, “dass sich der Markt schneller bewegt, als sich das Unternehmen neu erfinden kann”.
Quelle: Reuters – Insight: Volkswagen bet on Xpeng to save its China business. It’s not going to plan








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