Bei der Modellpflege der S-Klasse rühren die Mercedes-Manager mächtig die Marketing-Trommel. Von „mehr als 50 Prozent neu entwickelter, überarbeiteter und verfeinerter Fahrzeugumfänge“ ist die Rede und vom „umfassendsten Update innerhalb einer S-Klasse-Generation“. Papier ist bekanntermaßen geduldig. Das ist auch hier der Fall. Optisch hat sich etwas getan. Die Silhouette der S-Klasse wirkt nach wie vor leichtfüßig und elegant. Vor allem im Vergleich zu einer repräsentativen Festung auf Rädern wie einem BMW 7er.
Dass der Stern auf der Motorhaube und der Kühlergrill jetzt leuchten, gehört inzwischen ja fast schon zum guten Ton. Dass sich in den Scheinwerfern und Rückleuchten jetzt ebenfalls Sterne befinden, ist durchaus verständlich. Schließlich muss man sich mit einer Mercedes S-Klasse nach wie vor nicht verstecken. Egal, ob in Los Angeles, Shanghai oder in Stuttgart. Und da Schwaben keine halben Sachen machen, ist der Kühlergrill mit kleinen chromglänzenden Sternen bestückt. „Sonst wäre da ein schwarzes Loch“, sagt ein Mercedes-Mann. Da dieser Makel nun vermieden ist, kann man den Kühlergrill auch gleich um 20 Prozent vergrößern.

Außen hui, innen pfui? Aber nein! Dieser Ausdruck grenzt bei einer Mercedes S-Klasse an Blasphemie. Das ist bei der Modellpflege der Baureihe W223 nicht anders. Das Leder ist edel, die Sitze bequem – egal ob vorne oder im Fond. Der Fahrer freut sich über eine lange Beinauflage, genügend Seitenhalt und eine Massagefunktion. Da gibt sich der schwäbische Autobauer keine Blöße.
Doch sobald der Blick zum Infotainment wandert, schießt einem unweigerlich die Frage durch den Kopf: „Warum hat die S-Klasse keinen Hyperscreen, sondern „nur“ einen Superscreen? Die Bildschirme des Infotainments setzen sich aus dem Monitor-Dreiklang zusammen, der schon vor dem Facelift in der S-Klasse zu finden war. Das bedeutet: ein 36,6 Zentimeter großer zentraler Touchscreen, ein digitales Kombiinstrument mit 31,2 Zentimetern und ein ebenso großes Beifahrerdisplay.

Das ist beeindruckend genug. Aber bei einer Modellpflege des Flaggschiffs eines Luxus-Autobauers erwartet man eben das Beste, was das Konzernregal hergibt. Besser noch eine bahnbrechende Neuigkeit. So war es früher bei den S-Klassen. Diesmal eben nicht. Das ist beim Facelift dieser S-Klasse kein Einzelfall. Immerhin haben die Techniker bei der Software aufgerüstet: Das MB.OS bildet das digitale Rückgrat und die vierte MBUX-Generation kommt zum Einsatz. Der KI-gestützte „Hey Mercedes“-Assistent nutzt unter anderem ChatGPT-4o, Microsoft Bing sowie Google Gemini und setzt die Anweisungen des Fahrers im Großen und Ganzen zuverlässig um. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass die Menüstruktur bisweilen zu verschachtelt ist.
S-Klasse Facelift enttäuscht – außer beim PHEV-Antrieb
Beim Plug-in-Hybridantrieb tut sich einiges. Die Basis bildet der weiterentwickelte Reihensechszylinder-Benziner mit dem internen Code M 256 Evo. Allerdings fehlt bei der PHEV-Variante der elektrische Zusatzverdichter. Er hat optimierte Ein- und Auslasskanäle sowie eine überarbeitete Einlassnockenwelle. Um die anspruchsvollen Kunden der S-Klasse zufriedenzustellen, haben die Techniker das Geräuschniveau und die Vibrationen reduziert. Das Triebwerk ist für die Abgasnorm Euro 7 vorbereitet. Dies bedingt, dass der Turbolader und angrenzende Aggregate schnell sehr heiß werden müssen, um diese Anforderungen zu erfüllen. Das hat Auswirkungen auf die Kühlung des Motors. Kritisch ist die letzte Zündspule ganz hinten. Damit diese ausreichend gekühlt wird, haben die Techniker nicht nur Lufteinlässe auf der heißen Seite angebracht und den Motorraum sogar mit Spoilern und Luftleitblechen versehen.

Die Kombination aus Benziner (330 kW / 449 PS) und Elektromodul (120 kW / 163 PS) beschert dem S 580 e eine Systemleistung von 430 kW / 585 PS und ein maximales Drehmoment von 750 Newtonmeter. Das bedeutet ein Plus von 55 kW / 75 PS gegenüber dem Vorgängermodell: Der Elektromotor legt um 10 kW / 13 PS zu, beim Verbrenner sind es 60 kW / 82 PS. Damit ist man sicher nicht untermotorisiert. Ganz im Gegenteil: Nach 4,4 Sekunden sind aus dem Stand 100 km/h erreicht und erst bei 250 km/h ist Schluss. Die Akkus haben eine nutzbare Kapazität von 21,96 Kilowattstunden. Damit kommt man rein elektrisch bis zu 103 Kilometer weit.

Wir haben dem System den Taktstock übergeben und kamen bei unserer Testfahrt mit einer Autobahnetappe, bei der wir auch mal schneller unterwegs waren, auf einen Durchschnittsverbrauch von 6,6 Litern pro 100 Kilometer beziehungsweise 17,0 kWh/100 km. Mercedes gibt 3,0 l/100 km und 18,2 kWh/100 km an. Da wir uns vom Navigationssystem haben leiten lassen, legte das Energiemanagement der S-Klasse eine Punktlandung hin: Wir kamen am Ziel mit zwei Prozent Restkapazität der Batterie an. Angenehm war auch, wie reibungslos das Zusammenspiel zwischen den Antriebseinheiten funktionierte.
Mercedes S-Klasse: Besser den Alten behalten?
Dank der Hinterachslenkung, bei der die Räder mit maximal zehn Grad einschlagen, ist die S-Klasse trotz eines stattlichen Gewichts von 2.515 Kilogramm fast schon leichtfüßig unterwegs. Allerdings bleibt das Fahrwerk unverändert und ist deswegen nach wie vor zu weich abgestimmt und wippt nach. Das hatten wir schon vor sechs Jahren bemerkt, und da hätten wir uns eine Verbesserung gewünscht. Das sind wir schon beim Thema.

Auf dem Papier liest sich die Modellpflege umfangreich. Tatsächlich ist sie, bis auf die Benzinmotoren, eher dünn. Es scheint so, als wenn man diese S-Klasse noch schnell mal aufpeppen wollte, da es mit den vollelektrischen Varianten nicht so gut läuft wie angenommen. Vor sechs Jahren hat die S-Klasse Maßstäbe gesetzt. Um dieses Niveau zu halten, hätte man an entscheidenden Stellen nachschärfen müssen. Das ist nicht geschehen. Wenn man dann noch den Preis des sehr gut ausgestatteten Testfahrzeugs von 203.833,91 Euro in Betracht zieht, gibt es eigentlich keinen Grund, auf die neuere Version umzusatteln.








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